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Das irische Jein zur EU-Verfassung

Irland
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Das europäische Projekt braucht mehr Erklärer als Verklärer
Kleines Irland ganz groß. Als im Juni 2008 etwa 45 Prozent der wahlberechtigten drei Millionen Iren ihre Stimme abgegeben hatten, erschütterte das „No“ der 55 Prozent starken Skeptiker-Fraktion den pro-europäischen Kontinent. „Stoppt der irische David den EU-Goliath?“, fragte die europäische Yellow Press hämisch. Eine Wirtschaftskrise und ein Referendum später wissen wir: Es war eine Momentaufnahme, und die Iren wissen sehr wohl abzuwägen, was ihnen die Mitgliedschaft im exklusiven europäischen Klub für Vorteile beschert hatte. Dennoch, das Ergebnis kann nicht einfach als Betriebsunfall abgehakt werden, die Motive liegen tiefer.
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Nach den Fehlschlägen bei der Ratifizierung der Europäischen Verfassung – auch Frankreich und die Niederlande hatten dem Vertragsentwurf eine Abfuhr erteilt – waren die großen Staatslenker kleinmütig geworden. Nur wenige Regierungen trauten ihren Völkern so viel Europa-Enthusiasmus zu, dass sie den – ohnehin eingedampften – Entwurf zur Abstimmung vorlegen wollten. Und das irische „No“ schien ihre Skepsis zu bestätigen. In Wirklichkeit aber legte die ablehnende Haltung der grundsätzlich proeuropäischen Iren den Finger in die Wunde: In Dublin hat man keineswegs vergessen, dass der erfolgreiche Strukturwandel ohne die Integration in europäische Strukturen nicht möglich gewesen wäre. Nur machte das Inselvolk stellvertretend für eine wachsende Mehrheit in ganz Europa deutlich: EU-Politik kann nicht am grünen Tisch geplant, sie muss erklärt, diskutiert und zur Abstimmung gestellt werden.

Ohrfeige fürs Informationsdesaster

Das irische „Nein“ war weniger eine Ohrfeige für die europäische Idee als vielmehr für das Informationsdesaster auf allen Ebenen: Europäische Politik wird weder in Brüssel und Straßburg, noch in den Hauptstädten der Mitgliedsstaaten geschweige denn vor Ort, wo die Menschen leben, vermittelt – höchste Zeit, diese Sprachlosigkeit zu überwinden. Europa braucht Vertreter, die den unschätzbaren Wert dieser Völkergemeinschaft verständlich und begeistert gegen alle Unkenrufe verteidigen. Vertreter, die aber auch die Kritik der Menschen an fehlender Transparenz und überbordender Bürokratie ernst nehmen und Missstände bekämpfen.

Der Prozess, der 2010 endlich in den modifizierten Vertragsentwurf mündete, hatte 2001 begonnen, wurde unter der Regie der irischen Präsidentschaft 2004 in einen Verfassungsentwurf gegossen, dann von Franzosen und Holländern beschossen, von Angela Merkel anschließend wiederbelebt – ehe die Abstimmungsniederlage in Dublin das Projekt fast zum Scheitern gebracht hätte. Das offizielle Brüssel schmollte. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner sagte, was viele dachten: „Sie haben mehr profitiert als andere. Es wäre sehr störend, wenn wir uns nicht auf die Iren verlassen könnten, die sich stark auf Europas Geld verlassen haben.“

Milliardensubventionen für den keltischen Tiger

Tatsächlich hatte der „keltische Tiger“ seit 1973 Milliardensubventionen aus Brüssel erhalten und konnte sich so von der Abhängigkeit des übermächtigen Nachbarn Großbritannien befreien. Und bei den Meinungsumfragen zeigten sich die Iren auch weiterhin als überzeugte Europäer. Die Gegner befürchteten jedoch, dass der hier begonnene Prozess schleichend in eine Entmachtung der Nationalstaaten münden würde, die auf keinem demokratischen Fundament stünde. Der Vertrag von Lissabon verwässere außerdem die Rechte kleinerer EU-Mitglieder und sei deshalb schlecht für die grüne Insel. Zudem befürchteten viele Unternehmer, aber auch Arbeitnehmer den möglichen Verlust der Steuerhoheit, zumal der Boom der vergangenen Jahre nicht zuletzt auf Steuervorteilen für US-Investoren beruhte.

