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Droht Portugal ein ähnliches Schicksal wie Griechenland?
Portugal
22.02.2012
Portugal hängt am internationalen Finanztropf - genauso wie
Griechenland. Viele spekulieren, dass dem ebenfalls hoch
verschuldeten Land ein ähnliches Schicksal droht: Erst ein zweites
Hilfspaket, dann womöglich ein Schuldenschnitt?
Frankfurt/Main (dpa) - Nach der Einigung auf ein neues Hilfspaket für Griechenland blicken die Märkte auf Portugal. Das kleine Land im Südwesten Europas gilt unter den Krisenländern als besonders gefährdet. Ein zweites Hilfspaket oder gar ein Forderungsverzicht der privaten Gläubiger wird von einigen Ökonomen auch in Portugal nicht ausgeschlossen. Im Gegensatz zu Griechenland gilt Portugal andererseits jedoch als «Musterschüler», was die Umsetzung der Reform-und Sparmaßnahmen angeht.
Portugal ist wie auch Griechenland ein strukturschwaches Land. Die Verschuldung liegt derzeit mit 101,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) so hoch wie in Italien vor der Rezession, die private Verschuldung ist höher als im Nachbarland Spanien. Zudem hat Portugal in den vergangenen Jahren unter einer anhaltenden Wachstumsschwäche zu leiden. Verschärft wird sie durch die geografische Lage am Rande Europas und die hohe Abhängigkeit vom ebenfalls krisengeschüttelten Spanien. Das schwache Bildungssystem gilt als weitere Wachstumsbremse. Und ebenso wie in Griechenland drücken die von den Geldgebern erzwungenen Sparmaßnahmen die Wirtschaft in die Rezession. Nachdem Standard & Poor‘s (S&P) die Kreditwürdigkeit des Landes Ende Januar herabgestuft hatte, werden die Anleihen nun von allen drei großen Ratingagenturen als Ramsch bewertet.
Trotzdem werden die langfristigen Aussichten Portugals deutlich günstiger bewertet als die von Griechenland. Die Regierung unter Premierminister Pedro Passos Coelho hat die Spar- und Reformvorgaben der Troika (EZB, IWF, EU) erfüllt und darüber hinausgehende Maßnahmen ergriffen. Starke Ausgaben- und Gehaltskürzungen in der öffentlichen Verwaltung, Steuererhöhungen, Einfrieren von Renten und die Verlängerung der Arbeitszeit wurden umgesetzt. Gleich vier Feiertage wurden gestrichen. «Nach unserer Auffassung ist die politische Konstellation in Lissabon sehr viel günstiger als in Athen», schreibt Deutsche-Bank-Volkswirt Gilles Moec in einer Studie. «Portugal hat bisher die versprochenen fiskalischen Kürzung umgesetzt.»
Der Widerstand gegen die Maßnahmen hält sich in Portugal in Grenzen. Brennende Barrikaden wie in Athen gibt es in Lissabon nicht. Die Gewerkschaften zeigten sich im Gegensatz zu ihren griechischen Kollegen kompromissbereit. So hat die Regierung im Januar mit Unternehmern und Gewerkschaften ein Abkommen über weitgreifende Arbeitsmarktreformen unterzeichnet. 85 Prozent der Wähler stimmten bei den Wahlen für Parteien, die grundsätzlich hinter den Reformen stehen.
Ein Schuldenschnitt dürfte nach Einschätzung der Mehrheit der Ökonomen vermeidbar sein. Der Schuldenstand Portugals soll mit 118 Prozent des BIP 2013 seinen Höhepunkt erreichen. Das gilt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds als tragfähig. Damit entfällt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen zufolge die Begründung für einen einen solchen Schritt. In Griechenland liegt der Schuldenstand derzeit bei rund 163 Prozent.
Aber auch die Erfahrungen mit dem griechischen Schuldenerlass sprechen gegen eine Beteiligung der privaten Gläubiger. «Der im Juli 2011 beschlossene Schuldenschnitt für Griechenland hat die Staatsschuldenkrise spürbar verschärft», schreibt Solveen. «Ähnliches wird die Politik nicht noch einmal riskieren».
Allerdings dürfte laut Ökonomen das bisher beschlossene Hilfspaket nicht ausreichen. «Es besteht das Risiko, dass die Marktteilnehmer die latenten strukturellen Fortschritte außer Acht lassen und ihren Blick zu stark auf die kurzfristigen Wachstumsaussichten verengen», erwartet Deutsche-Bank-Ökonom Moec. «Eine merkliche Rezession erscheint unvermeidlich.» Die 78 Milliarden Euro aus dem Hilfsprogramm reichen noch bis September 2013. Eigentlich sollte Portugal daher im kommenden Jahr wieder an die Märkte zurückkehren.
