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Lebensabend als Thriller: L'Oréal-Erbin Bettencourt ist tot

Frankreich
21.09.2017
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Das Milliardengeschäft mit der Schönheit hat Liliane Bettencourt zur reichsten Frau der Welt gemacht. Nun ist die Erbin des Kosmetik-Konzerns L‘Oréal im Alter von 94 Jahre gestorben. Die letzten Jahre ihres Lebens bieten Stoff für mehrere Thriller.

Paris (dpa) - Vom Butler abgehört, von falschen Freunden ausgenommen und schließlich auf Drängen der Tochter hin entmündigt: Die L‘Oréal-Erbin und Milliardärin Liliane Bettencourt dürfte sich ihren Lebensabend anders vorgestellt haben. Statt im Kreise ihrer Familie eine unbeschwerte Zeit zu genießen, musste sich die laut «Forbes» reichste Frau der Welt in ihrem letzten Lebensjahrzehnt vor allem mit der Justiz herumschlagen. Nun ist sie im Alter von 94 gestorben. Mit ins Grab nimmt sie vermutlich zahlreiche Geheimnisse. Lang hielt sich der Verdacht, dass aus ihrem Hause illegale Wahlkampfspenden in Richtung Politik geflossen sein könnten.

Die Geschichte begann mit teuren Geschenken. Anfang des vergangenen Jahrzehnts intensivierte Bettencourt den Kontakt mit dem extrovertierten Fotografen und Schriftsteller François-Marie Banier. Der Dandy ließ sich die Treffen mit Zuwendungen im Gegenwert von mehreren Hundert Millionen Euro vergolden, wie im Laufe der Zeit herauskam.

Für die lebenslustige Bettencourt, die noch bis Anfang 2011 im Aufsichtsrat des Weltkonzerns saß, seien das wohl «Peanuts», spotteten Medien. Das US-Magazin «Forbes» bezifferte ihr Vermögen in diesem Jahr auf etwa 39,5 Milliarden US-Dollar (fast 33 Milliarden Euro).

Bettencourts einzige Tochter Françoise fand die Situation allerdings gar nicht amüsant. Sie fürchtete um das Lebenswerk ihres Großvaters Eugène Schueller und sah schließlich keinen anderen Ausweg, als die Justiz einzuschalten. Vor Vormundschaftsrichtern warf Françoise der Mutter vor, im Zustand geistiger Unzurechnungsfähigkeit mit Geld um sich zu werfen und beantragte eine medizinische Untersuchung. Die Mutter wehrte sich gegen die Tochter mit Klagen wegen Psychoterrors.

«Was ist da bloß in meine Tochter gefahren? Das ist eine große Dummheit», zeterte die Superreiche in Interviews und erweckte den Eindruck, Françoise sei nur eifersüchtig auf den Fotografen. Sie kenne den Künstler Banier seit mehr als 20 Jahren, er habe ihr sehr geholfen - auch als sie ihren Mann André verloren habe. Über ihre Anwälte ließ Bettencourt verbreiten, sie habe alle Geschenke freiwillig gemacht.

Wenig später tauchten allerdings heimlich aufgenommene Abhörbänder auf, die ausgerechnet ein Butler Bettencourts angefertigt hatte - und die inzwischen sogar in Buchform nachzulesen sind. Sie und die Aussagen einer anderen früheren Angestellten stützten die These, dass die Seniorin zumindest mit erheblichen Gedächtnisproblemen zu kämpfen hatte und brachten zudem eine ganze Lawine neuer Probleme mit sich. Es fanden sich Hinweise auf Steuerhinterziehung, Kungeleien mit Politikern und Bereicherungsversuche von anderen Vertrauten. Die Justiz nahm Ermittlungen auf.

Lediglich der prominenteste Verdächtige, Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, konnte im Oktober 2013 aufatmen. Die zuständigen Untersuchungsrichter sehen nicht genügend Anhaltspunkte dafür, dass der konservative Politiker die Demenzerkrankung der Milliardärin ausnutzte, um an Geld für seinen Wahlkampf 2007 zu kommen.

Die großen Verdienste der reichsten Frau Frankreichs sind angesichts der vielen Affären in den Hintergrund gerückt. Dazu gehört die 1987 gegründete Stiftung Bettencourt Schueller, die Wissenschafts- und Kulturprojekte fördert, aber vor allem ihr Einsatz für den Kosmetikkonzern des Vaters, der nach eigenen Angaben zuletzt 89 300 Menschen beschäftigte und 25,8 Milliarden Euro Umsatz machte.

Das Unternehmen wird mittlerweile von den nachfolgenden Generationen kontrolliert. Kurz vor Bettencourts 89. Geburtstag im Jahr 2011 verfügte ein Gericht die Entmündigung der L‘Oréal-Erbin, ihr Enkel Jean-Victor Meyers wurde zum Vormund bestellt. «Sie wollen mich einsperren», hatte die Seniorin zuvor einer Zeitung erklärt - und gedroht, im Fall der Entmündigung auszuwandern. Es war das letzte öffentliche Aufbegehren.

 

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