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Hejdå Fårö, adjö Gotland

Deutschland
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Zum Schluss mal was zum Wetter, zu Bergman und zum Fliegen
Schweden klingt ja nicht gerade nach Sahara. Nicht mal nach Mallorca, Provence und Sizilien. Dass man hier nicht völlig falsch liegt, kann man schon daran ermessen, dass sich die jungen Schweden spätestens am Mittsommertag fast alle Kleider vom Leib reißen, komme da Regen oder Sonne, habe es 7 oder 17 Grad, egal es ist Sommer.
Galerie
Das traditionelle Fischerdorf Helgumannen auf Fårö.

Insofern überraschte der Regenguss am Tag unserer Ankunft – nach vier Sonnentagen in Stockholm – mitnichten. Am falschen Fuß erwischen ließ sich freilich jeden Tag wieder das Wetter-App: „Die nächsten drei Tage soll es regnen.“ Strahlender Himmel mit Zuckerwattewolken. „Durchwachsenes Wetter mit Wolken und Regen.“ Ja, es hat einmal genieselt, ansonsten ein Licht wie auf niederländischen Barocklandschaftsgemälden. Aber dann: „Die letzten drei Tage Regen, versprochen.“ Was tun, Museentour in Visby? Völlig überflüssig. Einmal verbrachten wir einen etwas diesigen Tag auf Fårö, wo es ja auch düster sein soll – schließlich mochte es Regisseur Ingmar Bergman (sprich: Bejman), 1997 bei den Filmfestspielen in Cannes als „Bester Filmregisseur aller Zeiten“ ausgezeichnet, dramatisch.
Ingmar Bergman bei Dreharbeiten auf Fårö.

Das Bergman-Center (624 66 Fårö, Tel. + 46 498 22 68 68, E-Mail: info@bergmancenter.se, http://bergmancenter.se/en), ist Stiftung und Treffpunkt mit Fokus auf Ingmar Bergmans Werk und Fårö als seine künstlerische Basis. Die Center organisiert Ausflüge auf Fårö, Vorträge, Filmvorführungen, Ausstellungen und die jährliche Bergman Woche – zu Lebzeiten des Regisseurs soll man ihn freilich dort nur selten gesehen haben. Schließlich war der Meisterinszeneur von so legeren Themen wie Tod, Suche nach Gott, Einsamkeit und sexuelle Gier Fårö-Fan und nicht Menschenfreund.

Das ansprechend gestaltete Museum, in dem in den Kernzeiten zwischen 10 und 16 Uhr im Sommer Filme in originellen Kontexten laufen – etwa in einer Kommode … „Ich dachte bei mir selbst – das ist es, wo ich leben möchte. Ich hatte so ein Gefühl nie zuvor. Es war wie Magie“, sagte Ingmar Bergman über die kleine Nordinsel vor Gotland, auf der seit 2003 ständig und sehr zurückgezogen wohnte.
Warten auf die kostenlose Fähre von Fårö.

Kaum hatten wir die Insel des filmischen Schwarzweiß-Genies verlassen, klarte der Himmel auf und nicht einmal zum Abschied wollte Gotlands Himmel weinen. Die Sonne stand stur um 4 Uhr im Garten und lud zum letzten Frühstück. Ach, hätten wir nur geahnt, dass Air Berlin vergessen würde, einen Flieger nach Visby zu schicken, wir hätten einen herrlichen Sonnentag auf Hans-Eriks Grundstück verbracht. Stattdessen genossen wir die Durchsagen auf einem der gemütlichsten Flughäfen Europas, lernten die wenigen Deutschen und Österreicher kennen, die hier gestrandet waren und amüsierten uns prächtig über die völlige Ahnungslosigkeit der Air-Berlin-Service-Hotline: „Welcher Flug? Die Flugnummer? Ja, ich sehe, der Flug ist storniert? Nein, ich sehe keine andere Maschine. Man hat Ihnen gesagt, es käme ein Flugzeug um 18.30 Uhr? Wir haben da kein Flugzeug.“ Um es abzukürzen: Der Flieger mit einer ebenfalls überraschten Ersatzcrew kam, wie flogen via dänisches Bjornholm mach Berlin, natürlich ohne jegliche Auskunft über die verpassten Anschlussflüge.
Kompakte Infos der Air-Berlin-Hotline: „Welcher Flug? Die Flugnummer? Ja, ich sehe, der Flug ist storniert? Nein, ich sehe keine andere Maschine. Man hat Ihnen gesagt, es käme ein Flugzeug um 18.30 Uhr? Wir haben da kein Flugzeug.“

Ankunft Berlin, Blick auf die abgehenden Flieger: „München closed“. Mit Gepäck zum Air-Berlin-Schalter: „Nein, es gibt keine Alternativen“, einen Zug könne man nicht empfehlen, das Kontingent an Sixt-Leihwägen sei ausgeschöpft – man könne aber gerne selbst zum Leihwagenzentrum gehen und versuchen, einen zu bekommen, natürlich ohne Gewähr, dass die Kosten auch übernommen würden. Wir möchten nur bitte anschließend vorbeikommen, um das Hotel und den Flug morgen früh zu stornieren, wenn wir uns enschlössen, doch zu fahren. Bingo, wir bilden eine bayerisch-österreichische Interessengemeinschaft, holen uns einen Ford-Focus-Kombi, laugen zurück zum schalter – der inzwischen geschlossen hat. Vom Info-schalter – „dat ist doch die Sache der Fluggesellschaft“ – werden wir zum Air-Berlin-Ticket-Schalter geschickt: „Ick kann Ihnen keinen Flug stornieren. Müssen Sie auch nicht. Sie kommen nicht, dann waren sie eben nicht da.“ Abfahrt gegen Mitternacht, Stau bei Dessau, 25 Kilometer Landstraße – Deutschland hat uns wieder und um sechs Uhr Früh dann endlich auch Bayern. Hejdå, Sverige, wir vermissen dich schon jetzt!
Wir vermissen Schweden und Ingmar Bergmans magische Insel Fårö.

Dieser Artikel ist Teil der Tour "Tour de Elch"
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