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Hickhack ums Akw Fessenheim

Frankreich
07.03.2016
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Frankreichs ältestes Atomkraftwerk ist nach wie vor in Betrieb
2016, 2017 oder 2018? Deutschland fordert nachdrücklich die Schließung des Kernkraftwerks Fessenheim. Doch aus Paris kommen widersprüchliche Aussagen. Umweltministerin Royal macht aber klar: Der Präsident will sein Versprechen halten.
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Paris (dpa) - Seit bald 39 Jahren ist das französische Atomkraftwerk Fessenheim am Netz, die Gebäude stehen nur eineinhalb Kilometer vom Rhein. Für Kritiker ist klar: Es sollte längst abgeschaltet sein.

Die französische Atomaufsicht hält es hingegen für sicher. Und während Präsident François Hollande die Schließung versprochen hat, gibt es um den Termin ein Hin und Her. Das Thema ist längst ein Politikum - und ein Streitpunkt zwischen Deutschland und Frankreich.
Das Kernkraftwerk in Fessenheim in Frankreich spiegelt sich am Mittwoch (23.03.2011) in der Abenddämmerung im Rhein. Deutsche und französiche Umweltschützer fordern eine Abschaltung des Atomkraftwerks

Warum steht Fessenheim so sehr im Fokus?

Das in den 1970er Jahren gebaute Kraftwerk ist das älteste im französischen Atompark. Kritiker halten die beiden Reaktoren für ein Sicherheitsrisiko, vor allem aus Deutschland ertönt lautstark der Ruf nach einer Abschaltung - auch von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Die deutschen Grünen argumentieren, in Fessenheim gebe es so viele Zwischenfälle wie in keinem anderen Akw in Frankreich. Es liege im Erdbebengebiet, die Notstromversorgung sei unzuverlässig und der Umgang mit Störfällen unzureichend. Die französische Atomaufsicht ASN dagegen betont, dass es aus Sicherheitsaspekten keinen Grund gebe, das Kraftwerk stillzulegen.

Geht das Akw nun wirklich in diesem Jahr vom Netz?

Das ist offen, erscheint aber eher unwahrscheinlich. Zwar hat die französischen Wohnungsbauministerin Emmanuelle Cosse nun in einem Interview überraschend gesagt, der ursprünglich versprochene Termin bis Ende 2016 werde eingehalten. Doch Staatschef Hollande hatte sich in den vergangenen Monaten ganz anders geäußert. «2016 nicht, weil der Bau des (Druckwasserreaktors der neuen Generation) EPR von Flamanville sich sehr verzögert hat», sagte der Präsident im September klipp und klar.

Es ist nicht das erste Mal, dass zu dem Thema aus Paris widersprüchlichen Angaben kommen. In Berlin ist deshalb schon kaum verhohlener Unmut zu hören, in den grenznahen Bundesländern sowieso. Auch ein Interview von Umwelt- und Energieministerin Ségolène Royal brachte am Montag keine endgültige Klarheit: Einen konkreten Termin, wann das Kraftwerk vom Netz geht, nannte sie nicht.

Hat Paris schon etwas in Richtung Schließung getan?

Präsident Hollande hatte die Stilllegung 2012 in seinem Wahlprogramm versprochen. Die gesetzliche Grundlage dafür sollte das im vergangenen Jahr verabschiedete Energiewende-Gesetz schaffen. Doch darin wird das Kraftwerk nicht explizit genannt, es wird lediglich eine Obergrenze für die Gesamtmenge Atomstrom festgelegt. Daraus folgt: Wenn der neue Reaktor in Flamanville am Ärmelkanal ans Netz geht, müssen zwei Reaktoren abgeschaltet werden. Das dürfte frühestens 2018 der Fall sein.

Royal betonte nun allerdings, dass Versprechen Hollandes werde bis zum Ende der Amtszeit im kommenden Jahr eingehalten. Die Entscheidung zum Entzug der Betriebserlaubnis werde noch in diesem Jahr fallen. Sie hatte den mehrheitlich im Staatsbesitz befindlichen Kraftwerksbetreiber EDF bereits vor Monaten aufgefordert, bis Juni einen entsprechenden Antrag zu stellen. Royal sagte aber auch, ein Atomkraftwerk lasse sich nicht von heute auf morgen schließen - sie erinnerte daran, dass an einem solchen Kraftwerk auch 2000 Arbeitsplätze hingen. Zugleich äußerte sie die Erwartung an die «deutschen Freunde» auf Hilfe bei der Umwandlung des Geländes.

Bringen die deutschen Berichte über einen Störfall im Frühjahr 2014 neue Bewegung in die französische Debatte?

Bei dem Vorfall war Wasser in Schaltkästen eingedrungen, eines der zwei Steuersysteme für die Notabschaltung fiel aus, der Reaktor 1 wurde heruntergefahren. Die am Freitag von WDR und «Süddeutscher Zeitung» veröffentlichten Details wurden auch in Frankreich zur Kenntnis genommen, allerdings mit mehr Distanz. So argumentierte die Regionalzeitung «Dernières Nouvelles d‘Alsace», dass Informationen über die Einleitung von Bor ins Kühlwasser sehr wohl auf der Webseite der ASN zugänglich waren. Das sei keine Notfallprozedur gewesen, verteidigte sich die ASN.

Der Fall sorgte dennoch auch in Frankreich für eine Debatte, vor allem die erneute deutsche Forderung nach Abschaltung. Die in dem Atomland traditionell nicht sonderlich starke Anti-Atom-Bewegung freute sich über die Unterstützung: «Die deutsche Umweltministerin hat Ségolène Royal die Augen geöffnet», sagte André Hatz von Stop Fessenheim dem Sender BFMTV.

 

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