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Heiße Stadt der langen Nächte

Spanien, Madrid
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Madrid gilt als Stadt quirligen Partylebens zu sehr später Stunde
Los geht es oft nicht vor 23 Uhr in einem der zahlreichen Cafés, zum Beispiel nahe der Plaza del Dos de Mayo (Platz des Zweiten Mais), wo sich die alternative Szene Madrids trifft, oder auf der Plaza de Santa Ana im Stadtteil Huertas. Hier im ehemaligen Literatenviertel locken zig Kneipen und Cafés mit Sangria und Cocktails. Tipps für Live-Musik holt man sich am besten aus einer der großen Zeitungen wie El Pais, El Mundo oder ABC, die von Zeit zu Zeit auch extra Magazine fürs Partyleben beilegen. Zu empfehlen ist auch das immer donnerstags erscheinende Magazin „Guia de Ocio“. Für 1 Euro bietet er Programmtipps für Theater, Restaurants und Musik. Am nächsten Tag wankt oder schlendert man im Laufe des Vormittags wieder nach Hause zum Ausschlafen. Die Stadt bleibt an Sonntagen bis 12 Uhr mittags sehr ruhig, deshalb empfiehlt sich der Vormittag für einen Spaziergang fern der Massen, beispielsweise von der Plaza de Santa Ana, die mit der Metro leicht zu erreichen ist, über die Plaza Sol und Plaza Mayor, durch die Calle de Toledo zum Rastro, dem bekannten Flohmarkt Madrids.
Galerie
Die Plaza de Cibeles in der Nacht.

El Rastro

Hier gibt es die kuriosesten Mitbringsel aus Madrid in Hülle und Fülle: Auf der Flohmarktmeile El Rastro. Auf gut zwei Kilometern zwischen den Stadtteilen Latina und Lavapiés, dem „Kreuzberg“ von Madrid, bieten Händler ihre Ware an. Wer Schnäppchen ergattern will, sollte vor zehn Uhr anrücken, denn danach wälzt die Menschenmenge alles platt. Spätaufsteher, die gleich ins Getümmel wollen, können die Metrostation La Latina nehmen, die nah am Rastro liegt, oder von den Metrostationen Embajadores oder Toledo aus steil bergauf laufen.

Der bequeme Flohmarktbesucher, der lieber bergab als bergauf läuft, beginnt an der Plaza del Cascorro und lässt sich von Eloy Gonzales begrüßen. Der Herr aus Bronze fiel als Kriegsheld in einer Auseinandersetzung mit Kuba. Von hier aus trägt man die Geldbörse, auf die man immer gut acht geben sollte, bergab bis zur Ronda de Toledo. Seine Feilschkünste testen kann man bei antiken Möbeln und Schmuck, Kleidung, Ersatzteilen, Büchern und CDs. Die Finger lassen sollte man von Handys oder Telefonkarten, die gestohlen sein könnten, sowie von Schund, zum Beispiel gefälschten Markenprodukten. Der Rastro ist seine blutige Spur bis heute nicht losgeworden: Die Bomben vom 11. März 2004 wurden mit Handys gezündet, die an einem Stand des Flohmarkts verkauft worden waren. Seitdem ist die Gegend unter ständiger Beobachtung von Geheimdienst und Polizei. Links und rechts führen Seitengassen von der calle de Embajadores und der calle Ribera de Curtidores in zahlreiche kleine Cafés und Restaurants. Hier lässt sich die Hitze des Mittags und Nachmittags aushalten.
Allerlei nüztliche und unsinnige Dinge am Trödelmarkt El Rastro.

Blutige Spur
„Rastro“ bedeutet allgemein „Spur“, konkreter die Blutspur von frisch geschlachteten Tieren, die vom Schlachthof in La Latina durch die Stadt zum Fleischmarkt geschleift wurden. Leicht nachvollziehbar, dass in dieser Gegend nur der wohnte, der sich keine bessere leisten konnte. Rund um den Fleischmarkt siedelten sich Gebrauchtwarenhändler an, die mit den armen Anwohnern feilschten. Als der Fleischmarkt Ende des 18ten Jahrhunderts in Richtung Süden verlegt wurde, stieg der Lebensstandard im Viertel, die Stände dehnten sich aus und die feilgebotene Ware wurde nach und nach luxuriöser. Vom Schmuddeleck der Stadt hatte sich der Rastro zum Zentrum eines sonntäglichen Volksvergnügen gemausert. In den 1950er und 60er Jahren sorgten die in Spanien stationierten amerikanischen Soldaten mit ihren Dollars für die Blütezeit des Marktes. Heute erstrecken sich die Stände über gut zwei Kilometer.

