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Griechenland
05.06.2012
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Ex-Außenministerin: Mehrheit der Griechen will im Euroland bleiben
Griechenland steht am 17. Juni vor einer Schicksalswahl. Hält Athen am Sparkurs fest und bleibt im Euroland? Oder schlagen die Griechen einen anderen Weg ein? Die bürgerliche Spitzenpolitikerin und frühere Außenministerin Dora Bakogianni (58) spricht mit der Nachrichtenagentur dpa über die Fehler ihrer Generation und die Aussichten nach der Wahl.
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Athen (dpa) - Das politische System in Griechenland scheint an Vetternwirtschaft und Korruption zu zerbrechen. Sie haben sich stets für die Integration in die EU eingesetzt. Ist das knapp 32 nach dem Beitritt Griechenlands in Gefahr?

Bakogianni: «Ich glaube ja. Es besteht eine große Gefahr. Sie haben Recht, das politische System ist zugrunde gegangen. Das Zwei-Parteien-System (Konservative und Sozialisten) ist zugrunde gegangen. Griechenland braucht jetzt größere Koalitionen. Und ehrlich gesagt, das freut mich. Wir müssen einander zuhören, mehr Verständnis zeigen. Wenn wir uns sowieso einig sind, dass das Prinzip gilt, dass wir in der Eurozone bleiben wollen, da bekommt man viele Leute zusammen, die zusammenarbeiten wollen. Das werden wir (die bürgerlichen Partei Nea Dimokratia) versuchen.

Das politische System, das wir kannten, in dem eine der Parteien Griechenland immer mit sehr viel Egoismus und sehr viel Selbstherrlichkeit regiert hat, das ist vorbei. Die griechischen Politiker müssen jetzt ehrlich sein und Selbstkritik üben. Wir haben eben sehr viele Fehler gemacht in den vergangenen 30 Jahren. Deshalb ist es wichtig, dass eine jüngere Generation die (politische) Verantwortung für Griechenland übernimmt.»

Glauben Sie, dass eine ganze Generation von Griechen, die mit Vater Staat aufgewachsen ist, der für sie sorgt, sich doch noch auf einen neuen Gesellschaftsvertrag einigen kann?
Griechenland steht vor dem Schicksalwahl.

Bakogianni: «Die Leute, die heute 35 Jahre alt sind, die sind sehr böse auf uns. Und ich glaube, sie haben Recht, böse zu sein. Weil, die wissen genau, was schiefgegangen ist. Und sie wissen genau, wie wir, also meine Generation, an uns und nicht an die nächsten Generationen gedacht haben. Sie sind heute viel erwachsener und reifer, als man denkt. Langsam muss diese Generation jetzt übernehmen. Das wird nicht leicht, sondern schwer sein. Aber sie haben jetzt gelernt, dass es keinen Vater Staat gibt.»

Können die anderen Europäer hoffen, dass sie nach dem 17. Juni mit einer Regierung sprechen werden, die so verhandelt, wie man es in der EU bislang getan hat: Hart, aber fair?

Bakogianni: «Ja, ich glaube ja. Ich glaube die Griechen werden einer solchen Regierung ihre Stimme geben. In Griechenland wollen mehr als 82 Prozent der Menschen im Euroland blieben. Sie sind (andererseits) wütend, sie sind sehr verzweifelt. Aber ich glaube, sie wollen ein Teil dieser Eurozone bleiben. Und so werden sie auch wählen. Ich hoffe es. Und es ist sehr wichtig: Unsere europäischen Partner müssen uns auf diesem Weg helfen. Und sich nicht Aussagen erlauben, die wirklich nur den Leuten, die gegen Europa arbeiten, nutzen.»

 

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