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Die Sonnenseite der Alpen

Slowenien
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Europas kleinster Vielvölkerstatt: Slowenien ist stolz auf seine Vielfalt auf engstem Raum
Zugegeben, die Slaven machen es einem nicht immer leicht – sprachlich jedenfalls: Slovensko etwa nennen die Tschechen den Nachbarn Slowakei, Slovinsko aber steht für Slowenien. Kein Wunder also, wenn wir uns bei der Unterscheidung der kleinen postkommunistischen Staaten etwas schwer tun. Oder etwa doch nicht? Inzwischen nämlich hat sich der kleinste unter den Alpenstaaten – eine halbe Schweiz etwa bringt Slowenien auf die geographische Waage und die Einwohnerzahl Hamburgs – durchaus Respekt verschafft: EU-Mitgliedschaft in der ersten Erweiterungsrunde 2004, Euro-Einführung Ende 2007 und Mitglied im Schengenraum, erfolgreiche EU-Ratspräsidentschaft Anfang 2008. Die Slowenen überholten mit konsequent guten Kennziffern etliche etablierte EU-Mitglieder und konnten sich mit ihrem Bruttoinlandsprodukt auf Platz 16 von 27 hochhangeln.
Galerie
Maribor: Stadtteil Lent am Ufer der Drau.
Dass der junge Staat auch kulturell einen guten Jahrgang auftischen kann, zeigen die dicken Orden, die Sloweniens größte Städte derzeit ans Revers geheftet bekommen: Ljubiljana ist 2010 die Welthauptstadt des Buches, Maribor 2012 die Europäische Kulturhauptstadt – ausgezeichnete Gelegenheiten, um endlich die Hauptstadt im k.u.k.-Stil, die Wein- und Kunsthochburg an der Drau, Adriadörfer mit venezianischer Anmut und pittoreske Bergdörfer zu entdecken. Das Charakteristische Sloweniens ist seine Vielfalt auf engstem Raum. Der Vielvölkerstaat en miniature ist anders als die geplagten Nachbarn nicht so stark von den Wunden des Zehn-Tage-Krieges gezeichnet und schaffte es historisch, die Einflüsse aus Bayern, Österreich, Italien und den ex-jugoslawischen Nachbarn tolerant zu integrieren.

Mitteleuropäische Post-Jugoslawen
Die Selbstdefinition der Slowenen als Mitteleuropäer kommt nicht von ungefähr: Sie schließen sich in diesem Punkt den intellektuellen Vordenkern in Polen, Tschechien und Ungarn an, die die rund 600 Jahre unter Habsburger Herrschaft ebenfalls nicht in Bausch und Bogen verdammen. Aus der Entfernung sieht man die Regentschaft der Wiener Kaiser in einem etwas milderen Licht, schließlich hat man die realsozialistische jüngere Vergangenheit noch deutlicher vor Augen. Und schließlich kann man das k.-u.-k.-Imperium mit viel gutem Willen in ein Vorläufer-Modell der Europäischen Union umdeuten.

Vor allem aber meint man zwischen Prag, Budapest und Ljubiljana, dass die Zugehörigkeit zum Club der Mitteleuropäer gleichzeitig eine Distanz zu den vermeintlich vom Westen besonders kritisch beäugten ost- und südosteuropäischen Staaten vermittelt – eine Perspektive, die von den Havels und Konrads etwas überschätzt wird, zumal sich in Westeuropa kaum jemand für solch feinsinnige Differenzierungen interessiert.

Halbe Schweiz mit Meer
Tolmin: ein Ort an der Grenze zu Italien.
Mit 20 000 Quadratkilometern ist Slowenien zwar nur halb so groß wie die brave Schweiz, besitzt aber im Gegensatz zu den Eidgenossen nicht nur zauberhafte Seen, sondern auch einen Zugang zum Meer. Überhaupt präsentiert sich der Alpenzwerg landschaftlich und kulturell als äußerst facettenreich: im Norden majestätische Gipfel in den Hochgebirgszügen der Karawanken und Alpen, weinreiches Hügelland im Süden bis hinüber zu den fruchtbaren Ebenen Pannoniens im Osten, und schließlich der kleine, aber feine Adria-Küstenstreifen zwischen Triest und der Dragonjamündung im Westen. Und natürlich spiegelt sich diese Vielfalt auch in einem multikulturellen kulinarischen Angebot wider: Österreichische Mehlspeisen stehen ebenso auf dem Speisezettel wie ungarisches Gulasch und italienische Pasta.