Das Museumsdreieck

Werke von El Greco und Goya, Veláquez und Zurbarán hängen hier nur ein paar Minuten und Schritte voneinander entfernt: Das Museumsdreieck von Madrid mit den Eckpunkten Prado, Thyssen-Bornemisza-Museum und Museum Reina Sofía verdichtet künstlerisches Schaffen. Mehrere Tage in diesem Spannungsfeld zu verbringen ist ein intensives Erlebnis, aber auch Kurzbesuchern ist ein Besuch, zumindest des Prado, sehr zu empfehlen. Entspannen kann man sich im Botanischen Garten, in dem seit Ende des 18. Jahrhunderts wertvolle und seltene Bäume und Sträucher wachsen, im Retiro-Park oder in einer der vielen Bars und Restaurants, die sich rund um den Touristenmagneten am Paseo del Prado angesiedelt haben. Besonders dicht ist die Gastronomie in der Nähe des Museums Reina Sofía und auf der Seite des ehemaligen Literatenviertels Huertas, wo sich auch ein Abstecher ins Nachtleben empfiehlt.

Museo del Prado

Der Prado (span. Wiese) ist das bekannteste Museum Spaniens und eines der hochkarätigsten der Welt. Daran konnte selbst Napoleon nichts ändern, der das Gebäude fünf Jahre lang als Pferdestall nutzen ließ. Das Museum der Naturwissenschaft war 1785 auf Geheiß von Karl III. von Juan de la Villanueva entworfen, der auch für die Plaza Mayor schon am Reißbrett saß.
Der Tizian-Saal im Museo del Prado.

Pablo Picasso arbeitete drei Jahre lang als Direktor des Museums. Zu sehen sind unter anderem Werke von El Greco, Velázquez, Zurbarán, Goya, Paul Rubens und Murillo, von Hieronymus Bosch und Tizian. Im Untergeschoss funkelt edles Geschirr: der Tesoro del Delfin (Schatz des Dauphin) ist aus wertvollem Bergkristall und teuren Edel- und Halbedelsteinen gefertigt. Im Erdgeschoss sind die Frühen Flamen, die Spanische Schule, El Greco, Deutsche Meister wie zum Beispiel Dürer, Romanische Malerei und Klassische Skulpturen ausgestellt. Im ersten Stock drängen sich die meisten Kurzbesucher um die bedeutendsten Werke von Velázques und Goya. Im zweiten Stock sind Werke aus dem Zeitraum 1700 bis 1850 zu sehen. Der Öffentlichkeit weitgehend verborgen bleiben die Schätze des „Geheimen Prado“ im Kellerlabyrinth des Gebäudes.
Goyas "La Condesa de Chinchón" im Museo del Prado.

Um alles in Ruhe zu sehen, sollte man drei bis vier halbe Tage einplanen. Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen ist das Museum von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Der letzte Einlass ist dreißig Minuten vor Schließung, zehn Minuten davor werden die Säle geräumt. Die Karten zwischen drei und 15 Euro kann man an einem der drei Eingänge erwerben. Ein Tipp: die Schlange am Eingang zum Botanischen Garten ist meistens die kürzere. Und merken Sie sich Ihren Eingang – denn dort haben Sie Taschen, Jacken und eventuell Ihren Schirm abgegeben. Der Eintritt für Jugendliche unter 18 Jahren, EU-Bürger über 65 Jahre und EU-Rentner zwischen 60 und 65 Jahren ist kostenlos. Mit der Karte Paseo del Arte, die man an der Verkaufsstelle Goya bekommt, kann man außerdem ins Thyssen-Bornemisza-Museum und ins Nationalmuseum Kunstzentrum Reina Sofía (MNCARS), die zusammen mit dem Prado das „Museumsdreieck“ von Madrid bilden. Freier Eintritt ist am 2. Mai (offizieller Feiertag der Region Madrid), 18. Mai (Internationaler Museumstag), 12. Oktober (Spanischer Nationalfeiertag), 19. November (Jahrestag des Nationalen Prado-Museums) und am 6. Dezember (Tag der Verfassung).