Während dies in Irland als realistisch gilt, dürfte es in Portugal jedoch kaum möglich sein. Die Rendite für zehnjährige irische Staatsanleihen lag am Mittwoch bei lediglich 6,70 Prozent, in Portugal beträgt sie dagegen 11,51 Prozent. Nach der Herabstufung durch S&P war sie sogar zeitweise bis auf 17 Prozent geklettert.
Frankfurt/Main (dpa) - Nach der Einigung auf ein neues Hilfspaket für Griechenland blicken die Märkte auf Portugal. Das kleine Land im Südwesten Europas gilt unter den Krisenländern als besonders gefährdet. Ein zweites Hilfspaket oder gar ein Forderungsverzicht der privaten Gläubiger wird von einigen Ökonomen auch in Portugal nicht ausgeschlossen. Im Gegensatz zu Griechenland gilt Portugal andererseits jedoch als «Musterschüler», was die Umsetzung der Reform-und Sparmaßnahmen angeht.
Portugal ist wie auch Griechenland ein strukturschwaches Land. Die Verschuldung liegt derzeit mit 101,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) so hoch wie in Italien vor der Rezession, die private Verschuldung ist höher als im Nachbarland Spanien. Zudem hat Portugal in den vergangenen Jahren unter einer anhaltenden Wachstumsschwäche zu leiden. Verschärft wird sie durch die geografische Lage am Rande Europas und die hohe Abhängigkeit vom ebenfalls krisengeschüttelten Spanien. Das schwache Bildungssystem gilt als weitere Wachstumsbremse. Und ebenso wie in Griechenland drücken die von den Geldgebern erzwungenen Sparmaßnahmen die Wirtschaft in die Rezession. Nachdem Standard & Poor‘s (S&P) die Kreditwürdigkeit des Landes Ende Januar herabgestuft hatte, werden die Anleihen nun von allen drei großen Ratingagenturen als Ramsch bewertet.
Trotzdem werden die langfristigen Aussichten Portugals deutlich günstiger bewertet als die von Griechenland. Die Regierung unter Premierminister Pedro Passos Coelho hat die Spar- und Reformvorgaben der Troika (EZB, IWF, EU) erfüllt und darüber hinausgehende Maßnahmen ergriffen. Starke Ausgaben- und Gehaltskürzungen in der öffentlichen Verwaltung, Steuererhöhungen, Einfrieren von Renten und die Verlängerung der Arbeitszeit wurden umgesetzt. Gleich vier Feiertage wurden gestrichen. «Nach unserer Auffassung ist die politische Konstellation in Lissabon sehr viel günstiger als in Athen», schreibt Deutsche-Bank-Volkswirt Gilles Moec in einer Studie. «Portugal hat bisher die versprochenen fiskalischen Kürzung umgesetzt.»
Der Widerstand gegen die Maßnahmen hält sich in Portugal in Grenzen. Brennende Barrikaden wie in Athen gibt es in Lissabon nicht. Die Gewerkschaften zeigten sich im Gegensatz zu ihren griechischen Kollegen kompromissbereit. So hat die Regierung im Januar mit Unternehmern und Gewerkschaften ein Abkommen über weitgreifende Arbeitsmarktreformen unterzeichnet. 85 Prozent der Wähler stimmten bei den Wahlen für Parteien, die grundsätzlich hinter den Reformen stehen.
Ein Schuldenschnitt dürfte nach Einschätzung der Mehrheit der Ökonomen vermeidbar sein. Der Schuldenstand Portugals soll mit 118 Prozent des BIP 2013 seinen Höhepunkt erreichen. Das gilt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds als tragfähig. Damit entfällt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen zufolge die Begründung für einen einen solchen Schritt. In Griechenland liegt der Schuldenstand derzeit bei rund 163 Prozent.
Aber auch die Erfahrungen mit dem griechischen Schuldenerlass sprechen gegen eine Beteiligung der privaten Gläubiger. «Der im Juli 2011 beschlossene Schuldenschnitt für Griechenland hat die Staatsschuldenkrise spürbar verschärft», schreibt Solveen. «Ähnliches wird die Politik nicht noch einmal riskieren».
Allerdings dürfte laut Ökonomen das bisher beschlossene Hilfspaket nicht ausreichen. «Es besteht das Risiko, dass die Marktteilnehmer die latenten strukturellen Fortschritte außer Acht lassen und ihren Blick zu stark auf die kurzfristigen Wachstumsaussichten verengen», erwartet Deutsche-Bank-Ökonom Moec. «Eine merkliche Rezession erscheint unvermeidlich.» Die 78 Milliarden Euro aus dem Hilfsprogramm reichen noch bis September 2013. Eigentlich sollte Portugal daher im kommenden Jahr wieder an die Märkte zurückkehren.
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