Die Strategie der europäischen Eliten scheint erfolgreich gewesen zu sein. Großbritanniens Premier Gordon Brown und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten unbeirrt darauf beharrt, die Ratifizierung des Lissaboner Vertrages solle „weitergehen wie bisher“. Das Ergebnis, die Ratifizierung des Vertrags von Lissabons mit einigen Abstrichen, scheint ihnen Recht zu geben. Und schließlich kann man den Akteuren auch nicht verübeln, dass sie sich einen derart mühsamen Einigungsprozess ungern auf der Ziellinie abschießen lassen wollten. Dennoch droht dieses Vorgehen mittelfristig den Graben zwischen Politik und Wähler weiter zu vertiefen.

Brett vorm Kopf
Eine EU, die weltweit die Errungenschaften von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie predigt, verliert ihren moralischen Anspruch bei der Begleitung des Demokratisierungsprozesses von Beitrittskandidaten wie der Türkei, wenn die EU immer dann, wenn es gerade nicht ins Konzept passt, den Wählerwillen ignoriert. Politik bedeutet das Bohren dicker Bretter, lautet der vielbeschworene Leitsatz des Erfinders der Soziologie, Max Weber. Weber wusste, wie Gesellschaften ticken. Sarkozy hat bereits die erste Quittung für seine Neigung, Politik durchzusetzen, anstatt sie groß zu erklären, bei den Regionalwahlen erhalten. Gordon Brown steht das ultimative „No“ zu seiner Regierungspolitik bei den Parlamentswahlen bevor.

Geschichtstabelle
6000 v.Chr.: Jäger und Fischer aus dem Mittelmeerraum besiedeln die Inseln.

400 v.Chr.:
Kelten vorwiegend von der iberischen Halbinsel bevölkern Irland und gründen kleine Königreiche.

200-500: Der zunehmende Handel mit den Römern in Britannien bringt die Kelten in Kontakt mit dem Christentum. Die Christianisierung erfolgt schrittweise, intensiviert ab Anfang des 5. Jahrhunderts durch britische Sklaven, zu denen auch der Nationalheilige Patrick von Irland zählt

8. Jahrhundert:
Das Land ist weitgehend christianisiert, kirchliche und staatliche Führer sind gleichgestellt.

9. Jahrhundert:
Wikinger überfallen die reichen irischen Klöster und gründen befestigte Stützpunkte an der Küste. Kriege zwischen den keltischen Stämmen erschweren die Verteidigung.

10.-11. Jahrhundert:
Abwehrschlacht der keltischen Iren gegen die Wikinger. Ende des 10. Jahrhunderts für neun kurze Jahre geeintes Irland unter Hochkönig Brian Boru, der 1005 umstrittener Herrscher Irlands wird und 1014 die Wikinger von Dublin in der Schlacht von Clontarf besiegt. Irische Missionare sind in ganz Westeuropa aktiv. Da Irland auf lateinisch „Scotia Maior“ heißt, nennt man die missionierenden Mönche auch „Schotten“ – zu den Klostergründungen der „Iro-Schotten“ gehört u.a. die romanische Schottenkirche in Regensburg.

12. Jahrhundert:
Nach 150 verhältnismäßig friedlichen Jahren und einer kurzen kulturellen Blüte , in der wichtige Werke der Literatur sowie Bauwerke im romanischen und gotischen Stil entstehen, lösen erneute innerirische Konflikte eine Invasion der Anglo-Normannen unter Heinrich II. im Jahre 1169 aus. 1171 erklärt sich dieser zum König, seine Vasallen errichten Burgen im Osten der Insel, der Westen bleibt noch für einige Zeit in irischer Hand.

13. Jahrhundert:
Konsolidierung der normannischen Vorherrschaft und erste zentrale Verwaltung Irlands unter König Johann Ohneland (John Lackland, 1199–1216) sowie Gründung vieler Städte. Die bedeutendsten Kathedralen Irlands stammen aus dieser Zeit. 1297 wird das erste irische Parlament eingerichtet.

