Skiurlaub- günstig mit FeWo-direkt
Center Parcs - der Familienkurzurlaub im Internet!




Hotelsuche in 
 

Ein Preis für die «Rebellion der Schwachen» gegen die Atommächte

Norwegen
06.10.2017
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Es ist ein ungleicher Kampf wie David gegen Goliath. 450 Organisationen und 122 Länder wollen neun Atommächte entwaffnen. Die Chancen stehen schlecht. Aber jetzt gibt es einen Achtungserfolg, der die Goliaths von Trump bis Merkel unter Druck setzt.

Oslo (dpa) - Die Jury des Friedensnobelpreises malt ein düsteres Bild der Welt. «Atomwaffen sind eine ständige Bedrohung für die Menschheit und alles Leben auf der Erde.» Lange sei das nicht so akut gewesen wie jetzt. Mit diesen Worten verkündet die norwegische Komitee-Chefin Berit Reiss-Andersen am Freitag den Preisträger für die wichtigste politische Auszeichnung der Welt.

Der Friedensnobelpreis 2017 ehrt die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican). Und nicht nur das. Er ist eine Mahnung an alle Atommächte - und durch die Hintertür auch eine Ohrfeige für US-Präsident Donald Trump und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Warum vergibt die Nobel-Jury ausgerechnet jetzt einen Friedenspreis für den Kampf gegen Atomwaffen?

«Wir leben in einer Welt, in der das Risiko für den Einsatz von Atomwaffen größer ist als lange Zeit», begründet die Jury ihre Entscheidung. Mehrere Staaten modernisierten ihre Arsenale. Die Gefahr, dass mehr Länder wie Nordkorea versuchten, Atomwaffen herzustellen, sei real.

Warum wählte sie Ican?

Ican hat maßgeblich am UN-Abkommen zum Verbot von Nuklearwaffen mitgewirkt, der im Juli in New York unterzeichnet wurde. Sie sieht in ihr eine Art Graswurzelbewegung gegen Atomwaffen und zeichnet sie auch stellvertretend für viele andere Initiativen aus. «Der diesjährige Preis ist ein Tribut an jeden, der sich gegen Atomwaffen einsetzt», sagt Reiss-Andersen. Ican wird von Zehntausenden Aktivisten getragen, die sich in Friedensgruppen für Abrüstung engagieren. Damit verbindet die Jury den Preis klar nicht mit einem Land oder einer politischen Regierung.

An wen ist der Preis eine Mahnung?

An alle Atommächte. Der Preis solle eine «Ermunterung» sein, so formuliert die Jury vorsichtig, die Vereinbarungen zur Abrüstung einzuhalten.

Kann der Friedensnobelpreis die Nordkorea-Krise beeinflussen?

Nordkorea ist das einzige Land, das die Jury konkret in ihrer Preisbegründung nennt. Bisher hat sich der Staatschef des ostasiatischen Landes, Kim Jong Un, von außen aber durch nichts unter Druck setzen und von seinen Raketentests abhalten lassen. US-Präsident Donald Trump hat erst vor wenigen Tagen direkte Gespräche mit dem «Raketenmann» abgelehnt. Ob er sich vom Nobelpreiskomitee besänftigen lässt, ist zumindest fraglich.

Ist der Preis denn ein Seitenhieb gegen Trump?

«Wir treten mit diesem Preis niemandem ans Bein», betont die Nobeljury. Trotzdem kann man die Entscheidung als Signal an den US-Präsidenten Donald Trump werten. In der nächsten Woche wird er entscheiden, wie es mit dem Atom-Abkommen mit dem Iran weitergehen soll. Wenn er den Ausstieg der USA einleiten sollte, könnte das zu einem neuen atomaren Wettrüsten führen, befürchten viele Politiker und Experten.

Was hat es mit dem Atomwaffenverbotsvertrag auf sich?

Der im Juli in New York von den ersten Staaten unterzeichnete Vertrag verbietet es allen Unterzeichnern, Atomwaffen zu entwickeln, zu besitzen, zu stationieren oder zu finanzieren. 122 Staaten haben ihn ausgehandelt, 53 davon haben bereits unterzeichnet. Darunter ist aber keine einzige Atommacht.

Warum haben die Atommächte die Verhandlungen boykottiert?

Sie stehen weiter zum Prinzip der nuklearen Abschreckung: Danach soll der Besitz von Atomwaffen davor schützen, selbst mit Massenvernichtungswaffen angegriffen zu werden. Die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich können sich darauf berufen, dass es schon einen internationalen Vertrag über atomare Abrüstung gibt, den sogenannten Atomwaffensperrvertrag von 1968. Er soll die Ausbreitung von Atomwaffen verhindern und beinhaltet eine Verpflichtung zur Abrüstung - aber kein Verbot.

Was ist mit den anderen Atommächten?

Die Atommächte Indien und Pakistan gehören nicht zu den Vertragsparteien des Atomwaffensperrvertrags. Auch Israel und Nordkorea sind nicht dabei. Israel hat den Besitz von Atomwaffen nie zugegeben, aber auch nicht dementiert. Wie weit Nordkorea bei der Entwicklung von Atomwaffen ist, ist unklar.

Wie verhalten sich Deutschland und die Nato?

Deutschland hielt sich wie fast alle Nato-Staaten aus den Verbotsverhandlungen heraus. Begründung: Da die Atommächte nicht teilnehmen, können die Verhandlungen nichts ändern. Die Bundesregierung bekräftigte diese Haltung am Freitag.

Was sagt Ican dazu?

