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Frohsinn auf dem I-pad
Großbritannien, London
08.07.2012
David Hockney wird 75 und bleibt «Up-To-Date»
Galerie
London (dpa) - David Hockney kann sich vor Würdigungen und Ehrerbietungen kaum retten. Er wird heute weltweit als einer der wichtigsten Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts genannt. In seiner Heimat Großbritannien feiert man ihn als größten lebenden Künstler. Königin Elizabeth II. musste dem zurückgezogen lebenden Maler eine Ehrung seiner Verdienste regelrecht aufzwingen. Und was macht Hockney? Er zeichnet ein knallbuntes, an eine Kinderzeichnung erinnerndes Bild von den Feiern zum 60. Thronjubiläum der Queen - und zwar auf seinem neuen Lieblings-Zeichenblock, dem I-Pad. Am 9. Juli wird Hockney 75 Jahre.Eigentlich könnte sich Hockney problemlos auf seinen Lorbeeren ausruhen. Er hat bewiesen, dass es kaum etwas gibt, das er nicht kann. Er hat provoziert, Kritik verkraftet, sich in Malerei, Fotografie, Bühnenbildnerei ausprobiert und auch als Kurator und Uni-Dozent gearbeitet. Aufsehen erregte er mit seinem Buch «Geheimes Wissen», in dem er die These vertritt, die Maler der Renaissance hätten ihre Meisterwerke mit Hilfe konkaver Spiegel geschaffen. Hockneys Bilder erzielen heute Millionen, er ist in den wichtigsten Museen der Welt vertreten.
Berühmt wurde er vor allem durch seine «Swimming Pool»-Gemälde der 1960er Jahre, die mit ihren fröhlichen Farben großen Erfolg hatten. Kritiker schimpften ihn einen Illustrator, fanden seine heiteren, farbenfrohen Landschaften und Innenräume zu oberflächlich. Doch diese Stimmen sind mittlerweile weitestgehend verhallt.
Statt weitere Retrospektiven zu organisieren, die es bereits in den 1980er und 1990er Jahren zahlreich gab, zieht Hockney heute mit dem I-Pad durch die Lande, vor allem durch seine englische Heimat Yorkshire, wo er zurückgezogen lebt.
Die Royal Academy of Arts in London zeigte in einer großen Schau kürzlich beeindruckend, was dabei herauskommt: Farbenprächtige Landschaften im Großformat und Ausdrucke von Bildern, die mit der I-Pad-Anwendung «Brushes» entstanden sind. «Wenn man in meinem Alter etwas findet, was aufregend ist, dann muss man dranbleiben», sagte Hockney in einem Interview mit dem Sender BBC zu der Schau.
Privat ist Hockney zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Nach dem Tod seiner Mutter 1999 besann er sich nach Jahren in den glamourösen Hollywood Hills wieder auf das nordenglische Yorkshire und zog schließlich in das letzte Haus der Mutter. Seit seinen 40er Jahren leidet er an zunehmender Taubheit, hört mittlerweile fast kaum noch. Titel wie «größter lebender britischer Künstler» weist er als «Mediengeschwätz» zurück. Sie bedeuteten ihm nichts, erklärte er. «Ich lebe an einem entlegenen Ort, und da will ich auch bleiben.»
Anfang des Jahres nahm er nach Jahrzehnten der teils heftigen Ablehnung endlich eine offizielle Ehrung der britischen Königin entgegen - eine der bedeutendsten Danksagungen, die die Queen zu vergeben hat. Nun sei er endgültig im «Establishment» angekommen, urteilten britische Kommentatoren.
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