14. Jahrhundert: Erhebungen gegen die englische Oberhoheit vor allem in Connacht. Während des Hundertjährigen Kriegs vernachlässigt das Königreich England die Durchsetzung seiner Herrschaft in Irland. Erst mit der Beilegung innerenglischer Konflikte durch das Haus Tudor konzentriert sich England wieder stärker auf seine Interessen auf der grünen Insel.

15. Jahrhundert:
König Heinrichs VII. Poyning"s Law von 1494 schafft das Vetorecht des englischen Königs für Beschlüsse des irischen Parlaments. Nach wie vor herrscht England faktisch nur nur über den Pale, den östlichen Küstenstreifen Irlands.

16. Jahrhundert: Heinrich VIII. zwingt ganz Irland 1534 nach der Schlacht von Maynooth unter die englische Knute. Eine englische Einwanderungswelle erweckt Ende des Jahrhunderts den irischen Widerstandsgeist. Zwei Rebellionen der irischen Guerilla werden mit Mühe blutig niedergeschlagen. Unter Hugh O’Neill, der eine Armee von 10.000 Mann zusammenstellt, greift der Aufstand der katholischen Iren in Ulster schnell auf ganz Irland über. Das englische Heer wird bei der Schlacht von Clontibret überraschend vernichtend geschlagen. 1598 wiederholt sich die Geschichte am Yellow Ford.

17. Jahrhundert:
Lord Mountjoy, von Königin Elisabeth I. 1600 als neuer Lord Deputy in Irland eingesetzt, vernichtet die Ernte im Norden Irlands und beschlagnahmt die Viehherden, um die Aufständischen auszuhungern. Unterstützung erhält O’Neill am 21. September 1601 vom großen englischen Konkurrenten auf den Weltmeeren: 3500 spanische Soldaten gehen in Kinsale an Land, werden aber von englischen Truppen unter Mountjoy belagert. Ein Befreiungsversuch O’Neills scheitert, die spanische Garnison kapituliert. Nach einem für die Iren unvorteilhaften Waffenstillstand befindet sich das Land wieder unter englischer Kontrolle. Die anschließende Flucht des irischen Adels – darunter O"Neill – 1607 geht als „Flight of the Earls“ (Grafenflucht) in die Geschichte ein. Zahlreiche irische Grundbesitzer werden enteignet.

Elisabeths Nachfolger James I. siedelt ab 1609 im Zuge der „Ulster Plantation“ anglikanische Engländer und presbyterianische Schotten in Ulster an, das sich so zum Nukleus englischer Macht in Irland entwickelt. Der wirtschaftliche Aufschwung zu Beginn des 17. Jahrhunderts hat ein starkes Bevölkerungswachstum zur Folge. Die Engländer erbauen unter James I. Forts und Zitadellen in Cork und Kinsale. Die nordirische Stadt Derry wird 1613 der englischen Hauptstadt London unterstellt. Die englischen Neusiedler nennen die Stadt in Londonderry um, die katholischen Iren bezeichnen sie bis heute als Derry.

1641: Charles I. betreibt zunächst eine Annäherung an die katholische Kirche und setzt mit der Ernennung des katholikenfreundlichen Thomas Wentworth zum Lord Deputy von Irland ein Zeichen. Radikale Puritaner im englischen Parlament fordern jedoch eine von katholischen Elementen freie Religion und setzen schließlich die Hinrichtung Wenthworth‘ durch. Aus Furcht vor Repressalien durch die puritanischen Parlamentarier erheben sich im November 1641 in Ulster die gälischstämmigen Iren und ermorden mehrere Tausend englischer Siedler. Der Aufstand breitet sich rasch aus. König Charles I. löst durch die Verhaftung mehrerer gegen ihn opponierender Parlamentarier im Januar 1642 den Ausbruch des Englischen Bürgerkriegs aus. Die Iren ergreifen in Würdigung der ausgleichenden Politik des Königs Partei für die Royalisten.

