Skiurlaub- günstig mit FeWo-direkt
ITS | Jahn | Tjaereborg


Espresso der Extra-Klasse


     
Hotelsuche in 
 

Marathon durch Wrocław

Deutschland
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Spaziergänge rund um Rynek, Sand- und Dominsel zur Jahrhunderthalle
Den beinahen Untergang hat Breslau dem fanatischsten aller deutschen Gauleiter zu verdanken: Karl Hanke erklärte die Stadt zur Festung und ließ eine Bresche durch die Innenstadt schlagen, um eine Startbahn zu bauen.
Galerie
Polens populärer Papst Johannes-Paul II. als monumentale Steinskulptur vor der Dominsel.
Die Festung Breslau: Panzersperren mitten in der Stadt.

Hitler beeindruckte Hankes bedingungsloser Gehorsam so, dass er ihn am 29. April 1945 in seinem politischen Testament als Nachfolger des in Ungnade gefallenen Heinrich Himmler zum Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei ernannte. Breslaus Preis für Hankes kurzen Ruhm: Von 30.000 Gebäuden lagen am Ende der Kampfhandlungen 21.600 in Trümmern. Viele Industriebetriebe und wertvolle Kulturdenkmäler waren völlig zerstört.

Der Wahnsinn des Müllermeisters aus dem niederschlesischen Lauban/Lubán kostete nach Schätzungen des britischen Historikers Norman Davies 170.000 Zivilisten, 6.200 deutsche und 13.000 sowjetische Soldaten das Leben. Bei der Kapitulation der Stadt war der feige Kampfkommandant und zwischenzeitliche Geliebte von Magda Goebbels verschwunden – mutmaßlich geflohen mit dem einzigen Flugzeug, das auf der von ihm veranlassten Startbahn, der eine ganz Breslauer Straße weichen musste, jemals abhob.

In Prag scheint sich Hanke der 18. SS-Freiwilligen-Panzer-Grenadier-Division „Horst Wessel“ angeschlossen zu haben, die nach Kämpfen mit tschechischen Partisanen in der Nähe von Neudorf/Nová Ves kapitulierte. Bei einem Fluchtversuch soll er von tschechischen Wachmannschaften angeschossen und erschlagen worden sein – möglicherweise eine Legende. Denn Wilfred von Oven, Goebbels Referent, will Hanke später in Argentinien wiedererkannt haben.

Hänsel und Gretel auf dem Rynek
Ob Flucht oder Tod, der Spuk war vorbei, die Überlebenden und Neubürger aus dem Osten Polens konnten mit dem Wiederaufbau beginnen. Wer heute auf dem Rynek, dem Ring, steht, kann sich kaum vorstellen, dass hier fast alles in Trümmern lag. Das alte Rathaus mit der berühmten astronomischen Uhr (1580) bildet den Mittelpunkt des 1241 angelegten, rechteckigen Marktplatzes. Hohe, herrschaftliche Bürgerhäuser mit reich verzierten Fassaden – wie das Haus der Kurfürsten an der Westseite mit Fresken des italienischen Künstlers Giacomo Scianzi (1672) – bilden die vier Seiten des Karrees.
Das Rathaus bei Nacht.

Das Rathaus birgt außer historischen Quellen auch ein architektonisches Geheimnis: Zahlreiche Tore öffnen sich zu den Gassen im Inneren der Anlage, in denen seit dem Mittelalter Händler und Handwerker ihre Waren herstellten und feilboten. Hänsel und Gretel nennen die Breslauer zwei schmale, durch einen barocken Torbogen verbundene Häuschen vor der hohen Elisabethkirche an der Nordseite des Platzes. Etwas aus dem historischen Rahmen fällt das sechsstöckige Gebäude mit den horizontalen Rundungen: Das Mendelsohn-Haus (1912) war früher ein beliebtes Kaufhaus.

Salzmarkt, Synagoge und Jüdische Friedhöfe
Südwestlich des Ringes schließt sich der kleinere Salzmarkt an, dessen repräsentative Bürgerhäuser eine Reihe von Blumenpavillions in dessen Mitte rahmen. Der Plac Solny wird von mehreren Querstraßen durchschnitten. Am anderen des Platzes geht man durch einen unauffälligen Gebäudebogen auf eine der Hauptverkehrsstraßen, der mit einem weiteren Torbogen hunderte Meter weiter an der Fassade der Sw. Antoniego korrespondiert – der Eingang zur klassizistischen Synagoge, dem einzig erhalten gebliebenen jüdischen Gotteshaus für die etwa 300 Mitglieder der jüdischen Gemeinde Breslaus.