Puerta de Velázquez - Eingang für Einzelbesucher mit oder ohne Reservierung sowie Inhaber der Karten der FAMP, Paseo del Arte, Madrid Card sowie Jahreskarten für staatliche Museen.

Puerta de los Jerónimos - Für Reisegruppen und Einzelbesucher.

Puerta de Murillo - Eingang für Gruppen mit Reservierung, Schulgruppen, Studentengruppen, Kulturgruppen, Gruppen der FAMP

Adresse: Calle Ruiz de Alarcón 23, Madrid, 28014, Telefon: +34 91 330 2800, Fax: +34 901 70 6541, E-Mail: gabinete.prensa@prado.mcu.es, Internetseite: http://www.museodelprado.es/, Nächste Haltestelle: Estacion de Atocha, Estacion de Anton Martin, Stadtteil: Retiro & Paseo del Prado

Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia
Ein komplizierter Name für zum Großteil abstrakte Kunst: Das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia vereint ein Museum der Moderne, eine Pinakothek und eine Bibliothek mit 40.000 Bänden zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt liegt auf spanischen Künstlern wie Joan Miró, Juan Gris, Pablo Picasso, Salvador Dalí oder Gerardo Rueda, Eduardo Chillida und Antoni Tàpies. Bereits seit 1986 wurden in dem ehemaligen Krankenhaus vor allem moderne Plastiken ausgestellt, 1992 weihten König Juan Carlos I. und die namensgebende Königin Sofia das Nationalmuseum ein. Werke zeitgenössischer Kunst, die vorher im Prado ausgestellt waren, zogen um. Am bekanntesten ist das Gemälde „Guernica“ (1937) von Pablo Picasso, eine aufrüttelnde Anklage des Spanischen Bürgerkriegs mit fast vier mal acht Metern. Zu dem Werk werden auch vorbereitende Skizzen und Entwürfe ausgestellt werden. 2005 erfolgte eine Erweiterung des Gebäudes durch den französischen Architekten Jean Nouvel.
Nachbildung des Gemäldes in Form von Kacheln als Wandbild in der Stadt Gernika.

Das MNCARS ist außer dienstags täglich von 10 bis 21 Uhr geöffnet, sonntags bis 14.30 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt die Hälfte. Samstags ab 14.30 Uhr und sonntags ganztägig ist der Eintritt kostenlos. Haltestellen: Metro Linie 1, Station Atocha; Metro Linie 3, Station Lavapiés

Bahnhof Atocha
Mit einem Besuch im MNCARS oder des Retiro-Parks lässt sich auch gleich ein Abstecher zum Bahnhof Atocha verbinden. Der moderne Teil des Bahnhofs 1992 wurde vom Träger des Pritzker Architekturpreises 1996 geschaffen, dem spanischen Architekten Rafael Moneo. Seine Säulenhalle ist ein spannendes Beispiel moderner Baukunst mit Pfiff. Der historische Teil der Bahnhofshalle wurde zu einem Botanischen Garten mit Schildkröten-Teich, Cafés und tropischen Pflanzen umfunktioniert.

