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Die 68er - zwischen freier Liebe und linker Revolte

Deutschland
18.12.2017
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Das legendäre Jahr 1968 - Zeit des Umbruchs und Höhepunkt der Studentenbewegung. Über Sinn und Folgen der Proteste lässt sich noch heute trefflich streiten. Worum ging es? Und was bleibt 50 Jahre danach?

Berlin (dpa) - Mythos 1968: In Memphis (Tennessee) wird der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King ermordet, am Broadway feiert das Musical «Hair» Premiere. Die Beatles bringen ihr legendäres Weißes Album heraus - und Rudi Dutschke, Star der Außerparlamentarischen Opposition, überlebt in Berlin ein Attentat nur knapp. Rückblende:

Was ist der Ursprung der Protestbewegung?

Ihren Anfang nimmt sie in den USA. Studenten gehen gegen den Vietnamkrieg und für die Rechte der schwarzen Bevölkerung auf die Straße. Von dort schwappen die Proteste nach Europa über: In Paris revoltieren die Studenten, ein Generalstreik legt ganz Frankreich lahm. Und auch hierzulande wächst aus der Forderung nach besseren Studienbedingungen eine Revolte gegen das bürgerliche Wertesystem. Zum Motor wird der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS).

Worum geht es konkret?

Die Jungen stellen das traditionelle Familienbild in Frage, erproben alternative Formen des Zusammenlebens wie etwa Wohngemeinschaften. 1967 bildet sich in West-Berlin die «Kommune 1» mit prominenten Köpfen wie Fritz Teufel, Rainer Langhans oder Uschi Obermaier. Provokante Forderungen nach antiautoritärer Erziehung und sexueller Revolution erschüttern die kleinbürgerliche Moral. Im Fokus steht die Kritik am gesellschaftlichen System. Zentrale Ziele: Antifaschismus, Antikapitalismus und Antiimperialismus.

Warum misstrauen die 68er der gesellschaftlichen Ordnung?

Das Ende des Nazi-Regimes liegt damals erst gut zwei Jahrzehnte zurück. In der älteren Generation haben viele ihre Nazi-Vergangenheit verdrängt und sich im Wirtschaftswunderland neu eingerichtet. Gespräche über Sex sind tabu, Homosexualität steht noch unter Strafe, die Rollen von Mann und Frau sind klar verteilt. In der damaligen Bundeshauptstadt Bonn regiert eine große Koalition unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU), der wegen seiner früheren NSDAP-Mitgliedschaft in der Kritik steht. Aus Sicht der jungen Generation ist die Gesellschaft verklemmt, verkrustet und reaktionär.

Welche Vordenker spielen die größte Rolle?

Ausgangspunkt für die massive Kritik an der Gesellschaft sind die revolutionären Ideen von Karl Marx. Zu den geistigen Vätern der Protestbewegung zählen auch Sozialwissenschaftler und Philosophen wie Max Horkheimer, Herbert Marcuse oder Theodor W. Adorno mit ihrer Kritik an der kapitalistischen Überflussgesellschaft. Als revolutionäre Vorkämpfer verehren die Studenten Rosa Luxemburg, Ernesto Che Guevara oder Mao Tsetung.

Im Frühjahr 1968 eskaliert die Situation. Warum?

Aufgeheizt war die Stimmung schon seit dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der im Juni 1967 bei Protesten gegen den Schah-Besuch in Berlin von einem Polizisten erschossen wurde. Am 11. April 1968 streckt ein junger Arbeiter den Studentenführer Rudi Dutschke mit drei Schüssen nieder. Es folgen die bis dahin schwersten Krawalle in der Geschichte der Bundesrepublik: mit Brandanschlägen auf diverse Kaufhäuser - für die Studenten Symbole des verhassten Konsumstrebens - und den Springer-Verlag. Ihm werfen sie antikommunistische Hetze vor.

Was bedeutete das Jahr 1968 für das Leben in der DDR?

Auch die Menschen im Osten des geteilten Landes wollten politische Reformen und setzten auf den in der Tschechoslowakei proklamierten «Sozialismus mit menschlichem Antlitz». Doch der Prager Frühling fand im August mit dem Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts ein jähes Ende. Anders als im Westen blieb die Revolte in der DDR damals noch aus. «Die Westachtundsechziger träumten von der Revolution und haben eine gesellschaftliche Reform bewirkt. Die Ostachtundsechziger dagegen wollten den Sozialismus reformieren und haben damit später eine Revolution ausgelöst», schreibt der Historiker Stefan Wolle.

Und aus heutiger Sicht? Haben die Proteste im Westen etwas bewirkt?

Absolut, sagen die einen. Der Bruch mit den traditionellen Werten und Autoritäten habe ein neues Lebensgefühl geschaffen. Die Ideen der 68er-Generation hätten einen tiefgreifenden Wertewandel in der Bundesrepublik bewirkt: Mitbestimmung und Bürgerinitiativen, sexuelle Aufklärung, Emanzipation, moderne Pädagogik und die veränderten Geschlechterrollen unserer Tage seien ohne sie nicht denkbar. Andere machen die 68er für das Ende der bürgerlichen Familie, Kindermangel und Werteverfall verantwortlich. Klar ist aber wohl in jedem Fall: Die Revolte hat Deutschland liberaler und demokratischer gemacht.

 

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