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Russland
02.08.2011
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Russische Skandal-Ballerina sucht Erfolg in Deutschland
In Russland macht die Primaballerina Anastassija Wolotschkowa vor allem mit Skandalen Schlagzeilen: Gefeuert vom Bolschoi-Theater, Nacktfotos auf den Malediven. Nun sucht die Tänzerin Erfolg in Deutschland - und will mit Vorurteilen aufräumen.
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Düsseldorf (dpa) - Hochgewachsen, blond, tiefes Dekolleté, zentimeterlange Wimpern: Anastassija Wolotschkowa erfüllt auf den ersten Blick jedes Klischee einer schönen Russin. Noch dazu ist sie eine Primaballerina. Besser gesagt: Sie war es. Denn die Tänzerin von hohem Wuchs wurde vor einigen Jahren vom weltberühmten Bolschoi-Theater in Moskau gefeuert. Angeblich war sie zu groß und zu schwer, und ihre Tanzpartner hätten Mühe gehabt, sie zu heben.
Anastassija Wolotschkowa: Der sterbende Schwan des russischen Balletts.

Im September tourt die 35-Jährige mit ihrer eigenen Truppe durch Deutschland. «Ich habe praktisch alle klassischen Ballettpartien getanzt», sagt sie am Dienstag in Düsseldorf. «Ich hatte immer nur einen Wunsch: Ballerina zu werden.»

Mit Skandalen wartet der Ballett-Star in Russland öfter mal auf: Zuletzt veröffentlichte sie im vergangenen Winter auf den Malediven entstandene Nacktfotos in ihrem Blog - als Protest gegen Paparazzi. Inzwischen kursieren die Aufnahmen im Internet als Fotomontagen - mal umarmt Wolotschkowa im Pool den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew, mal posiert sie lasziv mit Sand bedeckt vor einer Gruppe von Milizionären, oder sie lässt sich von Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi bewundern.

«Ich bin ein starker Mensch und habe gelernt, mich selber zu verteidigen», sagt Wolotschkowa. Mit sieben Jahren kam sie an die berühmte Waganowa-Akademie in St. Petersburg, eine der härtesten Ballettschulen. Schon als Elevin musste sie kämpfen. Denn sie habe nicht die notwendigen Maße für das klassische Ballett gehabt. Mit einem Privatlehrer habe sie sich zu Bestnoten hochgearbeitet. Später wurde sie in die Compagnie des Petersburger Mariinski-Theaters aufgenommen.
In Russland ist die ehemalige Primaballerina Wolotschkowa auch politisch engagiert.

Gegen ihre Kündigung durch das Bolschoi-Theater kämpfte Wolotschkowa erfolgreich vor dem Moskauer Arbeitsgericht. Schuld an dem Skandal sei ihr früherer Liebhaber, ein einflussreicher Geschäftsmann, gewesen, sagt sie. Er habe dem Theater-Direktorium eingeredet, sie wegen ihrer Größe zu feuern, nachdem sie sich von ihm getrennt habe.

Die mit Preisen gekrönte Wolotschkowa spielt auch die Rolle der Polit-Dissidentin. 2003 trat sie in die Kremlpartei Geeintes Russland ein und im Frühjahr 2011 wieder aus. «Ich sehe nur noch Heuchelei und Käuflichkeit in der Politik.» Nach ihrem Parteiaustritt seien Auftritte von ihr mehrmals gestört worden. Geschäftstüchtig ist Wolotschkowa auch: Über ihr Ballerina-Schicksal hat sie ein Buch geschrieben. Außerdem habe sie an der Moskauer Wirtschaftshochschule einen MBA-Abschluss gemacht.

Überhaupt sei es nicht wahr, dass sie zu groß und zu schwer fürs Ballett sei, betont Wolotschkowa und lüftet das Geheimnis um ihre Körperlänge: pinkfarbene 15-Zentimeter-Highheels an den Füßen. «Ich bin 1,70 Meter groß», sagt sie. «Das ist normal.»

 

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