Daneben befinden sich das Gemeindezentrum und das koschere Restaurant „Sarah“. Auf einer Gedenktafel an der Hinterhofwand ist zu lesen: „Von diesem Platz sind in den Jahren 1941 bis 1944 die Breslauer Juden durch die Nationalsozialisten in die Vernichtungslager deportiert worden. Wir wollen es niemals vergessen!“ Um zum Neuen Jüdischen Friedhof zu gelangen, fährt man am besten mit der Straßenbahnlinie 22 eine knappe halbe Stunde stadtauswärts – vorbei an Hochhäusern und einem kleinen Stadtwäldchen. Das Eingangstor findet man etwas versteckt an der ul. Lotnicza 51.

Auf dem Alten Jüdische Friedhof an der Ulice Slezna 37 liegen vorwiegend prominente Breslauer in pompösen Gruften begraben. Schriftsteller, Wissenschaftler, Politiker und erfolgreiche Unternehmer. „Süß ist des Arbeiters Schlaf“ ist auf einem Stein zu lesen – es aber nicht das Grab Ferdinand Lassalles, des berühmt-berüchtigten Arbeiterführers, 1825 in Breslau geboren. Des Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins mit dem Lebensstil eines Bohemiens starb mit nur 39 Jahren bei einem Duell um eine amouröse Affäre.

Jahrhunderthalle und Markthalle
Nördlich der Oder residiert inmitten einer Parklandschaft mit einem sehr großen Flachteich und halbrunden, berankten Arkaden die 1913 erbaute Jahrhunderthalle, seit 2006 UNESCO-Weltkulturerbe, in der die größte Orgel der Welt konstruiert wurde – mit 15.133 Pfeifen und 200 Register.
Die Markthalle unter den Metallbögen einer Jahrhundertwende-Architektur.
Für ihre Einweihung hatte der Weidener Komponist Max Reger im Auftrag der Stadt Breslau das monumentale Werk Introduktion, Passacaglia und Fuge e-moll (op. 127) komponiert. Hinter dieser so genannten Hala Stulecia, eine von 1911 bis 1913 in Breslau nach dem Entwurf des Architekten und Stadtbaurates Max Berg errichtete Veranstaltungshalle aus Stahlbeton, ragt die 86 Meter hohe Skulptur „Iglica“, eine Stahlnadel in die Höhe.

Richtung Zentrum neben einer Oderbrücke erhebt sich die 1908 aus roten Backsteinen errichtete Markthalle, eine Stahlbetonkonstruktion mit historischer Fassade – Grundriss und Außenarchitektur stammen von Richard Plüddemann, den Innenraum gestaltete Heinrich Küster. Unter den hohen, geschwungenen Stahlträgern findet das rege Marktreiben mit seinen zahlreichen Verkaufsständen statt.

Die Oderinseln: Dom-, Sand- und Konsorten
Von hier ist es nur noch ein Katzensprung zu den Oderinseln –Dominsel, Sandinsel und zwei kleinere Schwestern, untereinander und mit dem „Festland“ verbunden durch eine Vielzahl von Brücken und Stegen. Namensgeber der Hauptinsel und Wahrzeichen der Stadt ist der Breslauer Dom, die gotische Kathedrale St. Johannes des Täufers (Archikatedra św. Jana Chrzciciela) aus den Jahren 1244 bis 1341. Mit knapp 98 Metern sind seine Türme die höchsten der polnischen Stadt Breslau.

Eine Brücke mit gusseisernen Torbögen führt auf die Sandinsel mit der Kirche St. Maria auf dem Sande (Kościół Najświętszej Marii Panny na Piasku), auch Sandkirche genannt – sie gehört zu den ältesten gotischen Kirchen Polens. In der Frühphase der böhmischen Periode, Anfang des 14. Jahrhunderts, wurde der romanische Vorgängerbau abgerissen. Baumeister Peschel errichtete an seiner Stelle von 1334 bis 1430 eine größere gotische Kirche aus Backstein.