Museo Thyssen-Bornemisza

Zeiten der Krise beenden können: Der Großindustrielle Heinrich Thyssen-Bornemisza de Kászon sah seine Sammlung wertvoller Gemälde ab dem 14. Jahrhundert von seiner fünften Ehefrau Tita Cervera (eigtl. María del Carmen Rosario Soledad Cervera Fernández Freifrau Thyssen-Bornemisza de Kászon) bedroht. Die ehemalige Miss Espana bemühte sich, die Kunststiftung aufzulösen und das Vermögen ihres Ehemanns zu kontrollieren. Teilrgebnis eines kostspieligen Prozesses war staatliche Intervention: 1993 kaufte der spanische Staat für 350 Millionen US-Dollar einen Teil der Sammlung. Sie befindet sich nun zum größeren Teil im Museo Thyssen-Bornemisza, einem der inzwischen wichtigsten Museen in Madrid, sowie zu einem kleinen Teil im Kloster von Pedralbes in Barcelona. Ein Rundgang durch das Museum schlüsselt die Kunstgeschichte chronologisch auf, von früher italienischer Kunst beginnend bis zu Werken der Pop Art und experimentellen Avantgarde. Als Leihgabe ist seit 2004 auch die Sammlung der streitlustigen Carmen Thyssen-Bornemisza ausgestellt, welche Gemälde ab dem 17. Jahrhundert bis zur Moderne umfasst. Besichtigungen sind bis auf montags täglich von 10 bis 19 Uhr möglich. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.
Der zweitälteste Botanische Garten Spaniens Jardín Botánico.

Jardín Botánico
Entspannung nach langem Marsch durch die Museen bietet der im späten 18. Jahrhundert angelegte Real Jardín Botánico (Königlicher Botanischer Garten), dessen Eingang an der Plaza de Murillo 2 direkt neben einem der Eingänge zum Prado ist. Auf acht Hektar Land gedeihen circa 30.000 Pflanzen und Blumen sowie 1.500 Bäume. Auf der Südseite der Terraza de los Cuadros ist ein Steingarten angelegt, um einen kleinen Quell herum wachsen vor allem Kräuter und Heilpflanzen. Auf der Terraza e las Escuelas Botánicas ist eine Sammlung von Pflanzen zu sehen, die stammesgeschichtlich angeordnet ist und in Flächen rund um zwölf kleinere Brunnen wächst. Auf der Terraza del Plano de la Flor sind Bäume und Büsche im romantischen Englischen Stil der Mitte des 19. Jahrhunderts angeordnet und in zwei Treibhäusern blühen tropische Pflanzen und Moosarten aus den drei Klimazonen Subtropen, Tropen und Wüste. Der Jardín Botánico ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet und kostet 2 Euro, ermäßigt 1 Euro Eintritt.

Paseo de Prado
Karl III. wollte nicht nur das Naturkundemuseum Prado, sondern auch einen Park, der Kunst und Natur miteinander in Einklang bringen und zur Verschönerung der Stadt beitragen sollte. 1763 beauftragte er deshalb den Urbanisten José de Hermosilla und den Architekten Ventura Rodríguez, ihren vorgelegten Vorschlag umzusetzen. Zwar ist der Paseo del Prado selbst mittlerweile eine starkbefahrene Hauptverkehrsstraße, doch hinter Palmen einigermaßen versteckt. Details wie die Brunnen Fuente de la Alcachofa (Atocha), Fuente de Neptuno (Prado), Fuente de Apolo (Thyssen-Bornemisza-Museum), Fuente de Cibeles blieben erhalten.

Parque del Buen Retiro

Der 140 Hektar große Parque del Buen Retiro (Retiro-Park) ist der bekannteste und berühmteste Park Spaniens. Er wurde auf dem Gelände des habsburgischen Retiro-Palastes angelegt, der im Zuge der napoleonischen Kriege fast vollständig niederbrannte, denn die französischen Revolutionäre konnten mit der teuren Parkanlage nichts anfangen: Steuergelder hätten sie lieber in die zusehends verarmende Bevölkerung investiert gesehen als in eine elitäre Oase der Ruhe. In den noch stehenden Überresten der Palastanlage sind heute Museen untergebracht, der weitläufige Park ist verstaatlicht und öffentlich zugänglich. Heute treffen sich hier nicht mehr blasierte Adlige, sondern Touristen, Einheimische und Künstler in Bars, beim Frisbee-Spielen und Sonnenbaden. Ein beliebter Treffpunkt ist das 30 Meter hohe Reiterdenkmal des Königs Alfonso XII. Besonders zu empfehlen ist die nahe „höllische“ Fuente del Angel Caído (Brunnen des Gefallenen Engels). In ihrem Zentrum wurde die wohl einzige Statue der Welt errichtet, die den Teufel darstellt. Im Auftrag von Herzog von Fernán Nuñez schuf der Madrider Bildhauer Ricardo Bellver den schönen Lucifer, der von acht Drachenköpfen bewacht wird. Gut entspannen lässt es sich an den Ufern des künstlich angelegten Estanque del Retiro (Retiro-See), der zur Bootsfahrt einlädt. Der Palacio de Cristal (Kristallpalast) ist ein schmuckes Kleinod, der dem in London zur Weltausstellung 1851 errichteten und 1936 bei einem Brand zerstörten Crystal Palace nachempfunden wurde. Der Architekt des 1887 errichteten Glaspavillons ist Ricardo Veláquez Bosco, der ebenfalls den Palacio Veláquez des Parks gestaltete. Seine Absicht war, einer Blumenausstellung einen möglichst offenen und lichtdurchfluteten Rahmen zu geben. Kunst und Musik wird noch heute im Glaspavillon präsentiert. Der Park ist täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet, im Winter bis 20 Uhr.
Das prächtige Interieur des Thronsaales im Palacio Real.

