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Kikinda
Serbien, Kikinda
"Kikinda" (, ungarisch "Nagykikinda", deutsch "Großkikinda", rumänisch "Chichinda Mare", slowakisch "Kikinda") ist eine Stadt in der serbischen Provinz Vojvodina, an der Grenze zu Rumänien. Kikinda ist außerdem der Hauptverwaltungssitz bzw. die Hauptstadt des Okrug Severni Banat ("Serverno-Banatski okrug").
Die Gemeinde Kikinda besteht aus der Stadt selber und neun weiteren Orten: Sajan, Banatska Topola, Rusko Selo, Mokrin, Bašaid, Iđoš, Novi Kozarci, Banatsko Veliko Selo und Nakovo. Die gesamte Gemeinde hat 67.000 Einwohner, davon sind 76 % Serben und 12,8 % Ungarn. Der Ort Sajan (ungarisch: "Szaján") hat eine ungarische Mehrheit. In Topola (ung."Töröktopolya") und Rusko Selo (ung. "Torontáloroszi") machen die Ungarn etwas 20 % der Bevölkerung aus.
Name
Der Name Kikinda wird das erste Mal im 15. Jahrhundert erwähnt - und zwar als "Kökénud" - und kennzeichnete zusammen mit dem Begriff "Ezehida" damals diese kleine Region mit vielen kleinen Gemeinden und Gutsherren. Der heutige Name ist erstmals auf einer geografischen Karte aus dem Jahre 1718 als "Gross Kikinda" zu sehen, wobei auf der Karte dieses kleine Gebiet als unbesiedelt gekennzeichnet wurde. Der Namenszusatz "Gross" wurde in Serbien bis zum Jahr 1947 noch offiziell benutzt. Etymologisch ist die Abstammung des Namens Kikinda nicht ganz geklärt. Man nimmt an, dass der Name aus zwei Wörtern hervorging, dem ungarischen Kökény (eine Pflanzenart) und dem alt-serbischen Kik (Kopf).
Geschichte
Die Stadt Kikinda befindet sich auf dem Gebiet alter zum Großteil verschwundener Kulturen und Zivilisationen. Unzählige archäologische Funde zeigen, dass an dieser Stelle Menschen schon vor 7000 Jahren Siedlungen erbaut haben, die immer wieder durch Kriege oder sonstige Unruhen zerstört oder entvölkert wurden und sich immer wieder neue Völker ansiedelten.
Hauptstraße und die katholische Kirche
Jüngere Geschichte
Erwähnenswerte Ereignisse beginnen vor ca. 250 Jahren, genauer in den Jahren 1751 bis 1753] als sich eine große Anzahl von Menschen dort ansiedelte. In den ersten Jahren waren es ausschließlich Serben, die als österreichische Untertanen die Grenze zum Osmanischen Reich an den Flüssen Moriš und Theiß bewachten. Diese verloren jedoch ihre Schutzaufgabe, nachdem die Osmanen infolge des Friedens von Passarowitz, den sie in der Stadt Požarevac mit Österreich-Ungarn schließen mussten, Južni Banat ("Južno-Banatski okrug") also den südlichen Banat an Österreich-Ungarn abgeben mussten. Später siedelten dort auch viele Deutsche, Ungarn und Juden.
Zirka zwanzig Jahre nach der offiziellen Gründung der lokalen Gemeinden in diesem Gebiet gründete die österreichische Kaiserin Maria Theresia am 12. November 1774 den "Privilegierten Gross Kikinda" Bezirk und als Hauptverwaltungssitz die Stadt Kikinda. Es gab im Rahmen des Bezirk noch neun weitere serbisch besiedelte Gemeinden im Južni Banat und Srednji Banat: Srpski Krstur, Jozefovo (Teil des heutigen Kraljevo), Mokrin, Karlovo, Bašaid, Vranjevo (Teil des heutigen Novi Bečej), Melenci, Kumane und Taraš. Die Einwohner dieser Ortschaften hatten zur Zeit der Österreichischen Monarchie sehr viele ökonomische und politische Vorzüge im Gegensatz zu den Serbischen Gebieten im Osmanischen Teil der sich bis heute bemerkbar macht. Geografisch gehörte das gesamte Gebiet Banat (heute Teile von Serbien, Ungarn und Rumänien) jedoch den Ungarn unter der Leitung der Stadt Zrenjanin. Interessant ist jedoch das Kikinda Ende des 19. Jahrhunderts die bevölkerungsreichste Stadt des Banats war, mit über 22.000 Einwohnern.