Die Verbrüderung gälischer Iren, „Alt-Engländer“ und royalistischer englischer Siedler führt 1642 zur Confederation of Kilkenny. Ziel ist die Gründung eines katholischen, königstreuen Irlands, dem sich die in Irland angesiedelten, presbyterianischen Schotten 1648 anschließen. Zunächst gelingt diesen die Eroberung eines großen Teils der irischen Insel, während Ulster und Dublin in den Händen parlamentstreuer Engländer bleiben. Als sich in England die puritanischen Parlamentarier durchsetzen, Charles I. im Januar 1649 hinrichten und die Englische Republik gründen, ist der Weg frei für den radikalpuritanischen Abgeordneten Oliver Cromwell. Er führt im August 1649 eine Strafexpedition gegen das aufständische Irland durch, stürmt am 11. September die Stadt Drogheda, lässt den größten Teil der Bevölkerung abschlachten, den Rest deportieren und die Stadt zerstören. Nach diesem Motto verfährt Cromwell auch mit anderen irischen Hochburgen des Widerstands. Nach seiner Abreise nach Schottland, beenden seine Truppen bis 1652 den irischen Aufstand.

Cromwells Vernichtungspolitik verwüstet weite Teile Irlands. Aufständische werden als Sklaven in die Karibik verschifft, die meisten gälischstämmigen Grundbesitzer enteignet. Die eigenen Soldaten bekommen Grundstücke in Irland, so dass sich mehrere Zehntausend Angehörige der New Model Army, überzeugte Puritaner, vor allem in Ulster niederlassen. Die enteigneten Iren fristen ihr Leben oft als Outlaws – auf Anordnung Cromwells allerdings vor allem westlich des Flusses Shannon in Connacht. „To Hell or to Connacht“ lautet der Schlachtruf der englischen Puritaner.

Gegen die puritanische Militärdiktatur Oliver Cromwells regt sich rasch Widerstand. Ab 1660 betreibt das Haus Stuart die Wiederherstellung der Monarchie. König Charles II. sympathisiert mit dem katholischen Glauben, was aber den Iren wenig nutzen sollte. Er untersagt Irland den Handel mit den englischen Kolonien, Wolle darf nur noch nach England exportiert werden. Die irische Wirtschaft bricht fast zusammen. Charles’ Bruder und Nachfolger James II. bekennt sich offen zum Katholizismus, was die Glorious Revolution von 1688 auslöst. James II. wird von seinem protestantischen Schwiegersohn Wilhelm von Oranien abgelöst und flieht nach Frankreich. Sein Versuch, mit Unterstützung der irischen Katholiken wieder auf den englischen Thron zu gelangen scheitert. Wilhelm III. setzt sich am Boyne-Fluss 1690 gegen die „Jakobiten“ durch. James kehrt geschlagen nach Frankreich zurück, wo er wenige Jahre später stirbt. Wilhelm III. erlässt zur Bestrafung der James-Anhänger 1695 mehrere Gesetze, die zu einer Entrechtung der katholischen Iren führen. Irischer Grundbesitz befindet sich jetzt zu gut drei Vierteln in den Händen protestantischer Engländer, Schotten und katholischer „Alt-Engländer“.

18. Jahrhundert: 1798 brechen erneut große Aufstände in Irland aus, angeführt von Organisationen wie der Society of United Irishmen mit Lord Eduard Fitzgerald und Wolfe Tone an deren Spitze Die irischen Bauern suchen aufgrund ihrer wirtschaftlichen Notlage die direkte Konfrontation. Die adeligen Revolutionäre um Wolfe Tone suchten strategische Partner und überreden Napoleon I. zur Unterstützung gegen die Briten in Irland. Erfolg haben beide Gruppen nicht: Napoleons 2000 Mann starke Truppe wird ebenso vernichtend geschlagen wie die Bauern. Die Anführer des Widerstands werden zum Tode verurteilt oder verhaftet.

1801:
Irland wird 1801 durch den Act of Union dem Königreich Großbritannien angeschlossen, das jetzt Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland heißt.

19. Jahrhundert: Zwischen 1846 und 1849 führen Kartoffel-Missernten zur „Großen Hungersnot“ (Great Famine). Hunger und eine Auswanderungswelle dezimieren die irische Bevölkerung von 8,5 Millionen auf etwa 6 Millionen Einwohner. Die weitgehende Untätigkeit der britischen Regierung lässt die irische Unabhängigkeitsbewegung erstarken. Daniel O"Connell, 1828 als erster Katholik seit Beginn der Katholikenemanzipation ins Parlament des Vereinigten Königreichs gewählt, organisiert Proteste, die sich zu Aufständen auswachsen. Die britische Regierung lässt die Demonstranten bei Clontarf 1843 mit Truppen und Artillerie niederschlagen.

