Skiurlaub- günstig mit FeWo-direkt
Bundesliga-Tickets mit Garantie!


Espresso der Extra-Klasse


     
Hotelsuche in 
 

Die Wände sind ihr Grabstein

Tschechien, Praha
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Pinkas-Synagoge: Kathedrale mit Namen jüdischer Opfer Böhmens und Mährens
„Diese Menschen haben alle kein Grab“, deutet Reiseleiter Ivo Janoušek in der Pinkas-Synagoge auf die 77.000 Namen der ermordeten tschechischen Juden mit Geburts- und Sterbedaten, „diese Wände sind ihr Grabstein, das ist ein Mahnort wie Yad Vashem.“ Im Hauptraum bilden fünf Buchstaben den Abschluss wie auf jedem jüdischen Grabstein. „Auch die Namen der Großeltern der früheren US-amerikanischen Außenministerin Madelaine Albright, Arnošt and Olga Korbel sowie Anna Spieglová sind hier zu finden – sie hat diesen Ort bei ihrem Prag-Aufenthalt natürlich besucht.“
Galerie
77.000 Namen ermordeter tschechischen Juden mit Geburts- und Sterbedaten machen die Pinkas-Synagoge zum Prager Yad Vashem.
Pinkas-Synagoge.

„In Theresienstadt starben nur die Kranken und Alten, das waren etwa 25 Prozent aller tschechischen Holocaust-Opfer“, führt Ivo Janoušek weiter aus. „Die Gesunden wurden weiter nach Osten transportiert, vor allem nach Auschwitz.“ Von den 385.000 tschechoslowakischen Juden haben die Schoah lediglich 35.000 überlebt. Seit Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Synagoge nach dem früheren Hausbesitzer Israel Pinkas Pinkasschul genannt.

Spätgotik mit Frührenaissance
„Die Pinkas-Synagoge ist ein länglicher einschiffiger Raum mit spätgotischem Netzgewölbe und Renaissancedekor von Mitte des 16. Jahrhunderts und Maßwerkfenstern“, beschreibt Janoušek die Architektur. „Sehr schön ist das Eingangsportal mit seinen außerordentlich reinen Frührenaissanceformen.“

Zu den wertvollsten Sakralkunstwerken gehören der barocke Toraschrein vom Ende des 17. Jahrhunderts mit Doppelsäulen an den Seiten, eine im Original gotische Bima, die mit rotem Marmorstuck barockisiert und 1793 um ein Rokokogitter aus Schmiedeeisen ergänzt wurde. Eine Gedenktafel mit Inschrift aus dem Jahr 1535 im Vestibül erinnert an den Bauherrn, Aron Meschullam Zalman Horowitz, und dessen Gattin.


Der Sitz der Seele
Unter der Synagoge wurden bei Restaurierungsarbeiten ältere Gewölbe und eine Mikwe aus dem späten 15. Jahrhundert gefunden. „Das Blut ist nach jüdischer Vorstellung der Sitz der Seele“, erklärt Janoušek die Bedeutung dieses ganz besonderen Saftes, „man kann damit Magie betreiben.“ Deshalb hätten die religiösen Regeln die Beseitigung von Blut aus allen tierischen Lebensmitteln mit Wasser und Salz streng geregelt – aber natürlich auch aus hygienischen Gründen.
Die Mikwe dient der rituellen Reinigung.

„Die Frauen hatten sich während ihrer Monatsblutung in der Mikwe zu reinigen, damit anschließend das volle Eheleben wieder beginnen kann.“ Ein vom Liebeshunger seiner Frau überforderter Mann, erzählt Janoušek einen jüdischen Witz, habe einen Ausweg finden wollen, und behauptet, die Mikwe sei nur bis zwei Zentimeter unter dem Eichstrich gefüllt, die Frau mithin immer noch unrein.