Die Organisation kritisiert das scharf. Mit ihrem Boykott der Verhandlungen habe die große Koalition mit der abrüstungspolitischen Tradition Deutschlands gebrochen und sei ihrer globalen Verantwortung nicht gerecht geworden, sagt Ican-Vorstandsmitglied Sascha Hach. «Die Bundesregierung hat die politische Bedeutung des Verbotsvertrages völlig verkannt.» Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse nun «so schnell wie möglich» für eine Unterzeichnung des Vertrags sorgen.

Hat es nicht schon einmal einen Friedensnobelpreis für eine nukleare Abrüstungsinitiative gegeben?

Ja. Der damalige US-Präsident Barack Obama formulierte 2009 in einer der wichtigsten Reden seiner Amtszeit in Prag die Vision einer nuklearwaffenfreien Welt und bekam dafür im selben Jahr den Friedensnobelpreis.

Was ist aus seiner Vision geworden?

Nicht viel. Fast alle Analysten sind enttäuscht über fehlende Fortschritte. Die Zahl der nuklearen Sprengköpfe weltweit ist zwar seit dem Beginn von Obamas Amtszeit 2009 von 23 300 auf heute rund 15 000 gesunken - zu Zeiten des Kalten Krieges waren es noch rund 70 000. Gleichzeitig investieren aber die USA und die anderen Atommächte massiv in die Modernisierung ihrer Arsenale. Experten gehen davon aus, dass alleine die USA in den nächsten 30 Jahren bis zu eine Billion US-Dollar (834 Milliarden Euro) in die Modernisierung ihres Atomwaffenarsenals stecken werden.

 

Kommentare zu diesem Artikel
 
Neuer Kommentar
Name *
Email * (wird nicht öffentlich angezeigt)
Kommentar
* Pflichtangaben
 
Diesen Artikel empfehlen

Absender Empfänger Nachricht (optional)
Name
E-Mail

Name
E-Mail
   
 
 
Tipps der Redaktion aus dem Nachrichtenportal
 
NACHRICHTEN
Oslo/Peking (dpa) - Die Weltcup-Saison hat für die deutschen Springreiter mit einem Sieg begonnen. Daniel Deußer gewann beim Auftakt der Hallen-Serie am Sonntag den Großen Preis von Oslo. Der in Belgien lebende Hesse setzte sich im Sattel von
Oslo (dpa) - Im Abstiegskampf muss man manchmal zu ungewöhnlichen Mitteln greifen: Der Trainer des norwegischen Fußball-Erstligisten Vålerenga IF hat seine Spieler nackt zu einem wichtigen Sieg motiviert. Vor dem 2:1 gegen den Konkurrenten Brann
Oslo (dpa) - Die australische Polizei hat Medienberichten zufolge monatelang eine Webseite betrieben, auf der Tausende Mitglieder Bilder und Filme von Übergriffen auf Kinder verbreitet haben. Das meldet die norwegische Zeitung «Verdens Gang».
Oslo (dpa) - Norwegens König Harald hält die wirtschaftlich goldenen Zeiten in seinem Land für Vergangenheit. «Die letzten zehn Jahre waren eine goldene Periode. Wichtige wirtschaftliche Trends liefen zu unseren Gunsten. Jetzt kehren sich die
Oslo/Stockholm (dpa) - FRIEDEN: Die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) unter anderem für ihre «bahnbrechenden Bemühungen um ein vertragliches Verbot» von Atomwaffen.LITERATUR: Der britische Schriftsteller Kazuo Ishiguro für
In Deutschland ist der Dienst UberPop mit Privatleuten als Fahrer längst Vergangenheit. In Oslo gibt es ihn noch. Doch als Zeichen des Wandels wird er zum Monatsende auch in der norwegischen Hauptstadt gestoppt.Oslo/San Francisco (dpa) - Uber setzt
 
Tipps der Redaktion aus dem Reiseportal
 
REISEPORTAL
Eine außergewöhnliche Kombination von Abenteuer-Tour mit tiefen Erfahrungen der Meditation, des Yoga, des Survival, sowie der intuitiven und sinnlichen Natur-Betrachtung. Heilpraktische Maßnahmen und Wellness-Angebote inclusive. Selbstversorgung
Eine außergewöhnliche Kombination von Abenteuerreise mit den Grundzügen der Meditation, des Yoga, des Survival sowie der intuitiven und besinnlichen Natur-Betrachtung. Heilpraktische Maßnahmen und Wellness-Angebote inklusive! Hans Peter Neuber,
Unendliche Weite, tiefe Eindrücke einer gigantischen Landschaft, die sich magisch in die Seele einbrennen. Unbeschreibliche Farbenpracht, Blumen in allen Variationen, die auf grünem Moos plötzlich inmitten dem Steingeröll und dem kargen
Unendliche Weite, tiefe Eindrücke einer gigantischen Landschaft, die sich magisch in die Seele einbrennen. Das ist die Arktis. Der Reisende findet hier bei weitem nicht nur trostlose vom Blizzard durchtoste Schneeflächen, sondern - zumindest im
Wer in den Spitzbergen-Reiseführern über Pyramiden liest, findet meist den Hinweis, dass Pyramiden eine seit 1998 verlassene russische "Geisterstadt" sei, die mehr und mehr verfällt. Diese Information ist überholt Seit 2006
Gletscher und Pyramiden - der Ort an dem diese zusammen finden, muss schon etwas Besonderes sein. Wer im Trotter 127 den Bericht über das dzg-Treffen 2007 auf Spitzbergen gelesen hat, der las darin von Wildnis und Gletscher, von mystischen
Wetter

Oslo


(17.10.2017 01:52)

8 / 14 °C


18.10.2017
7 / 12 °C
19.10.2017
4 / 10 °C
powered by wetter.com
Börsenberichte

banner

banner

banner

banner

© europe online publishing house GmbH, Weiden, Germany, info@europeonline-magazine.eu | Impressum