Palacio Real

Am 24. Dezember 1734 brannte das Schloss der muslimischen Mauren in Madrid nieder. Auf den Grundmauern des verkohlten Alcázar wurde der heutige Palacio Real („königlicher Palast“) errichtet. Sein barocker Prunk sollte von der Machtfülle der herrschenden Burbonen zeugen. Nach 30 Jahren präsentierten die Bauherren Juan Bautista Sachetti und Francisco de Sabatini das fertig gestellte Schloss mit rund 2.000 Sälen. Philipp V., der sich ein Prunkgebäude wie den El Escorial, den größten Renaissancebau der Welt bei Madrid, vorgestellt hatte, konnte zufrieden sein: Durch die Puerta del Principe (Prinzentor) gelangt man vom adrett gepflegten Ehrenhof mit den zurecht gestutzten Grashalmen und Zweigen in den Innenhof des quadratischen Anwesens. Vor Gästen wurde vor allem mit den so genannten Paradezimmern angegeben, mit dem Thronsaal, dem Treppenhaus, der Spiegelgalerie und der Schlosskapelle, die mit Stilelementen des Barock, des Klassizismus und auch der Mauren ausgeschmückt sind. Als wäre prunkvolle Architektur mit schmückenden Ziersäulen, den so genannten Pilastern (von lat. „Säule“) noch nicht genug, hängen an den Wänden Werke von Goya und Velázquez, Rubens und Caravaggio. Bewohnt wird der Palast schon geraume Zeit nicht mehr. Die Königsfamilie nutzt ihn nur noch als eine Art Bühne für die Inszenierung repräsentativer Ereignisse. Wirklich gelebt wird woanders: die Familie hat sich in den Südwesten Madrids in den Zarzuela-Palast zurückgezogen und damit dem Touristenstrom Platz gemacht.

Der schwappt auch hinüber zur Kathedrale Santa María la Real de La Almudena. Begonnen worden war der Bau im neogotischen Stil, dann schwenkte man im Sinne der ästhetischen Harmonie mit dem Palacio Real auf Neoklassizismus um, zumindest äußerlich. Innen überrascht die Kathedrale mit Pop-Art des spanischen Ikonenmalers und Picasso-Schülers Kiko Argüello (eigentlich Francisco José Gómez Argüello Wirtz). Die Bauarbeiten an der römisch-katholischen Kirche wurden erst 1993 abgeschlossen. Papst Johannes Paul II. weihte sie und erhob sie auch gleich zur Bischofskirche des Erzbistums Madrid. Elf Jahre später, am 22. Mai 2004, heirateten hier der spanische Thronprinz Felipe von Spanien und Letizia Ortiz Rocasolano.
Letizia von Spanien mit Felipe: Ob sie es merkt, dass die Blicke nicht gerade auf ihre Nase fallen?

Der künftige König Spaniens ist gut ausgebildet und sportlich erfolgreich: Er ging in Madrid und Toronto (Kanada) zur Schule, diente im Heer, der Marine und der Luftwaffe der Spanischen Armee und studierte anschließend Jura und BWL, sattelte auch einen Master Internationale Beziehungen oben auf, den er in Washington an der Georgetown University erwarb. Ein Jahr vor Ende seines Jurastudiums nahm er an den Olympischen Spielen im Sommer 1992 teil, deren Gastgeber Barcelona war. Im Segel-Wettbewerb wurde er Sechster.