„Die ehelichen Pflichten werden von gläubigen Juden sehr ernst genommen“, ergänzt er, „die Rabbiner sagen, der Mann hat die Verpflichtung, die Frau zu befriedigen – ansonsten kann sie zum Rabbi gehen und die Scheidung verlangen.“ Ausnahmen seien möglich, wenn die Männer körperlich sehr fordernden Beschäftigungen nachgingen. „Umgekehrt müssen Arbeitslose täglich ran.“
Tourismus
 

 

Kommentare zu diesem Artikel
 
Neuer Kommentar
Name *
Email * (wird nicht öffentlich angezeigt)
Kommentar
* Pflichtangaben
 
Diesen Artikel empfehlen

Absender Empfänger Nachricht (optional)
Name
E-Mail

Name
E-Mail
   
 
 
Tipps der Redaktion aus dem Reiseportal
 
REISEPORTAL
Wenn die Moldau bei Roztoky in einer U-Beuge nach Westen knickst und das rechte Ufer steil ostwärts buckelt, kann der Radler allmählich aufatmen. Ist der Anstieg nach Klecánky einmal geschafft, bringen mehrere Kilometer ebene Strecke mit
Südlich der Prager Innenstadt erhebt sich steil über dem rechten Ufer der Moldau (Vltava) ein zweiter Burghügel, der mittelalterliche Burgwall Vyšehrad, zu deutsch Hochburg. „Früher dachte man, das letzterer sogar älter sein könnte, aber
„Die Klausen-Synagoge – benannt nach den Klausen, von Gemeindemitgliedern gestiftete Schulen, in der Juden ihre Tora- und Talmud-Studien betreiben – ist die größte Synagoge Prags“, führt Reiseleiter Ivo Janoušek ein. „Nach dem großen
„Ich sah die unzähligen aneinander geschichteten Steintafeln und die uralten Holunder“, erzählt Wilhelm Rabe in „Holunderblüte“, „welche ihre knorrigen Äste drum schlingen und drüberbreiten. Ich wandelte in den engen Gängen und sah
„Diese Menschen haben alle kein Grab“, deutet Reiseleiter Ivo Janoušek in der Pinkas-Synagoge auf die 77.000 Namen der ermordeten tschechischen Juden mit Geburts- und Sterbedaten, „diese Wände sind ihr Grabstein, das ist ein Mahnort wie Yad
Wer den mit großer Kuppel eingewölbten Zentralraum der Spanischen Synagoge in der Vězenská 1 betritt, den blendet die goldene Pracht der Stuckarabesken und Ornamente an Wänden und Decke nach dem Vorbild der spanischen Alhambra. Die pompöse
 
Tipps der Redaktion aus dem Nachrichtenportal
 
NACHRICHTEN
Prag (dpa) - Tschechien wehrt sich weiter gegen eine verbindliche Aufteilung von Flüchtlingen innerhalb der Europäischen Union. Das erklärte der geschäftsführende Regierungschef Andrej Babis am Donnerstag in einer europapolitischen Grundsatzrede
Prag (dpa) - Mehr als hundert Gläubige haben in einem Protestbrief an Papst Franziskus den Kurs der katholischen Kirche in Tschechien scharf kritisiert. Sie forderten das Kirchenoberhaupt am Mittwoch auf, das Mandat des Prager Erzbischofs, Kardinal
Bratislava (dpa) - Tschechiens geschäftsführender Regierungschef Andrej Babis hat im Streit um mutmaßliche Verstrickungen mit der kommunistischen Staatssicherheit vor Gericht verloren. Das Regionalgericht in Bratislava wies eine Klage des
Prag (dpa) - Die tschechische Regierung der populistischen Bewegung ANO will den verpflichtenden Wehrunterricht an den Schulen wiedereinführen. Die Schüler sollten lernen, «was es heißt, ein Tscheche zu sein», sagte Verteidigungsministerin Karla
Prag (dpa) - Ein Polizist in Tschechien soll im Dienst nebenher Drogen verkauft haben. Der 29 Jahre alte Beamte sei in Untersuchungshaft genommen worden, nachdem er versucht habe, wichtige Zeugen zu beeinflussen, teilte ein Sprecher der Innenrevision
Prag (dpa) - Der tschechische Tennis-Profi Tomas Berdych hat seine Davis-Cup-Karriere beendet. Der 32-Jährige kündigte an, nicht mehr bei dem Wettbewerb für Nationalmannschaften anzutreten, wie die Zeitung «Pravo» (Montag) berichtete. Die
Ecken
LÄNDER
STÄDTE
EUROPA-TOUREN
banner

banner

banner

banner

© europe online publishing house GmbH, Weiden, Germany, info@europeonline-magazine.eu | Impressum