Urbane Entwicklung
Aus urbanistischer Sicht zählt die Stadt zu den planmäßig entwickelten Orten. Die Straßenaufteilung wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach dem nationalen urbanistischen Plangebungen des Banats durchgeführt. Das auffälligste Merkmal des Plans ist, dass ein Großteil der Straßen im rechten Winkel verlaufen mit einem zentralen Tändelmarkt, einer Kirche, einem Verwaltungsgebäude, einer Schule und einem "Hotel" für Reisende. Nach diesem Schema entwickeln sich auch heute noch die einzelnen Stadtteile.
19. Jahrhundert
Wichtige Jahre für die Entwicklung der Stadt Kikinda waren die Jahre 1848/1849. In diesen Jahren ereignete sich der größte serbische Aufstand in der Vojvodina, der allerdings großteils in Form von sozialen Revolten erfolgte, damit der Aufstand auch landesweit anerkannt wurde. Ziel dieses Aufstandes war die Änderung der Regierung im gesamten Bezirk aufgrund der unzufriedenstellenden Situation im Bezirk und teilweise Diskriminierung von Serben. Am Ende wurden auch serbische Politiker akzeptiert und die Lage beruhigte sich nach einer sehr harten Zeit vor dem Aufstand und einer noch härteren während des Aufstands.
Die Zeit zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg war eine sehr ruhige und produktive Zeit der Stadt, die eine rasante Entwicklung der Wirtschaft und Landwirtschaft zur Folge hatte. In dieser Zeit wurden zahlreiche repräsentative Gebäude errichtet und eine Flut von Verwaltungsreformen begonnen (Statut, Senat, Stadtvertretung usw.), die im Jahre 1885 zu einer klar geregelten Selbstverwaltung der Stadt führten.
20. Jahrhundert
Ende des Ersten Weltkriegs, genauer am 20. November 1918, ist eines der wichtigsten Daten für die Geschichte der Stadt: der Einmarsch der serbischen Armee, der die Vereinigung mit Serbien einläutete. Die Lage in der Nähe der neuentstandenen Grenzen zwischen Serbien, Ungarn und Rumänien, verbunden mit schlechter Kommunikation über diese Grenzen, resultierten zwischen den Weltkriegen in einer sehr langsamen Entwicklung der Stadt.
Von den Nationalsozialisten wurde Kikinda am 6. Oktober 1944 befreit. Vor und zum Teil während des Krieges bestand die Einwohnerzahl der Stadt aus 22% Deutschen und 2% Juden, nach dem Krieg war es nur noch ein Zehntel der Deutschen. Die Stadt wechselte ihre staatliche Zugehörigkeit nicht; die ökonomische und politische Struktur änderte sich mit der Machtübernahme der Kommunisten allerdings deutlich.
Ab diesem Zeitpunkt "schossen" regelrecht Wohnhäuser aus dem Boden, die Stadt erholte sich rasch und knüpfte mit der rasanten Entwicklung ihrer Wirtschaft und der Schaffung neuer Arbeitsplätze an die Entwicklung vor dem Ersten Weltkrieg an. Es wurden viele neue Fabriken, Wohnhäuser, Parks, Denkmäler usw. errichtet.
Wirtschaft
Die Landschaft rund um Kikinda ist wie viele andere Gebiete Serbiens reich an Mineralien und Rohstoffen. Zu den häufigsten gehören Erdöl, Erdgas und verschiedene Metalle.
Das landwirtschaftliche Anbaugebiet umfasst eine Fläche von 62.000 ha.
Im Jahr 2001 wurden 279.000 Tonnen Erdöl gefördert das sind 37,40% der Gesamtförderungskapazität Serbiens. Von Erdgas 244.000.000 m³ gefördert das sind 48,13% der Gesamtförderungskapazität Serbiens. Das landwirtschaftliche Anbaugebiet wird von ca. 30 Kleinunternehmen betrieben sowie von unzähligen Bauern in Kikindas Umgebung.
Kikinda ist überdurchschnittlich an der wirtschaftlichen Entwicklung der Vojvodina und von ganz Serbien beteiligt.
Kultur
Zu den wichtigsten Kultureinrichtungen gehören:
*Museum (Archäologie, kulturelle Entwicklung der Stadt, Kriegsmuseum) (1946)
*Jugendzentrum
*Großes Volkstheater mit 7000 Plätzen (1950)
Söhne und Töchter der Stadt
*Vilmos Korn (1899-1970) deutscher Schriftsteller.
*Jovan Popović, (1905-1952), serbischer Schriftsteller und Dichter
Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 18.05.2013 17:25 von den Wikipedia-Autoren.
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