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Nowotscherkassk
Russland, Nowotscherkassk
"Nowotscherkassk" () ist eine südrussische Industriestadt, ca. 1000 km südlich von Moskau und 30 km nordöstlich von Rostow am Don auf einem Hügel, der auf drei Seiten vom Akssai und Tuslow umströmt wird, gelegen. Nowotscherkassk liegt an der Eisenbahnstrecke Moskau - Rostow am Don - Sotschi, sowie an der russischen Fernstraße M 4 von Moskau nach Noworossijsk. Sie hat rund 178.000 Einwohner (Stand 2007).
Geschichte
Die Stadt wurde 1805 gegründet und war im 19. Jahrhundert Hauptort und einzige Stadt in Gebiet der Donkosaken. Die vorherige Hauptstadt der Donkosaken, Tscherkassk (jetzt unter Starotscherkassk bekannt) wurde oftmals Opfer von Überschwemmungen, deshalb beschloss Kosakenführer Matwei Iwanowitsch Platow die Hauptstadt neu zu gründen. Daher kommt auch die Bezeichnung Nowotscherkassk (Neu-Tscherkassk) bzw. Starotscherkassk (Alt-Tscherkassk) für diese Orte.
Denkmal für Ataman Jermak in Nowotscherkassk
Im Jahre 1882 lebten 37.091 Einwohner in der Stadt. Sie besaß 11 Kirchen, ein Knaben- und ein Mädchengymnasium, ein Theater, Irren-, Waisen-, Findel- und Krankenhäuser, ein Zeughaus, ein Denkmal ihres Gründers, des Ataman (siehe auch Hetman) Matwei Iwanowitsch Platow.
Nowotscherkassk besaß zwei bedeutende Jahrmärkte und war Handelszentrum, besonders für Getreide, Wein, Holz und Drogeriewaren. Die Industrie, welche sich zuvor auf die Fabrikation von Ziegeln, Mehl, Schmiedearbeiten und Wein beschränkte, entwickelte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts.
Die Stadt war Sitz des frei gewählten Nakasnoi Ataman, des Oberhauptes aller Donkosaken, der Zentralregierung und der obersten Gerichtsbehörde der Donkosaken.
Bemerkenswert sind die 30 km nördlich gelegenen und durch die Eisenbahn mit Nowotscherkassk verbundenen großen Anthrazitlager an der Gruschewka.
In Nowotscherkassk bestand das Kriegsgefangenenlager "430" für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Maschke, Erich (Hrsg.): "Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges." Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977. Schwer Erkrankte wurden im Kriegsgefangenenhospital "5351" behandelt. Auf dem Hospitalfriedhof liegen ca. 1.000 Verstorbene begraben.
Massaker von Nowotscherkassk
In Nowotscherkassk kam es am 1. und 2. Juni 1962 zu den wohl bedeutendsten Arbeiterunruhen in der UdSSR. Chruschtschow hatte infolge einer Versorgungskrise die Preise um teilweise 35 % erhöht und gleichzeitig die Löhne um 60 bis 70 % gesenkt. Die Arbeiter der Lokomotivfabrik gingen in den Ausstand, verbrannten Chruschtschow-Bilder und forderten Lohnerhöhungen und Nahrungsmittel für ihre Familien. Am 1. Juni abends fuhren die ersten Panzer. Am 2. Juni 1962 zogen die Arbeiter von der Fabrik in die Stadt, in der ebenfalls Streiks ausbrachen. Sie zeigten Lenin-Porträts und waren zunächst friedlich, erstürmten dann allerdings Gebäude der Miliz und des Exekutivkomitees der Partei. Beamte wurden verhöhnt und Milizionäre verprügelt. Angeblich etwa die Hälfte der Stadtbevölkerung solidarisierte sich mit den Demonstranten. Einheiten der Sowjetarmee hatten mittlerweile die Innenstadt abgeriegelt. Ab 11:00 Uhr schoss das Militär auf Demonstranten und beendete den Aufruhr. Es gab 24 oder 26 Tote, einen Schauprozess und zahlreiche Geheimverfahren. Die sowjetische Regierung schwieg die Vorkommnisse soweit möglich tot. Als verantwortlicher Kommandeur des Militärbezirks Nordkaukasus befahl General Issa Alexandrowitsch Plijew den Einsatz gegen die Demonstranten.
Städtepartnerschaften
Nowotscherkassk ist Partnerstadt von Iserlohn in Deutschland.
Sehenswürdigkeiten
Die Kathedrale von Nowotscherkassk
Einer der beiden Triumphbögen in Nowotscherkassk
Auf dem höchsten Punkt der Stadt steht die Auferstehungs-Kathedrale, erbaut 1890 bis 1905 durch den Architekten Jatschmko. Es handelt sich hierbei um die erste größere Stahlbetonkonstruktion im südlichen Teil Russlands. Zurzeit ist sie nach der Erlöserkathedrale in Moskau (10.000 Gläubige) und der Isaakskathedrale in St. Petersburg (7.000 Gläubige) die drittgrößte Kirche Russlands und fasst etwa 5000 Gläubige. Auf dem Platz vor der Kathedrale findet sich das Denkmal von Ataman Jermak, der im Auftrag des Zaren Iwan des Schrecklichen Sibirien erschloss. Er fiel 1581 im Krieg gegen den Tataren.
Darüber hinaus war Nowotscherkassk die Residenz der Atamanen, davon zeugt noch heute ihr im historistischen Stil geschaffenes Stadtschloss.
Zur Ehre der aus der Völkerschlacht bei Leipzig 1814 siegreich zurückkehrenden Kosaken ließ der Bürgermeister der damals neu gegründeten Stadt zwei identische Triumphbögen bauen.
Industrie
Bedeutendster Industriebetrieb in Nowotscherkassk ist die größte Lokomotivfabrik Russlands NEVZ (НЭВЗ), die 9900 Personen beschäftigt und jährlich 260 Lokomotiven unterschiedlichen Typs, sowohl mit elektrischem als auch dieselelektrischem Antrieb produziert (2006). Ein weiterer wichtiger Industriebetrieb stellt Graphitelektroden her. Darüber hinaus gibt es in Nowotscherkassk eine Raffinerie, verschiedene Möbel produzierende Unternehmen, eine Farbenfabrik und mehrere Lebensmittel herstellende Unternehmen (z. B. Großmolkerei und Wodkadestillerie).
Forschung und Lehre
Nowotscherkassk wird auch wegen seiner zahlreichen Hochschulen und Institute Stadt der Wissenschaft genannt. Hervorzuheben sind:
*die Südrussische Staatliche Technische Universität,
*die Akademie für Melioration,
*die Militärische Hochschule für das Fernmeldewesen,
*das Forschungszentrum für Weltraumsimulatorenbau und
*ein Forschungsinstitut für den Weinanbau.
Söhne und Töchter der Stadt
*Julia Alexandrowna Guschtschina (* 1983), Sprinterin
*Alexander Iwanowitsch Lebed (1950–2002), russischer General und Politiker, Gouverneur von Krasnojarsk
*Alexei Dmitrijewitsch Maslennikow (* 1929), sowjetischer Opernsänger
*Boris Iwanowitsch Prijmak (1909–1996), sowjetischer Architekt
*Walerian Alexandrowitsch Sorin (1902–1986), sowjetischer Diplomat
Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 24.05.2013 22:49 von den Wikipedia-Autoren.
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