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Leiden
Niederlande, Leiden
"Leiden" () (früher auch "Leyden", lat. "Lugdunum Batavorum") ist eine Stadt in den Niederlanden in der Provinz Südholland.
Lage
Die Stadt liegt zwischen Amsterdam (etwa 45 km nordöstlich) und Den Haag (etwa 18 km südwestlich). Sie hat 118.231 Einwohner.
„Die Befreiung von Leiden“ (1574), links: Prinz Wilhelm I. von Oranien, rechts: Der Bürgermeister von Leiden Van der Werff
Geschichte
Obwohl viele behaupten, Leiden sei identisch mit der römischen Siedlung "Lugdunum Batavorum", muss davon ausgegangen werden, dass die Stadt erst im 11. Jahrhundert als Siedlung um die "Burcht" herum entstanden ist. Dennoch bediente sich Leiden dieses lateinischen Namens bis in die frühe Neuzeit. Jedoch war die römische Siedlung mehr in der Nähe von Katwijk als von Leiden gelegen.
Der Wollhandel mit England und Flandern brachte Leiden im 13. und 14. Jahrhundert zur Blüte. Der holländische Graf Floris V. verlieh Leiden 1266 das Stadtrecht.
Das 15. Jahrhundert war, wegen der Wirren der "Hoekse und Kabeljauwse Twisten", ein Bürgerkrieg, eine Epoche des wirtschaftlichen Rückgangs.
Im Achtzigjährigen Krieg schloss sich Leiden dem Aufstand gegen die Spanier an. Nach einer seit dem 25. Mai währenden Belagerung gelang es den Geusen, unter anderem durch Fluten der umliegenden Polder, am 3. Oktober 1574 die Stadt zu befreien. Die Legende will, dass nach der Vertreibung der spanischen Belagerer in deren Lager eine Pfanne mit Möhren-Eintopf "(hutspot)" gefunden wurde. Damit konnte die ausgehungerte Stadtbevölkerung erstmals wieder eine ordentliche Mahlzeit haben. Darum wird dieses Gericht jedes Jahr bei den Feiern von " Leidens ontzet" am 3. Oktober in allen Restaurants serviert.
Als Dank für den von den Leidenern gezeigten Mut bekam die Stadt kurz darauf, kraft Beschluss der Regierung unter der Führung Wilhelms von Oranien, die erste Universität der Republik der Niederlande.
Darauf flohen viele Protestanten aus Antwerpen, Brüssel und anderen von den Spaniern eroberten Gebieten nach Leiden, so dass die Stadt zwischen 1575 und 1650 mehrmals ihre Stadtmauern erweitern musste.
In dieser Epoche erlebte Leiden eine großartige kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung: Maler wie Rembrandt und seine Schüler und Wissenschaftler wie Antoni van Leeuwenhoek, der Entdecker der Bakterien, lebten und wirkten in Leiden.
Nach etwa 1700 trat jedoch wieder Verfall ein. Aber bis heute ist die Universität Leiden, an der auch die zur Königswürde bestimmten Mitglieder des niederländischen Königshauses studieren, eine Hochburg der Wissenschaft in Holland geblieben.
Am 12. Januar 1807 ereignete sich mitten in der Stadt eine Katastrophe. Ein mit 17.400 Kilogramm Schießpulver beladenes Schiff explodierte. 151 Personen wurden dadurch getötet, über 2.000 verletzt und etwa 220 Häuser zerstört.
Wirtschaft
Leiden hat viele Groß- und Kleinhandelsunternehmen. Die einst wichtige Textilindustrie ist mittlerweile nicht mehr von Bedeutung. Druckerei- und Verlagsunternehmen wie "Elsevier" und "Brill" sind schon seit Jahrhunderten weltbekannt für Drucke lateinischer, asiatischer und arabischer Werke. Heute hat der Tourismus großes wirtschaftliches Gewicht. In Leiden leben viele Pendler, die in Den Haag arbeiten.
In Leiden befindet sich der Sitz der Europaholding von IKEA – die "Stiftung INGKA".
Verkehr
Direkte Eisenbahnverbindungen gibt es über den Bahnhof Leiden Centraal nach Den Haag, Utrecht (Lokalbahn) und Amsterdam (über Haarlem). Über zwei Autobahnen ist die Stadt auch gut mit dem Fernstraßennetz verbunden: östlich der Stadt verläuft die A 4 und westlich die A 44. Der internationale Amsterdamer Flughafen Schiphol) liegt etwa 30 km nordöstlich der Stadt.
