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Ein Urteil mit gut 300 Seiten

Luxemburg
26.03.2012
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Prozess um Luxair-Absturz mit 20 Toten steht vor dem Abschluss
Der Flug einer Luxair-Maschine von Berlin nach Luxemburg am 6. November 2002 endete mit einer tödlichen Katastrophe. 20 Menschen verloren ihr Leben, darunter 15 Deutsche. Im Prozess gegen mögliche Verantwortliche des Absturzes wird nun das Urteil gesprochen.
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Luxemburg (dpa) - Eine Glastafel in der luxemburgischen Gemeinde Niederanven führt 20 Namen auf: Es sind die Namen von 20 Menschen, die dort beim Absturz eines Luxair-Flugzeugs von Berlin nach Luxemburg ums Leben kamen. Darunter auch 15 Deutsche. Neun Jahre, vier Monate und 21 Tage später kann ein Schlussstrich unter die juristische Aufarbeitung des Unglücks gezogen werden: Am Dienstag (27. März) fällt in Luxemburg das Urteil gegen sieben Männer, die für die Katastrophe verantwortlich sein sollen. Vor dem Bezirksgericht mussten sie sich vom 10. Oktober bis 8. Dezember unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten.
Rettungshelfer stehen am 06.11.2002 am Wrack einer Maschine vom Typ Fokker 50 der Luxair, die bei Niederanven abgestürzt ist. Der Flug der Luxair-Maschine von Berlin nach Luxemburg endete mit einer tödlichen Katastrophe. 20 Menschen starben, darunter 15 Deutsche.

Im Fokus des Verfahrens stand der Pilot der Unglücksmaschine, der ebenso wie ein französischer Passagier den Crash überlebt hat. Die Staatsanwaltschaft forderte für den 36-Jährigen dreieinhalb Jahre Haft plus Geldstrafe. Ihm werden schwere Pilotenfehler zur Last gelegt. Er soll vor dem Absturz die Schubhebel der Fokker 50 nach hinten gezogen haben, um rasch an Tempo und Höhe zu verlieren. Die gewählte anormale Propellerstellung - die einer Art Schubumkehr gleichkommt - darf aber nur am Boden zum starken Abbremsen benutzt werden.

Die Folge: Die Maschine war nicht mehr kontrollierbar und stürzte aus 200 Metern Höhe in die Tiefe. Warum der Pilot den Griff zum Schubhebel machte? Die Antwort lieferte der Stimmenrekorder aus dem Cockpit, der im Prozess abgespielt wurde und die letzten Minuten vor dem Unglück wiedergibt. «Er wollte einfach nach Hause», fasste Staatsanwalt Serge Wagner zusammen. Wegen dichten Nebels hatte die Maschine an jenem Tag aber zunächst keine Landeerlaubnis bekommen. Und als dann endlich das OK kam, lief alles überhastet ab.

Der Pilot hatte im Prozess ausgesagt, sich nicht mehr an das Unglück erinnern zu können. Er bedauerte, dass so viele Menschen gestorben seien. «Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir etwas falsch gemacht haben», erklärte er. Den Schubhebel habe er höchstens unabsichtlich betätigt. Für den Vorsitzenden Richter Prosper Klein war aber klar: «Viele Regeln sind nicht eingehalten worden.» Der Landeanflug war nicht vorbereitet, der Co-Pilot nicht angeschnallt, die Passagiere waren nicht informiert worden.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft trägt der Flugzeughersteller Fokker eine Mitschuld an dem Unglück. Denn: Eigentlich hätte der Schubhebel im Cockpit technisch überhaupt nicht nach hinten gezogen werden können. Die Sicherheitsvorrichtung habe nicht funktioniert, hatte Wagner im Plädoyer ausgeführt. Fokker seien die technischen Probleme an Maschinen gleichen Typs bekannt gewesen - und der Hersteller hätte nachbessern müssen.

Für einen ehemaligen Luxair-Technikleiter wurden im Prozess zwei Jahre Haft und für zwei Flugzeugmechaniker 18 Monate gefordert. Alle Strafen könnten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zur Bewährung ausgesetzt werden. Für die drei Ex-Generaldirektoren wurde Freispruch beantragt. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch für ihre Mandanten, da der Absturz ausschließlich auf technische Ursachen zurückzuführen sei. Anders als im deutschen Recht können in Luxemburg auch Freiheitsstrafen über zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden.

«Es war ein Mammutprozess», sagt der Sprecher der luxemburgischen Justiz, Henri Eippers. Mit 33 Verhandlungstagen war er der bisher längste im Großherzogtum. Und auch sonst ungewöhnlich: Der Prozess habe erst fast neun Jahre nach dem Unglück begonnen, weil tausende Dokumente ausgewertet und technische Details analysiert werden mussten. Einsprüche, Anträge und angeforderte Gutachten verzögerten immer wieder den Prozessstart. Entsprechend umfangreich wird das Urteil ausfallen und nach Angaben von Eippers 300 bis 400 Seiten umfassen.

 

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