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Mittelalterliches Wunder

Deutschland, Regensburg
Von Monika Angerer   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Regensburgs Glück: Leere Kassen verhinderten eine Zerstörung der Altstadtsubstanz
Die Stadt Regensburg hat den werbeträchtigen Titel Weltkulturerbe nicht wegen einzelner herausragender Objekte erhalten, sondern aufgrund der Geschlossenheit ihres mittelalterlichen Baubestands. „Spätestens seit dem Kriegsende 1945 steht Regensburg in dieser Hinsicht in Deutschland völlig ohne Konkurrenz da, nachdem Städte wie Nürnberg und Köln fast völlig zerstört worden waren.“
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Dr. Eugen Trapp, der das zu berichten weiß, war maßgeblich am Bewerbungsverfahren für das Weltkulturerbe beteiligt. Zu großen Teile verfasste er den Antrag an die Unesco, dass die Regensburger Altstadt in ihrer Gesamtheit als Kulturgut in die Welterbeliste aufgenommen werden sollte. Die Regensburger Altstadt hatte aber nicht nur im Zweiten Weltkrieg Glück, was die geringen Kriegsschäden angeht.

Kein Geld für Bausünden
Auch in den Jahren des deutschen Wirtschaftswunders kam sie gut weg, weil in der Stadt einfach nicht das Geld vorhanden war, um geplante bauliche Eingriffe in die alte Häusersubstanz vorzunehmen: „Während in den fünfziger Jahren andernorts teil weise größere Schäden angerichtet wurden als selbst der Krieg verursachen konnte, blieb Regensburg von derlei Bausünden relativ verschont“, so der Kunsthistoriker vom Amt für Archiv und Denkmalpflege. Es war auch bald auf nationaler Ebene klar, dass die Regensburger Altstadt Schutz braucht.

Ganz ungeschoren kam aber auch sie in dieser Zeit nicht davon: Für den Pustet-Komplex in der Gesandtenstraße wurden gleich mehrere Patrizierhäuser abgebrochen – heute unvorstellbar, in den fünfziger Jahren dachte man anders: „Es gibt ein schönes Dokument aus dieser Zeit. Ein Werbefilm für Regensburg zeigt die Altstadt mit ihrem Charme, gleichzeitig wird aber auch der Neu bau von Pustet positiv bewertet“, so Dr. Trapp. „Das Denkmalschutzgesetz wurde leider erst 1973 aus der Taufe gehoben, deshalb haben wir unsere schlimmste Bausünde, den Horten am Neupfarrplatz, der kurz vorher gebaut worden ist“, bedauert der Denkmalpfleger. Bei dieser Baumaßnahme ist gleich eine ganze Gasse, „Am Spielhof“ ausgelöscht worden. Gleich nebenan, am Kassiansplatz, musste die „Schlossergasse“ dem Bau der Sparkasse weichen. Auch der Schwanenplatz hat die Bezeichnung Platz nach dem Bau des Kolpinghauses eigentlich nicht mehr verdient. „Schuld an diesen Bausünden war eine zu groß gedachte Straßenplanung“, erklärt Dr. Trapp.

Dem Ziel einer „Autogerechten Stadt“ wäre so gar fast ein Teil des Reichssaalgebäudes zum Opfer gefallen, es sollte ge kürzt werden, um nicht mehr so arg in den Straßenverlauf hineinzuragen. Heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen, denn eine Straße führt hier längst nicht mehr entlang, sondern eine belebte und beliebte Fußgängerzone.

„Was weg ist, ist weg…“
Einige aufgebrochene Fassaden, wie beispielsweise das Eckhaus bei der „Neuen Waag“ in dem sich heute ein Musikladen befindet, wurden inzwischen wieder zurückgebaut. Auch den Durchgang in der Schnupftabakfabrik, wo man eine dunkle Treppe hinunter gehen musste, sucht man heute gottseidank vergebens. Gerade wurden Korrekturen an der Fassade des Schürnbrand-Hauses am Neupfarrplatz vorgenommen. In Abstimmung mit den Hauseigentümern wurde hier sogar das Erdge schoss wieder zurückgebaut. Das findet Dr. Eugen Trapp auch alles gut, richtiggehende Rekonstruktionen betrachtet er allerdings sehr skeptisch: „Was weg ist, ist weg…“
Überblick
 

 

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