Weitere Unabhängigkeitsbewegungen entstehen. Die so genannten Fenier publizieren ihre Forderungen nach politischer Unabhängigkeit in ihrem Zentralorgan „The Irish People“. 1870 gründet Rechtsanwalt Isaac Butt die „Home Government Association“ oder „Home Rule League“, die ebenfalls einen irischen Staat anstrebt und mit bis zu 60 Abgeordneten im Parlament politischen Einfluss besitzt.

1914-1918:
Im Mai reagiert das britische Unterhaus auf den zunehmenden politischen Druck und verabschiedet die „Home Rule Bill“, mit der Irland trotz der Proteste aus der nordirischen Region Ulster eine Verfassung und Selbstverwaltung zugestanden werden. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert jedoch die vollständige Umsetzung des Gesetzes. Der gescheiterte Osteraufstand 1916 löst einen Guerillakrieg in Irland aus, den Patrick Pearse, Michael Collins, Roger Casement und Éamon de Valera anführen. Sinn Féin wird zum Sammelbecken der Unabhängigkeitsbewegung und gewinnt 1918 bei den Unterhauswahlen 80 Prozent der irischen Mandate. Mit ihren Abgeordneten bildet Sinn Féin den First Dáil, das erste irische Parlament seit 1801. Éamon de Valera wird zum Präsidenten der Republik Irland gewählt. Die Iren beginnen mit dem Aufbau einer parallelen Regierungs- und Verwaltungsstruktur.

1919-1921:
Noch einmal versucht England die entgleitende Kontrolle über das Land zurückzuerobern. Die britische Regierung erklärt den Dáil für illegal. Der Anglo-Irische Krieg (1919–1921) führt allerdings aus englischer Sicht „nur“ zum Anglo-Irischen Vertrag von 1921, der für 26 der 32 Irischen Countys die Unabhängigkeit festschreibt. Der Irische Freistaat (Irish Free-State) setzt sich aus den Provinzen Munster, Leinster, und Connaught sowie drei der neun Countys von Ulster zusammen. Die sechs nördlichen Countys von Ulster verbleiben Teil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirlands.

1922-1937: Der Vertrag bringt keinen Frieden für Irland. Eine starke Minderheit im Dáil um Präsident Éamon de Valera erkennen ihn nicht an. Eine knappe Mehrheit (64 zu 57 Stimmen) stimmt für den Vertrag und wählt Arthur Griffith zum Präsidenten, was den irischen Bürgerkrieg auslöst. De Valera steht an der Spitze des vertragsablehnenden Teils der IRA gegen die neue, reguläre irische Armee der von Griffith und Collins geführten Regierung. Nach dem Tod der zwei wichtigsten Vertragsbefürworter – Griffith stirbt im August 1922, Collins wird zehn Tage später in einem Hinterhalt erschossen – übernimmt William Thomas Cosgrave bis 1932 die Führung der Regierung. Im Mai 1923 ergeben sich die republikanischen Kräfte. 1926 verlassen Éamon de Valera und seine Anhänger die Sinn Féin und gründen die neue Partei Fianna Fáil (Soldaten des Schicksals), die 1932 stärkste Kraft im irischen Parlament wird: Valera wird zum irischen Premierminister (irisch Taoiseach) gewählt. Nach der Annahme einer neuen irischen Verfassung ("Bunreacht na hÉireann") in einem Referendum kommt es unter der Regierung de Valera zur Bildung des Staates Irland.

1939-1945: Im Zweiten Weltkrieg entschließt sich Irland zu einer neutralen Haltung. Eine Art „Notstandsregelung“, The Emergency, ermöglichte der Regierung im nationalen Interesse Internierungen, eine Presse- und Postzensur und Kontrollen der Wirtschaftsbeziehungen und innerstaatlichen Wirtschaft. Die Haltung zu den Kriegsparteien ist ambivalent. Zwar verbleiben die Botschafter Deutschlands und Japans bis 1945 im Land, andererseits gibt es eine geheimdienstliche und militärische Kooperation mit Großbritannien und den USA. Rund 70.000 irische Soldaten unterstützen freiwillig die Westalliierten. Der deutsche Invasionsplan „Fall Grün“ wird bis zum 30. Mai 1941 verschoben, als die deutsche Luftwaffe Dublin bombardiert. Im nahezu unverteidigten Belfast, Nordirland, sterben am Osterdienstag etwa 1000 Menschen bei Bombenangriffen. Irische Seeleute der Handelsmarine verlieren bis 1945 durch zahlreiche U-Boot-Attacken ihr Leben. Wenig großzügig zeigt sich die irische Regierung gegenüber jüdischen Flüchtlingen.