Bildung
Die Universität Leiden wurde 1575 gegründet und ist damit die älteste Universität der Niederlande. Dazu gibt es viele Einrichtungen und Betriebe, die mit dieser Universität in Verbindung stehen, u. a. die Universitätsbibliothek Leiden, die Sternwarte Leiden und das Universitätsklinikum "Leids Universitair Medisch Centrum".
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Leiden besitzt einige Museen von nationaler Bedeutung:
* ein Museum für Völkerkunde "(Rijksmuseum voor Volkenkunde)";
* das "Rijksmuseum van Oudheden", das wichtigste Museum für Archäologie des ganzen Landes, mit einem in den 1960er Jahren vom damaligen ägyptischen Präsidenten Nasser geschenkten Tempel;
* das städtische Museum "De Lakenhal" (= „das Gewandhaus“), unter anderem mit moderner Kunst und einer interessanten Sammlung von Gemälden aus der Periode 1600–1900;
* das Museum für Naturgeschichte Naturalis mit einer bedeutenden Sammlung ausgestorbener Tierarten;
* der schon über 400 Jahre existierende Botanische Garten "(Hortus Botanicus)" mit Gewächshäusern und vielen seltenen Pflanzen; in ihm blühten 1594 die ersten Tulpen auf holländischem Boden, die Carolus Clusius, Botaniker an der Universität Leiden, gepflanzt hatte;
* das 2005 eröffnete, der japanischen Kultur und dem Einfluss der westeuropäischen Wissenschaftler darauf gewidmete Siebold-Haus am Rapenburg; es ist in einem zeitlebens von dem deutschen Arzt und Naturwissenschaftler Philipp Franz von Siebold gemieteten Grachtenhaus beheimatet.
Sehenswürdigkeiten
Kanal mit Patrizierhäusern
Die Hooglandse Kerk
Die "Pieterskerk" („St. Petrikirche“), Baubeginn 1121, stammt größtenteils aus dem 16. Jahrhundert. In dieser Kirche befinden sich viele Grabmale berühmter Niederländer. St. Petrus ist der Schutzpatron Leidens, daher die Schlüssel im Stadtwappen (der Heilige Petrus verfügt über die Schlüssel der Himmelspforte). Zu besonderen Anlässen wie z.B. Ehrenpromotionen oder Jubiläen wird die Pieterskerk von der Universität als Aula genutzt. – Eine weitere gotische Kirche ist die Hooglandse Kerk, die mit ihrer Größe hoch über die sie umgebenden Häuser im Stadtzentrum hinausragt.
Das Hauptgebäude der Universität liegt an einer der bekanntesten Grachten in ganz Holland, der "Rapenburg", und war ursprünglich eine Klosterkirche.
Turm beim Rathaus
Verbreitet über die ganze Stadt gibt es viele "hofjes". Das sind Gruppen kleiner, oft ihrer Einfachheit wegen sehr beliebter Häuser, meist um einen Hof mit Brunnen oder Kräutergarten, die zwischen 1600 und 1900 von reichen Leuten gestiftet wurden. Gedacht als private Alters-, Witwen-, oder Armenfürsorge-Einrichtungen (vergleiche die Fuggerei in Augsburg), werden diese Häuschen jetzt oft von Studenten oder Krankenschwestern bewohnt. Diese "hofjes" stehen alle unter Denkmalschutz.
Die "Burcht" ist ein künstlich aufgeworfener Fluchthügel aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, der im 17. Jahrhundert befestigt und ummauert wurde. Er bietet einen guten Überblick über die Innenstadt. Im Sommer finden hier einige Veranstaltungen wie z.B. Theateraufführungen statt.
In Leiden gibt es mehrere alte Häuser. Das Haus, in dem der Maler Rembrandt geboren ist, besteht jedoch nicht mehr. Lediglich eine Gedenktafel an einem Neubau des 20. Jahrhunderts erinnert an die ersten Jahre dieses Sohnes der Stadt. Sehenswert sind auch zwei Stadttore und eine Windmühle, ähnlich der, die Rembrandts Vater betrieb.
Eine Besonderheit Leidens sind die "Muurgedichten" (Mauergedichte), die auf Häuserwänden im Straßenraum der Innenstadt zu sehen sind. Die 101 Texte von bekannten und unbekannten Dichtern aus aller Welt sind Ergebnis eines Projekts, das 1992 mit einem Gedicht von Marina Iwanowna Zwetajewa begonnen hatte und 2005 mit dem Gedicht "De Profundis" von Federico GarcÃa Lorca beendet wurde. Die Gedichte sind in unterschiedlicher Gestaltung in der Originalsprache und -schrift auf die Wände der Häuser gemalt. "Siehe auch"
Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 25.05.2013 00:01 von den Wikipedia-Autoren.
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