Sloweniens Touristenmanager haben sich für diese sympathische Bandbreite viele Markenzeichen einfallen lassen: „Europa in Miniatur“ ist zu lesen, „Die Sonnenseite der Alpen“, „Das grüne Herz Europas“ – wie solche Slogans nun mal sind, nicht immer treffen sie den Nagel auf den Kopf, aber sie machen das Sortieren leichter. Und ganz falsch liegen diese Marketing-Klischees ja auch wieder nicht, schließlich tragen mediterrane Luftströmungen warme Meeresluft bis hoch zum Fuß der Alpen. Mehr als die Hälfte der Landesfläche ist vom dichten Grün der Wälder bedeckt, so dass sich auch Titelverteidiger Irland nicht über einen Etikettenschwindel beklagen kann.

Habsburger Grandesse in Ljubiljana

Laut pocht Sloweniens Herz in der Hauptstadt Ljubljana (Laibach), über der die mächtige Burg als Wahrzeichen thront. Habsburger Grandesse prägt die größte Stadt des Landes (280 000 EW) am Fluss Ljubljanica, über die sich drei sehenswerte historische Brücken spannen. Barock- und Jugendstilfassaden dominieren das Stadtbild, dazwischen einige Farbtupfer mit der Philharmonie im Zuckerbäckerstil und wienerische Kaffeehäuser wie das Kavarna (Kaffeehaus) im Grand Hotel Union, wo alle Varianten des schwarzen Getränks zusammen mit Sacher-Torte oder Kremsnita, der Cremeschnitte, kredenzt werden. Im Sommer findet das öffentliche Leben in der hübsch herausgeputzten Altstadt entlang der Ljubljanica statt.

Südländisches Temperament belebt die Bars, Cafés und Restaurants bis weit nach Mitternacht. Und stolz ist man nachwievor auf kleine Eigenheiten, mit denen die Jugos in der Nachkriegszeit sogar den großen Amerikanern Konkurrenz machen wollten: Wer Sympathiepunkte bei den Einheimischen sammeln möchte, bestellt sich deshalb eine Cockta, die 1953 als Coca-Cola-Remedium erfundene Coffeinlimonade. Ohne politische Hintergedanken kann man in den vielen Weinstuben der Stadt zu den ausgezeichneten einheimischen Sorten greifen, die keinen Vergleich mit der italienischen oder österreichischen Konkurrenz scheuen müssen.

Das bisschen Küste

Blick auf den Tartiniplatz in Piran.
Gleich hinter den Karsthügeln der Hauptstadt beginnt das slowenische Küstenland, dessen italienische Geschichte nicht nur durch die kleine, pasta-verehrende Minderheit lebendig blieb. Der umstrittene Grenzverlauf nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1954 festgezurrt, mit dem Ergebnis, dass die stolze Hafenstadt Triest den östlichsten Punkt der Stiefelkrempe ziert. Heute sind das Triester Hinterland und der Nordzipfel der Halbinsel Istrien slowenisch, der Rest aber kroatisch. Weil sich mit dieser Lösung wiederum die Kroaten noch nicht abgefunden haben, blockierten slowenische Politiker lange Zeit die EU-Beitrittsverhandlungen des südlichen Nachbarn.

Aller Voraussicht nach aber wird sich am bescheidenen slowenischen Anteil von rund 40 Kilometern Adriaküste und den paar Stränden auch nach dem Beitritt der Kroaten nicht mehr viel ändern. Klein, aber fein, wie alles in Slowenien, ist deshalb auch die Küste mit dem komplett denkmalgeschützten Ort Piran auf seiner schmalen Landzunge, Izola mit dem venezianischen Campanile oder Koper mit den schönen Palazzi aus der Zeit, als dieses muntere Hafentrio bis ins 18. Jahrhundert Teil der Republik Venedig war.

Wo die Oberkrainer dudeln
Würde man einen Slowenien-unerfahrenen Wald- und Wiesen-Touristen nun aber im Norden des Landes, in den Karawanken oder den Julischen Alpen aussetzen, irgendwo in der Nähe des mit 2864 Metern höchsten Gipfels des Landes, des Triglav, und ließe ihn raten, wo er sich wohl befinde – jede Wette, er würde auf Austria tippen. Rauschende Wälder, saftige Almen, ordentlich beschilderte Wanderwege, bunt beblumte Bergdörfer mit einem barocke Kirchlein in der Mitte, bitteschön, da kann doch die zünftige Blasmusik auf dem Dorfplatz nur zum Tiroler Fackeltanz aufspielen.

Weit gefehlt, hier regieren seit 1955 die „Original Oberkrainer“ aus einem grenznahen Bergdorf der Oberkrain. Das alte Kurbad Bled ist Mittelpunkt dieser verschunkelten Region mit der oft fotografierten Bilderbuch-Kulisse: Alpenpanorama als Fototapete, davor der Bleder See, auf dem eine kleine Insel mit der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt sanft schaukelt. In der „Villa Bled“ residierte der Partisanenheld und spätere Staatschef Tito, wo zuvor jugoslawische Könige ihr gekröntes Haupt gebettet hatten.


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