1948: Das wirtschaftlich als rückständig geltende Irland tritt aus dem Commonwealth aus.

1973: Die Republik tritt der Europäischen Gemeinschaft bei. Strukturförderungen aus Brüssel lösen nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung aus. Irland schmückt sich seitdem mit dem Beinamen „Keltischer Tiger“.

1985-1994:
Ein Vertrag von 1985 zwischen Großbritannien und Irland gesteht den Iren ein Mitspracherecht in Nordirland zu. Die IRA-nahe Partei Sinn Féin ruft 1994 einen einseitigen Waffenstillstand aus. Erste Friedensgespräche kommen in Gang. Mary Robinson, Präsidentin Irlands, wird 1997 Menschenrechts-Kommissarin der Vereinten Nationen.

1998:
Das Karfreitagsabkommen vom 10. April zwischen den Regierungen Irlands, Großbritanniens und den nordirischen Parteien hebt den Verfassungsanspruch Irlands auf Nordirland auf. Der folgenden Verfassungsänderung stimmen in einem Referendum 94 Prozent der Wähler zu.

2002-2004:
Der Euro wird 2002 offizielle Landeswährung. Der irische Premierminister Bertie Ahern bringt zwischen Januar und Juni 2004 als Ratsvorsitzender der Europäischen Union die Verhandlungen zur neuen Europäischen Verfassung erfolgreich zum Abschluss. Die EU wächst unter seiner Ägide auf 25 Mitglieder an.

2007-2010: Ausgerechnet am pro-europäischen Irland, das von der EU-Mitgliedschaft wirtschaftlich unbestritten profitiert hatte, droht die Europäische Verfassung zu scheitern. Beim ersten Referendum 2008, dem eine hitzige Debatte voranging und welcher die Regierung nur wenig entgegenzusetzen hatte, gewannen Euroskeptiker die Oberhand. Die Stimmung ändert sich allerdings grundlegend während der Finanzkrise, von der die Iren besonders hart getroffen werden, da wie in England auch das vorangegangene Wachstum stark auf Spekulationsblasen der Immobilienbranche beruhte: Die laxe Regulierung des Finanzsektors hatte viele ausländische Banken angezogen. Die Summe der ausstehenden Kredite, Derivate und Hypothekendarlehen irischer Banken übersteigt 2009 das Bruttoinlandsprodukt um nahezu das Vierfache. Im zweiten Anlauf am 2. Oktober 2009 votiert eine Mehrheit der Iren für den Vertrag von Lissabon – der Weg für eine Europäische Verfassung ist frei.

Noch ehe das Thema Deutschland überrollen sollte, erschüttert 2009 die Aufdeckung mehrerer Missbrauchsskandale durch den Ryan- und den Murphy-Bericht die mächtige römisch-katholische Kirche in Irland. Im Zuge des Missbrauchsskandals treten 2010 einige Bischofe zurück, zuletzt akzeptiert Papst Benedikt XVI. die Amtsniederlegung des Bischofs von Cloyne, Monsignore John Magee. „ Ich bitte alle, die ich in irgendeiner Weise verletzt haben sollte oder die gelitten haben durch meine Nachlässigkeit um Verzeihung und Vergebung“, erklärt der Bischof. Magee, seit 1987 Bischof von Cloyne im Süden Irlands, hatte bereits vor rund einem Jahr seinen Rücktritt angeboten, nachdem er von einem «Nationalen Komitee zum Kinderschutz» schwer belastet worden war. Nach Medienberichten wird ihm unter anderem vorgeworfen, er habe gegen mehrere Priester, denen sexueller Missbrauch von Minderjährigen nachgewiesen werden konnte, bewusst keine kirchlichen Sanktionen verhängt.


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