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Papstbesuch in Mexiko
Europa
16.03.2012
Ermutigen und Impulse geben
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Rom/Mexiko-Stadt (dpa) - Wenn Papst Benedikt XVI. am kommenden Freitag (23. März) zu einem Besuch Mexikos und Kubas aufbricht, dann beginnt er seine wohl wichtigste und längste Auslandsreise in diesem Jahr. Das Wort Gottes möchte das Oberhaupt von etwa 1,2 Milliarden Katholiken verkünden, so die knapp gefasste Botschaft: Benedikt will die lateinamerikanischen Gläubigen ermutigen, ihnen Impulse geben.Als «Pastoralbesuch» in den beiden Ländern deklariert, ist vor allem der Besuch in Kuba auch eine Gratwanderung: Regimegegner in dem sozialistischen Inselstaat wollen, dass der Papst gegen die Repression das Wort ergreift. Die Führung erwartet, dass die Kirche einmal mehr gegen das US-Embargo aufsteht. In Mexiko leidet die Bevölkerung derweil unter dem dort tobenden Drogenkrieg.
«Der Papst hat Mexiko ausgewählt, weil es (nach Brasilien) das bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas ist», hatte Benedikts Sprecher Federico Lombardi erläutert: «Dort möchte er mit allen Bischöfen dieses Kontinents das 200-Jahr-Jubiläum der Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Staaten feiern.» Der Jesuitenpater bescheinigt Mexiko eine «tiefe katholische Seele». Allerdings sind seit Jahren die evangelischen Sekten auch in Mexiko auf dem Vormarsch, während die Zahl der Katholiken beständig abnimmt.
Der knapp 85 Jahre alte deutsche Papst muss also auf der ersten Etappe seiner Lateinamerika-Reise die ihm wichtige Neuevangelisierung voranbringen, mit dem Besuch «Anstoß zur Überwindung der Armut und Gewalt, zur Förderung der Hoffnung und des Friedens geben», sagt der Vatikan-Sprecher. 2007 hatte Benedikt Brasilien besucht - doch auch die spanischsprachigen Länder wünschten sich eine päpstliche Visite.
Höhepunkt seines Mexiko-Besuches (23.-26. März) ist eine Sonntagsmesse unter freiem Himmel im «Bicentenario»-Park von Léon im Bundesstaat Guanajuato. Mexikos Bischöfe erwarten etwa 750 000 Gläubige zu dem Gottesdienst und eine Botschaft Benedikts an ganz Lateinamerika und die Karibik.
Als «Basis» dient dem Papst Léon de los Aldama, mit rund zwei Millionen Einwohnern sechstgrößte Stadt des Landes, und Guanajuato, die Metropole des gleichnamigen Bundesstaates in Zentralmexiko. In die Hauptstadt Mexiko-Stadt kommt das Oberhaupt der Katholiken nicht - Ärzte raten ihm von Höhenlagen ab. Er hofft, von Léon aus den Erwartungen an seinen ersten Besuch in dem großen Land gerecht zu werden, das für die Schwellenmächte des Kontinents steht. Und das mit einem schlanken Terminprogramm, das Joseph Ratzinger nach dem langen Flug mit großer Zeitverschiebung etwas verschnaufen lässt.
Bei der anschließenden Kuba-Etappe (26.-28. März) muss Benedikt noch mehr jedes Wort abwägen - und er steht dabei im Schatten seines Vorgängers Johannes Paul II.. Dieser hatte dem sozialistischen Staat 1998 einen historischen Besuch abgestattet und mit seinem Credo die Gläubigen gestärkt: «Auf dass sich Kuba der Welt öffne und die Welt sich Kuba!» Der polnische Papst las Fidel Castro und den Kubanern kräftig die Leviten, forderte Bewegungsfreiheit für die Kirche und die Freilassung politischer Gefangener. Das US-Embargo gegen den auch deshalb so stark verarmten Karibikstaat hatte Rom immer verurteilt.
Diese Gratwanderung zwischen Kritik an den Menschenrechten und am Embargo kann Benedikt nun fortsetzen - genau ein halbes Jahrhundert nach der Exkommunikation Fidel Castros durch den Vatikan. Doch auch ein Überraschungsbesuch Benedikts bei Fidel Castro erscheint möglich.
Der Vatikan betont aber zunächst einmal den «pastoralen Charakter» des Benedikt-Besuchs auf der Insel mit den Stationen Santiago de Cuba und Havanna. Pastoral ist in der Tat der eigentliche Anlass: Es ist der 400. Jahrestag der Entdeckung des Gnadenbildes der Muttergottes der Nächstenliebe von Cobre - Kubaner auf der Insel und jene im Exil verehren diese «Liebe Frau von Cobre», verleihen ihr einen religiösen Kultstatus. Sie ist die Nationalheilige Kubas geworden, die auch von den aus Afrika stammenden Religionen verehrt wird.
Neben der Fahrt zum beliebten kubanischen Wallfahrtsort trifft Benedikt Präsident Raúl Castro. Er feiert zwei Messen mit den Katholiken, die zweite kurz vor dem Ende der Reise auf dem Platz der Revolution in Havanna. Es wird seine letzte Gelegenheit sein, auf der Insel erfolgreich eigenen Akzente zu setzen und die Vermittlerrolle der kubanischen Kirche zwischen Regierung und Opposition zu stärken.
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