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Das Grauen hat Namen

Belgien, Brüssel
23.03.2016
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Alle Selbstmordattentäter von Brüssel identifiziert
Nun ist klar, wer sich in Brüssel in Luft gesprengt hat. Die drei Belgier sollen alle Verbindungen zu den Pariser Terroristen gehabt haben. Unter höchster Warnstufe laufen die Ermittlungen aber weiter. Gibt es eine Verbindung nach Deutschland?
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Brüssel/Berlin (dpa) - Nach den Terroranschlägen in Brüssel mit mindestens 31 Toten sind die drei Selbstmordattentäter identifiziert. Alle sind in Belgien geboren und hatten Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris. Es handelt sich um die Brüder Ibrahim (29) und Khalid (27) El Bakraoui und Medienberichten zufolge um den 24-jährigen Najim Laachraoui. Noch gefahndet wird nach einem Komplizen, der vom Flughafen geflüchtet sein soll. Die Türkei will Belgien im Sommer offiziell vor einem der drei gewarnt haben, doch hätten die Behörden den Mann freigelassen.
In der Mitte: Ibrahim El Bakraoui am Brüsseler Flughafen Zaventem am 22. März 2016. Einer der beiden anderen dürfte Laachraoui sein. Dies wurde von den belgischen Behörden aber zunächst nicbht bestätigt. Der Dritte aber entkam und ist bislang unbekannt. Das Trio war gemeinsam per Taxi zum Airport gekommen.

Laut Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw waren die Brüder El Bakraoui belgische Staatsbürger und wegen verschiedener nicht terroristischer Taten polizeibekannt. Der Ältere, Ibrahim, sprengte sich auf dem Flughafen Brüssel in die Luft, nach Berichten belgischer Medien ebenso wie Laachraoui, der im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesucht wurde. Der jüngere Bruder, Khalid, zündete seine Bombe in der Metro-Station Maelbeek.

Verletzt wurden nach jüngsten Angaben 300 Menschen, darunter auch mehrere Deutsche und rund ein Dutzend US-Bürger. Es ist zu befürchten, dass sich die Zahl von 31 Toten noch erhöht. Aus Sorge vor neuen Anschlägen blieb die höchste Terror-Warnstufe in Kraft. Der Flughafen Zaventem bleibt bis einschließlich Freitag weitgehend geschlossen.

Auf einem Foto einer Überwachungskamera im Flughafen wurde einer von drei abgebildeten Männern von der Staatsanwaltschaft als Ibrahim El Bakraoui identifiziert. Einer der beiden anderen dürfte Laachraoui sein. Dies wurde von den belgischen Behörden aber zunächst nicbht bestätigt. Der Dritte aber entkam und ist bislang unbekannt. Das Trio war gemeinsam per Taxi zum Airport gekommen.

Der 24-jährige Najim Laachraoui stammt aus dem Stadtteil Schaerbeek, wo am Dienstag ein mutmaßlicher Unterschlupf der Attentäter ausgehoben wurde. Der Dschihadist soll im Februar 2013 nach Syrien gereist sein. Anfang September 2015 geriet er - mit falscher Identität unter dem Namen Soufiane Kayal - zusammen mit Salah Abdeslam und Mohamed Belkaid in eine Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Abdeslam und Belkaid gelten als mutmaßliche Beteiligte der Pariser Anschläge, bei denen im November 130 Menschen getötet wurden.

Laachraouis DNA soll auch auf Sprengstoff gefunden worden sein, der bei den Anschlägen in Paris verwendet wurde. Er war erst vor kurzem identifiziert und zur Fahndung ausgeschrieben worden. Möglicherweise gibt es bei ihm auch eine Verbindung nach Deutschland. Wie Bayerns Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer sagte, hat inzwischen gefasste Abdeslam im September in Bayern übernachtet. Er sei damals mit zwei anderen Männern im Landkreis Kitzingen in einem Gasthof gewesen. Geprüft werde, ob einer der beiden Laachraoui gewesen sei.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte in Ankara, einer der Brüsseler Angreifer sei im Juni festgenommen und ausgewiesen worden. Die belgischen Behörden seien am 14. Juli informiert worden. Laut Medienberichten handelte es sich um den älteren Bruder Ibrahim, der aber von den belgischen Behörden freigelassen wurde.

Der belgische Justizminister Koen Geens wies den Vorwurf der Fahrlässigkeit zurück. El Bakraoui habe in Belgien keine terroristischen Straftaten begangen, sagte er dem Sender VRT. Seines Wissens sei El Bakraoui auch nicht nach Belgien, sondern in die Niederlande abgeschoben worden.

Nach dem Hinweis eines Taxifahrers wurde im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek ein Laptop mit Bakraouis Testament gefunden. In einer nahen Wohnung entdeckten Ermittler weitere 15 Kilogramm Sprengstoff und anderes Material zum Bau von Bomben. Dort fand sich auch eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die sich zu den Anschlägen bekannt hat.

Der jüngere der beiden nun identifizierten Brüder soll unter falschem Namen auch eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge von Paris genutzt wurde. Gleiches gilt für eine Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest, wo es bereits vor einer Woche bei einer Hausdurchsuchung zu einer Schießerei mit der Polizei kam. Ein mutmaßlicher Terrorist kam ums Leben, zwei Verdächtige flüchteten.

In Belgien gilt noch bis Karfreitag eine dreitägige Staatstrauer. Am Mittwoch gab es eine Schweigeminute in Brüssel und mehreren anderen Teilen des Landes. Aus Solidarität wurden Wahrzeichen vieler anderer Metropolen in den Nationalfarben Belgiens angeleuchtet. Dazu gehörten auch das Brandenburger Tor in Berlin und der Eiffelturm in Paris.

In ganz Europa herrscht seit den Anschlägen Terrorangst. Vielerorts wurden Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die US-Regierung warnte ihre Bürger angesichts der jüngsten Anschläge vor Gefahren bei Reisen nach Europa.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) geht davon aus, dass das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen England am Samstag in Berlin stattfinden kann. «Wir haben keine Hinweise auf eine Sicherheitsgefährdung, und wir wollen - wenn es irgendwie geht - unser freiheitliches Leben nicht durch den Terror beeinflussen lassen», sagte er dem «RTL Nachtjournal». Kurz nach den Anschlägen von Paris war ein Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande in Hannover kurzfristig abgesagt worden.

Nach dem Terror von Brüssel wollen die für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister an diesem Donnerstag zu einem Sondertreffen zusammenkommen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wies darauf hin, dass konkrete Vorschläge für mehr Sicherheit in Europa seit Monaten auf dem Tisch liegen.

 

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