Beide Inseln sind dicht bebaut mit sakraler Architektur, ohne dass sie deswegen die beschwingte Leichtigkeit eines Sommertages verlören – auf den Inseln promenieren Breslauer und Touristen, in den Wiesen lagern Studenten und bei zahlreiche Konzerten verwandeln sie sich in fröhliche Partymeilen der bunten Universitätsstadt.
Dieser Artikel ist Teil der Tour "Zeitreise durch Breslau"
Touren
 

 

Kommentare zu diesem Artikel
 
Neuer Kommentar
Name *
Email * (wird nicht öffentlich angezeigt)
Kommentar
* Pflichtangaben
 
Diesen Artikel empfehlen

Absender Empfänger Nachricht (optional)
Name
E-Mail

Name
E-Mail
   
 
 
Tipps der Redaktion aus dem Reiseportal
 
REISEPORTAL
Berlin (dpa) - Wer andere beim Kennenlernen nachahmt, macht sich beliebt - zumindest innerhalb des eigenen Geschlechts. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Freien Universität Berlin und der Uni Leipzig. Demnach gibt
Göteborg (dpa) - Ein Mann ist in der Domkirche im schwedischen Göteborg in Brand geraten. Er sei dabei schwer verletzt worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Ob er sich absichtlich anzündete oder es sich um einen Unfall handelte, war
Birmingham (dpa) - Ein 46-Jähriger hat am Sonntag auf einen Mann in einer britischen Kirche eingestochen und ist festgenommen worden. Täter und Opfer kennen sich, wie die Polizei in Birmingham mitteilte. Es habe sich um eine gezielte Tat
Repression, Exil oder eine Festnahme schüchtern die russische Aktivistin Ljudmila Alexejewa nicht ein. Als Grande Dame der Menschenrechte scheut sie auch nicht die Kritik an der Staatsführung. Und sie ist sicher: Die Jugend-Proteste werden ihre
Berlin (dpa) - Baustellen bei der Bahn sollen die Fahrpläne künftig weniger durcheinander bringen. Dazu hat im Konzern ein neues «Lagezentrum Bau» die Arbeit aufgenommen, wie Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla in Berlin sagte. «Es hat die
Gütersloh (dpa) - Patienten mit Rückenschmerzen kommen immer häufiger auf den OP-Tisch. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung, die auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und eigenen Berechnungen beruht. 2015
 
Tipps der Redaktion aus dem Nachrichtenportal
 
NACHRICHTEN
Berlin (dpa) - Der «Gute Zeiten, schlechte Zeiten»-Star Daniel Fehlow (42) und seine Schauspiel-Kollegin Jessica Ginkel (37, «Der Lehrer») werden erneut Eltern. «Jessi und ich sind wieder schwanger, und wir freuen uns wahnsinnig auf unser
«Heute ist ein großer, historischer Tag für Europa. Wir heben gewissermaßen die europäische Verteidigungsunion aus der Taufe.»(Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Donnerstag im ARD-«Morgenmagazin» zum EU-Gipfelthema militärische
10.25 - 13.28 ZDF Info Wintersport ZDFinfo Sport Ski Freestyle: Weltcup, Skicross, aus Montafon (A) Ski alpin: Weltcup, Super-G Herren, aus Gröden (I) 10.30 - 12.00 Eurosport Ski Freestyle Weltcup
Berlin (dpa) - Nach der Insolvenz der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki ist das große Chaos am Flughafen Tegel am Donnerstagmorgen ausgeblieben. Rund zwei Dutzend Niki-Kunden waren am frühen Morgen zum Flughafen gekommen, obwohl die
«Bette Davis Eyes» heißt ein Welthit aus den 80ern. Bis heute unvergessen ist die Präsenz der Hollywood-Diva mit den ausdrucksstarken Augen. Eine Arte-Doku schaut auf den Menschen hinter dem Leinwandgesicht.Berlin (dpa) - Sie rauchte Dutzende
Berlin (dpa) - Die europäische Verteidigungsunion wird laut Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auch der Nato helfen. «Die Nato wird davon profitieren, dass die Europäer sich besser organisieren», sagte von der Leyen dem
Wetter

Berlin


(14.12.2017 09:27)

1 / 4 °C


15.12.2017
1 / 4 °C
16.12.2017
2 / 4 °C
powered by wetter.com
Börsenberichte

Ecken
LÄNDER
STÄDTE
EUROPA-TOUREN
banner

banner

banner

banner

© europe online publishing house GmbH, Weiden, Germany, info@europeonline-magazine.eu | Impressum