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Hauptstadt des Saxophons

Europa, Dinant
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In der belgischen Stadt Dinant wurde Adolphe Sax, Erfinder des Saxophons, geboren
Adolphe Sax hat das Saxophon in Brüssel erfunden. Aber geboren wurde er im belgischen Dinant. Hier wird das Erbe des größten Sohnes der Stadt liebevoll gepflegt.
Galerie
Wo einst das Geburtshaus des Instrumentenerfinders stand, befindet sich heute eine kleine interaktive Schau über ihn.


Dinant (dpa) - Von New Orleans ist es weit bis ins belgische Dinant. Doch der beschauliche Ort an der Maas fühlt sich der US-Großstadt ganz nahe. Ohne den berühmtesten Sohn der 13 000 Einwohner zählenden Stadt wären die Musikclubs von New Orleans und ihre Jazz-Musiker möglicherweise nie zu Weltruhm gelangt. Adolphe Sax (1814-1894) hat nämlich das Saxophon erfunden.

Seit 1990 bemüht sich die Internationale Adolphe Sax Vereinigung (AIAS), im Namen des Instrumentenbauers mehr Gäste in die Gemeinde unweit der französischen Grenze zu locken. «Sax wird für uns mehr und mehr ein großer touristischer Faktor», sagt Marc Baeken, Koordinator der AIAS und Direktor des örtlichen Kulturzentrums.

Und das, obgleich die Familie Sax bereits ein Jahr nach der Geburt des Sohnes nach Brüssel gezogen war. Hier erfand Sax 1840 das erste einer ganzen Instrumentenreihe. Später ging er nach Paris. Dort ließ er sein Saxophon 1846 patentieren, gründete eine Fabrik und wurde Lehrer am Konservatorium.
Das Adolphe Sax-Haus in Dinant, Belgien.

Mit den Verwandten in Dinant ist Sax aber in Kontakt geblieben. «Eine kinderlose Enkelin vermachte uns das Familienarchiv», sagt Baeken und blättert vorsichtig in dem dicken Familienalbum. «Das und andere persönliche Dinge zeigen wir nur selten. Sie sind zu kostbar»

Adolphe Sax ist in Dinant allgegenwärtig. Von der Kathedrale weisen etwa stilisierte Saxophon-Teile den Weg zum Adolphe Sax-Haus, das natürlich in der Adolphe Sax-Straße steht. «Es ist zwar nicht sein Geburtshaus, aber hier hat es einst gestanden», erklärt Baeken. Das, was sich darin befindet, will er ungern Museum nennen: «Es ist ein Schaufenster, um die Menschen für Sax zu begeistern.»

Die zwei kleinen Räume des Hauses zeigen Dokumente und Bilder. Auf Knopfdruck kommen aus Instrumenten an den Wänden weitere Informationen oder Musikeinspielungen. Um Musik geht es auch einige hundert Meter weiter im «Haus der Pataphonie» - ein experimentelles Haus, in dem Besucher fantasievoll arrangierten Alltagsgegenständen Töne entlocken können. Hier gibt es etwa ein Klavier, bei dem keine Saiten, sondern Glasflaschen und Blumentöpfe zum Klingen gebracht werden. Das einzige wirkliche Museumsstück ist ein fast zwei Meter großes Kontrabass-Saxophon.

Die ganze Stadt klingt, wenn alle vier Jahre der internationale Wettbewerb für klassisches Saxophon ausgetragen wird. Dazu gehört ein öffentliches Spontan-Konzert, bei dem gejazzt und geswingt wird. «Im vergangenen Jahr waren über 1900 Musiker hier», sagt Baeken stolz.

Er gerät schnell ins Schwärmen, wenn er über Adolphe Sax spricht. «Sax war ein Genie. Er war der erste, der physikalische Erkenntnisse über die Luftzirkulation in Metallröhren verwendete.» Auch habe er nicht nur Instrumente erfunden, sondern ebenso eine Teermaschine.

Mit 79 Jahren ist Adolphe Sax verarmt in Paris gestorben. Jahrelange Urheberrechtsprozesse um seine Instrumente gingen ins Geld. Dinant hofft auf Einnahmen. Unter anderem plane man einen kleinen «Walk of Fame» à la Hollywood mit berühmten Jazz-Musikern, sagt Ronald Pirlo, Sprecher des Kulturzentrums. Ebenso wolle man einen Musik-Garten im «Haus der Pataphonie» sowie eine Ausstellungsfläche für Sax auf der über der Stadt thronenden Festung errichten. 2014 steht der nächste Saxophon-Wettbewerb an. Dinant hat mit Adolphe Sax noch einiges vor.

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