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Juwele entlang der Drau
Slowenien
Maribor ist erste Kulturhauptstadt in Ex-Jugoslawien
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Ljubljana/Maribor (dpa) - Erstmals kommt die europäische Kulturhauptstadt ins frühere Jugoslawien. Slowenien gehörte jahrhundertelang zum Habsburger Reich und damit zum deutschsprachigen Kulturkreis. Das damalige Marburg wurde im Zuge des aufkeimenden slowenischen Nationalbewusstseins erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum heutigen Maribor und zur zweitgrößten Stadt Sloweniens.Das kleine Alpen- und Adrialand war über sieben Jahrzehnte Teil des kommunistischen Vielvölkerstaates Jugoslawien, orientierte sich aber schon immer mehr an Österreich als an der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad. Die wurde gern abwertend als «Balkan» bezeichnet, während sich die Slowenen selbst als West- oder Mitteleuropäer sahen.
Aus dieser Geschichte entspringt auch das Programm der neuen Kulturhauptstadt, das am 14. Januar mit einem Lichtspektakel am Drau-Fluss eröffnet wird. Auf der einen Seite wird selbstbewusst viel nationale Kunst und Lebensart präsentiert. Auf der anderen Seite sind die starken Beiträge aus den früheren Bruderrepubliken und heutigen Nachbarländern wie Kroatien nicht zu übersehen.
Die dritte Programmsäule will die Zugehörigkeit des erst seit 20 Jahren selbstständigen EU- und Natolandes Slowenien «zum Westen» unterstreichen. Die Londoner Tate Gallery kommt mit einer Ausstellung in die zweitgrößte Stadt Sloweniens. Der deutsch-niederländische Performer Ulay gehört ebenso hierher wie Künstlerin Rebecca Horn, die eine Installation beisteuert.
Das Programm heimischer oder regionaler Herkunft reicht von den ersten «Modetagen», einem Theaterstück über den Aufstieg Adolf Hitlers, einem internationalen Clownstreffen über ein Rockkonzert, Grafik- und Comic-Ausstellungen, Theater- und Konzertveranstaltungen bis zu Architektenvisionen über die Zukunft Maribors und einer Ausstellung über die «architektonischen Errungenschaften Jugoslawiens».
Auf der für 800 000 Euro neu gebauten Bühne sind aber auch Zirkus- und Akrobatiknummern sowie Aufführungen aus dem fernen Japan und Russland zu bestaunen. Für Programmdirektor Mitja Cancer ist das Programmziel, die Gesellschaft durch Kreativität zu ändern, zwar eine Utopie. «Aber ohne utopische Ideen kann man die gegenwärtige Krise nicht überwinden», zitierte ihn die slowenische Nachrichtenagentur STA.
Kritiker des Programms mäkelten im Vorfeld, der große Wurf sei durch immer neue finanzielle Kürzungen ausgeblieben. Bei der Bewerbung habe Maribor 50 Millionen Euro fürs Programm angesetzt, sagte einer der Bewerbungsführer, Petar Tomaz Dobrila, der STA. Herausgekommen ist am Schluss ein bescheidener Etat von 8,5 Millionen Euro.
So bedauert denn auch Programmdirektor Cander, dass kein Geld für die «Revitalisierung der alten industriellen Teile der Stadt» zur Verfügung gestanden habe. Nach dem Vorbild früherer europäischer Kulturhauptstädte hätte man auch in Maribor gern traditionelle ausgediente Industriestandorte als zukünftige Kulturstätten gesichert.
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