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Masyr

Weißrussland, Masyr
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"Masyr" (weißrussisch , russisch bzw. "Mosyr", polnisch "Mozyrz") ist eine Stadt mit 111.600 Einwohnern (2006) im Homeler Bezirk ("Voblasz") im Südosten Weißrusslands, 133 nordwestlich von Homel und 320 km südlich von Minsk. Masyr liegt am Fluss Prypjat ("Pripjet") nahe dem Sperrgebiet, das in Folge des Reaktorunglücks von Tschernobyl eingerichtet wurde.

Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung von Mazyr, einer der ältesten weißrussischen Städte, ist für das Jahr 1155 belegt,
als sie der Kiever Fürst Jurij Dolgorukij dem Tschernigover Fürsten Swjatosloaw Olgowitsch übergab. Im Laufe der Jahrhunderte gehörte Mazyr mehreren Herrschaftsbereichen an (Kiever, Tschernigover, Turover Fürstentum). Seit Mitte der 1560er Jahre war es als ein Handelszentrum des Landkreises (Pawet) Kiev Teil des Großen Fürstentums Litauen, 1569 gehörte es infolge der Lubliner Union zur Rzeczpospolita, als Stadt in der Mensker (Minsker) Wojewodschaft. Das Magdeburger Stadtrecht erhielt Mazyr 1577, ein Stadtwappen erst später; die entsprechenden Dokumente werden heute im nationalen historischen Archiv von Weißrussland in Minsk aufbewahrt.

Infolge eines großen Stadtbrandes zu Beginn des 17. Jahrhunderts sind das Mazyrer Schloss und ein Teil der Stadt bis auf die Grundmauern niedergebrannt. In diesem Zusammenhang wurden 1609-1613 Maßnahmen zum Wiederaufbau ergriffen, nach denen an die Einwohner der Befehl erging, das Schloss sowie die Plätze der Stadt wieder aufzubauen.

Im 17. Jahrhundert fand in Mazyr ein Aufstand gegen die adeligen Großgrundbesitzer statt.

Nach der zweiten polnischen Teilung 1793 fiel die Stadt als Kreisstadt (= Zentrum eines Landkreises, d. h. Pawet) an Russland. Der Bau einer eigenen Eisenbahnstrecke in der Region Palesse, heute südliches Weißrussland, in den 1880er Jahre trug entscheidend zum wirtschaftlichen Wachstum von Stadt und Region bei. 1885 entstand in der Stadt die Streichholzfabrik "Molnija" ("Blitz"). 1917 wurde in Mazyr die Sowjetmacht errichtet. Von Februar bis Dezember 1918 befand sich die Stadt unter deutscher Okkupation, vom 5. März bis 29. Juni 1920 wurde sie von den Polen besetzt. Ab 1924 war Masyr in der noch jungen Sowjetunion Kreisstadt, d. h. Zentrum eines Rajon, 1926/27 gehörte es dem Rajon Slabada an, 1924-1930 und 1935-38 war es Zentrum des Kreises Mazyr, 1938-1954 Hauptstadt des Gebietes (Woblasz) Polesse. Seit 1954 gehört die Stadt dem Gebiet Homel an.

Während des Zweiten Weltkrieges errichteten die Deutschen in Masyr ein Todeslager, in dem 4.700 Menschen zu Tode kamen. Vom 22. August 1941 bis 14. Januar 1944 befand sich die Stadt unter Okkupation der Wehrmacht.

Wirtschaft und Tourismus
Masyr ist zusammen mit Nawapolazk Zentrum der Erdölindustrie von Weißrussland. Weitere in der Stadt ansässige Wirtschaftszweige sind der Maschinenbau, die Metall- und holzverarbeitende Industrie, die chemische Industrie, die Leichtindustrie (so z. B. die Textilfabrik "Nadex"http://nadex.by/ (auf Russisch)) sowie die Nahrungsmittelindustrie; so stellt z. B. die Firma "Mosyrsol" Küchensalz her. Das pharmazeutische Unternehmen "Etanol", welches neben medizinischen Produkten auch alkoholhaltige Substanzen produziert, war zu Sowjetzeiten nach eigenen Angaben des größte in der Mikrobiologie tätige Unternehmen des Landeshttp://www.mozyr-etanol.com/ (auf Russisch).

Die staatlichen Hotels sind das "Dynama", die "Elada" sowie die Hotelanlagen "Prypjat".

Als Touristenattraktionen bietet Mazyr eine Sommerrodelbahn und im Winter einen kostenlosen Skilift. Zudem bietet Mozyr in seinem Zentrum ein sehr sehenswertes Schloss.

Verkehr
In Masyr verkehrt neben Bussen auch seit 1. August 1988 eine Straßenbahnlinie, deren Streckenverlauf 20 km Länge beträgthttp://mozyr.tut.by/city/tramway/ (auf Russisch)). Damit ist Mazyr neben Minsk, Vicebsk(Witebsk) und Nawapolazk eine von vier Städten in Weißrussland mit Straßenbahnverkehr.

Die Eisenbahnstrecke Kalinkawitschy-Owrutsch (Ukraine) verläuft in 7 km Entfernung von Mazyr an der Stadt vorbei. Durch Fernstraßen ist die Stadt mit Homel, Babrujsk und Owrutsch verbunden.

Obwohl die Stadt über den größten Hafen des Landes verfügt, ist weder die die industrielle noch die touristische Schifffahrt besonders entwickelt. Masyr verfügt aber über einen Flughafen.

Kultur
Skulptur in Masyr
In Mazyr sind das Iwan-Melesch-Theater, die Philharmonie sowie das Landeskunde- und Kulturmuseum der Region Palesse, ein Museum für angewandte Kunst und eine städtische Ausstellungshalle ansässig. 1990 wurde der Kulturpalast des Erdölverarbeitungswerkes Mazyr eröffnet, in dem ab und an auch bekanntere Künstler auftreten.

Das einzige Lichtspieltheater der Stadt ist das Kino "Mir" ("Frieden"), es sind mehr als 50 öffentliche Bibliotheken vorhanden.

Bildung und Wissenschaft
In der Stadt befinden sich 15 Mittelschulen, vier Musikschulen, 35 Kindergärten sowie jeweils eine Berufsschule (Technikum) für Bauwesen, Geologie, Sport, medizinische Berufe.

Die 1946 gegründete pädagogische Hochschule ist in den 1990er Jahren in die Staatliche pädagogische Nadeschda-Krupskaja-Universität Masyr umgewandelt und somit aufgewertet worden.

Sport
Neben zahlreichen Schwimmbädern, Turnhallen und Stadien verfügt Masyr über Wintersportanlagen, die das touristische Standbein der Region bilden.

Der Fußballklub FK Masyr (ehemals "Slawija Masyr") spielt in der Saison 2008 in der zweiten weißrussischen Ligahttp://www.slaviya.info/ (auf Russisch).

Sehenswürdigkeiten
* Die orthodoxe Kirche des Hlg. Michail einschließlich Kloster
* Die katholische Michaelskirche einschließlich Zisterzienserkloster

Söhne und Töchter der Stadt
* Л. А. Jarmolina (1900—1984), weißrussische Theaterschauspielerin
* Michail Finberg, Dirigent
* Ksenia Sitnik, Sängerin, Siegerin des Junior Eurovision Song Contest 2005

Galerie

Image:Mazyr2.JPG|Othodoxe Kirche des Hlg. Michail mit Kloster
Image:Mazyr1.JPG|Ostteil von Masyr
Image:Mazyr3.JPG|Lenin-Platz


Quellen



Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 12.12.2017 13:25 von den Wikipedia-Autoren.
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