Seine Frau Letizia Ortiz Rocasolano studierte Kommunikationswissenschaften und moderierte in Spanien mehrere Nachrichtensendungen. Für Wirbel sorgte eine Schönheitsoperation im Sommer 2004 an der Nase und vermutlich auch am Kinn. Was ihr nicht gefallen hatte, fanden die Spanier an der Bürgerlichen ganz sympathisch und auch zur Familie passend: An ihren markanten Nasen erkennt man die Habsburger, ob jetzt oder auf Portraits von beispielsweise El Greco, der nach kurzem Aufenthalt in Madrid von 1577 bis zu seinem Tod 1614 in Toledo für den spanischen Hofadel malte.

Plaza de España
Zwei Wolkenkratzer, ein Denkmal: Zwischen dem 1953 und 1957 fertig gestellten Edificio España und dem Torre de Madrid (Turm von Madrid) erstreckt sich die Plaza de España (Spanischer Platz), bewacht wird sie von einer weißen Statue des spanischen Nationaldichter Miguel de Cervantes. Gemessen und edel sitzt er, eine Hand auf seinen berühmtesten Roman gestützt, doch wild war sein Leben (1547 – 1616). Der Theologiestudent aus verarmtem Adel floh als 22-Jähriger vor der spanischen Justiz nach Rom und diente in der Armee von Juan de Austria. In der Schlacht von Lepanto gegen die Türken verlor er die linke Hand – insofern flunkert die Statue auf der Plaza de España, die den abenteuerlustigen Schriftsteller mit allen Gliedmaßen darstellt. Von algerischen Kosaren nach Algier verschleppt, dauerte es fünf Jahre und drei erfolglose Fluchtversuche, bis Cervantes 1580 vom Trinitarier-Orden befreit wurde, der sich auf den Freikauf christlicher Sklaven und Gefangener spezialisiert hatte. Cervantes machte sich nochmals für zwei Jahre zu Kriegszügen nach Portugal und auf die Azoren auf, bevor er hoch verschuldet als Schriftsteller Fuß fassen wollte. Er verfasste erste Texte, heiratete, ließ sich kurz darauf wieder scheiden, arbeitete als Steuereintreiber und landete wegen Veruntreuung von Staatsgeldern zweimal im Gefängnis.
Madrids Visitenkarte: die zahlreiche Denkmale an den berühmten Nationaldichter.

Dort begann seine Arbeit an dem zweibändigen Roman „Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“ (El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha), der Cervantes Ruhm einbrachte, Geld und dem Abendland seinen ersten Roman. Der erste Teil erschien 1605, der zweite 1615. Der verarmte Adlige Don Quijote macht sich auf seinem Pferd Rosinante und in Begleitung des eselreitenden Knappens Sancho Pansa in die Welt auf, um das Gute siegen zu lassen. Don Quijote sieht in Windmühlen Riesen, in Dorfkneipen Burgen und in Dirnen Bürgfräulein. Er ist der Wanderer auf dem schmalen Grat zwischen Narrentum und Idealismus und für zahlreiche Künstler Inspiration. Im Comic-Band "Asterix in Spanien" hat Don Quijote einen kurzen Auftritt: „Windmühlen? Zum Angriff!“, legten ihm Goscinny und Uderzo in den Mund. Der echte Cervantes konnte mit ruhiger Beschaulichkeit und Wohlstand offenbar nichts anfangen – 1616 starb er verarmt in Madrid.

Cervantes prägte die Literatur, die Spanier prägten ihn auf die Rückseite ihrer 50-Cent-Münzen und widmeten dem „Ritter von der traurigen Gestalt“ 2005 zum 400ten Geburtstag eine Sonderausgabe des 2-Euro-Stücks. Auf Deutsch ist die Neuübersetzung „Don Quijote von der Mancha“ von Susanne Lange, Hanser-Verlag, München 2008 zu empfehlen.
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