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Liebe, Lust und Katastrophen
Deutschland, Amberg
22.11.2011
Amberger Autor Siegfried Schröpf über Themen, die verführen und berühren
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Herr Schröpf, Sie sind als Geschäftsführer eines Solarunternehmens und auch Experte für die Auswirkungen der Klima-Erwärmung. Reizt es Sie nicht, dieses Thema einmal aufzugreifen und ihren Anwalt Schöngeist einer drohenden Umweltkatastrophe auf die Spur kommen zu lassen?
Schröpf: Mit diesem Thema bin ich zwölf Stunden am Tag beschäftigt. Es ist nicht nur mein Beruf, sondern ich empfinde auch eine persönliche Verantwortung für unsere Kinder, dass wir ihnen den Planeten nicht in einem desaströsen Zustand überlassen. Und genau deswegen, kann ich mir nicht vorstellen, ein Romanprojekt draus zu machen.
Weil Sie zu dicht dran sind? Würde das dem Roman nicht eine besondere Authentizität verleihen?
Schröpf: Zum einen scheue ich davor zurück, dieses bedrückende Thema für einen Unterhaltungsroman auszuschlachten. Mir kommt das etwas populistisch vor, immer nur danach Ausschau zu halten, was die Öffentlichkeit tagesaktuell besonders beschäftigt, um auf einen Hype aufzuspringen, in der Hoffnung, daraus Kapital zu schlagen. Zum anderen möchte ich offen gestanden neben meinem beruflichen Engagement auch noch andere spannende Sujets entdecken.

Dicht dran: Korruption und Nazi-Vergangenheit spielen im aktuellen Schöngeist-Band eine bedeutende Rolle.
Politisch sind Ihre Themen trotzdem! Korruption und Nazi-Vergangenheit passen in Ihre Vorstellung von guter Unterhaltung?
Schröpf: Sehen Sie, unter Unterhaltung verstehe ich keine seichte Berieselung wie von Konservenmusik im Supermarkt. Ich persönlich fühle mich gut unterhalten, wenn ich beim Lesen eines Romans etwas dazulerne, auf neue Perspektiven stoße, wenn mich die Handlung und die Figuren berühren – ich mitleide, im positiven wie im negativen Sinn des Wortes. Insofern greife ich natürlich auch die großen Themen wie Macht, Geld und Leidenschaft und ihren Einfluss auf Menschen auf.
Leidenschaft kommt im Plot nicht zu kurz: Was interessiert Sie an der Darstellung von Erotik in Ihren Büchern?
Schröpf: Liebe und Lust sind ein schöner Bestandteil des Lebens. Wenn ich realistische Szenarien für meine Figuren entwickle, komme ich an diesem Thema nicht vorbei und möchte das auch nicht. Es wäre doch eine seltsame Prüderie, eine so wesentliche Antriebsfeder wie den Eros auszuklammern.
Einige Ihrer Frauenfiguren konkurrieren mit Chrisine Neugebauer um den Titel von Deutschlands üppigsten Vollweib – Ihr persönlicher Geschmack oder auch etwas Parodie?
Schröpf: Ach wirklich? Ist mir noch nicht aufgefallen … Für mich persönlich geht ohne Kopf gar nichts, deshalb kommen für Schöngeist und mich nur intellegente Frauen in Frage. Attraktivität hat natürlich mehrere Facetten. In meinem Leben spielte Bewegung immer eine große Rolle. Als Läufer fühlt man sich vielleicht etwas stärker zu sportlichen Erscheinungen hingezogen. Aber an plakativen Körpermaßen kann ich nicht festmachen, ob mich die Erscheinung einer Frau umhaut – da spielen viele Faktoren eine Rolle und alles zusammen macht dann die Aura einer Femme fatale aus. Dabei steigern kleine Schönheitsfehler für mich sogar die Anziehungskraft.

T.C. Boyle, Meister des "creative writing" auf der Buchmesse Leipzig. Unbedingt lesen: "Wassermusik".
Wenn sich ein zeitgenössicher Regisseur für Ihren Stoff interessieren würde: Wen würden Sie sich wünschen?
Schröpf: Beim Thema Film muss ich passen, ich schaue fast nie fern und gehe selten ins Kino.
Von welcher Literatur lassen Sie sich inspirieren?
Schröpf: Es gibt Schriftsteller, die ich bewundere, wie T.C. Boyle oder John Irving, mit denen ich mich aber nie vergleichen würde. Ich würde gerne so leicht und lässig schreiben wie Martin Suter. Spannend finde ich die düsteren Szenarien, in denen Philipp Kerr die Naziherrschaft bis in die 50er Jahre verlängert, und darin eine mögliche Welt beschreibt, wie sie gewesen sein könnte, hätte Hitler wie Franco seine fürchterliche Diktatur in die Nachkriegszeit retten können.
Wenn Sie ein Sabbath-Jahr einlegen könnten, um ein Jahr lang an einem literarischen Projekt zu arbeiten: Wohin würde es Sie verschlagen?
Schröpf: Ins Tessin, an den südlichen Alpenhauptkamm am Comer See, das würde mir gut gefallen. Ich weiß allerdings nicht, ob ich es aushalten würde, denn auf Dauer lebe ich lieber in der Stadt als in einem einsamen Waldhaus. Oder in der Oberpfalz, wenn die Sonne scheint.
Dieser Artikel ist Teil der Tour "LiteraTouren an der Goldenen Straße"
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