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Cluj-Napoca

Rumänien, Cluj-Napoca
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"Cluj-Napoca" (bis 1974 "Cluj", deutsch "Klausenburg", ung. "Kolozsvár") ist die Hauptstadt des Kreises Cluj in Siebenbürgen. Am 1. Januar 2008 hatte sie 309.300 Einwohner und ist somit nach Bukarest und Timişoara die drittgrößte Stadt Rumäniens.

Geographie
Cluj-Napoca(rotes Viereck) - Rumänien - Nachbarorte: Zalău, Dej, Bistriţa, Târgu Mureş, Mediaş, Alba Iulia, Turda
Cluj-Napoca befindet sich im Westen Siebenbürgens am Fluss Someşul Mic ("Kleiner Somesch"). Die Umgebung ist durch Berge und Wälder geprägt. Neben einigen Seen, Bächen und Flüssen wie dem Someşul Mic gibt es auch unterirdische Gewässer.

Das kontinental-gemäßigte Klima erzeugt große jahreszeitliche Temperaturschwankungen mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern.

Von den südlich gelegenen Hügeln bei Feleacu hat man einen schönen Panoramablick auf die Stadt.





Geschichte
An der Stelle der heutigen Stadt befand sich in prähistorischer Zeit zeitweilig eine Siedlung. Nach der römischen Eroberung Dakiens unter Kaiser Trajan wurde diese Dakersiedlung "Napoca" zu einem Legionslager ausgebaut, doch entwickelte sich auch die zivile Siedlung als Verkehrsknotenpunkt schnell zu einem lokal bedeutenden kleinen städtischen Mittelpunkt. Schon unter Kaiser Hadrian (117-138) erhielt Napoca die Rechte eines Municipiums und hieß jetzt "Municipium Aelium Hadrianum Napoca". Wahrscheinlich unter Kaiser Marcus Aurelius erfolgte die Gründung einer römischen Kolonie. Im 3. Jahrhundert überflügelte Napoca für einige Jahre die Provinzhauptstadt Porolissum und wurde Sitz des Prokurators. Um 250 ging die Siedlung bereits im Zuge verheerender Plünderungszüge von Germanen und Karpen und dem Abzug der kleinen romaniserten Bevölkerungsschicht unter. 1974 fügte Nicolae Ceauşescu dem rumänischen Namen Cluj aus nationalideologischen Motiven heraus den historisierenden Anhang „Napoca“ hinzu, um die dogmatisch vertretene Ideologie der dako-romanischen Kontinuitätstheorie auch hierin sichtbar zu positionieren. Im Alltag war diese Namensänderung jedoch nur mäßig erfolgreich, man spricht nach wie vor von „Cluj“.

Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert von deutschen Siedlern am Ufer des Flusses Someşul Mic (dt. "Kleiner Samosch") erbaut. Von 1790 bis 1848 und von 1861 bis 1867 war Klausenburg Hauptstadt des Großfürstentums Siebenbürgen innerhalb der Habsburgermonarchie. Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 wurde Siebenbürgen wieder integraler Bestandteil Ungarns. Klausenburg, die zweitgrößte Stadt des Königreichs, war seit dem 13. Jahrhundert belegbar Sitz des Komitats Kolozs. Der sächsische Bevölkerungsteil akkulturalisierte sich im 17. und frühen 18. Jahrhundert an den ungarischen. Ursachen waren die Hinwendung zum Unitarismus in der Reformationszeit, den die übrigen Siebenbürger Sachsen nicht vollzogen, und ein fehlendes deutsch besiedeltes Umland. Hingegen war das Umland von Klausenburg bis ins 17./18. Jahrhundert stark überwiegend von Rumänen und Ungarn bewohnt. 1872 wurde in Klausenburg die zweite Universität innerhalb des historischen Ungarns gegründet, die Franz-Josef-Universität (heute "Universität Szeged").

Nach dem Ersten Weltkrieg, am 4. Juni 1920 erfolgte durch den Friedensvertrag von Trianon die Angliederung Siebenbürgens an Rumänien. 1940 gelangte Nordsiebenbürgen mit Cluj durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch wieder bis 1944/1945 an Ungarn und fiel völkerrechtlich nach dem Pariser Vertrag 1947 an Rumänien zurück. Noch heute ist Klausenburg das kulturelle Zentrum der ungarischen Minderheit in Rumänien; bis ungefähr 1974 stellten die Ungarn die relative Bevölkerungsmehrheit in der Stadt. Unter anderem wurde hier Matthias Corvinus, König von Ungarn, geboren.

Avram-Iancu-Platz

Heute ist es eines der wichtigsten kulturellen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zentren Rumäniens. Von den sechs staatlichen Universitäten der Stadt ist die "Babeş-Bolyai-Universität Cluj" eine der wichtigsten in Ost- und Mitteleuropa. Sie ist als dreisprachige Universität eine Seltenheit in ganz Europa (es wird auf rumänisch, ungarisch und deutsch unterrichtet). Daneben bestehen die Landwirtschaftliche und Veterinärmedizinische Universität Cluj-Napoca, die Medizinische und Pharmazeutische Universität Cluj-Napoca, die Technische Universität Cluj-Napoca. die Universität für Kunst und Design Cluj-Napoca, sowie die Musikakademie Gheorghe Dima und die Universität Sapientia.

Mit über zehn praktizierten Religionen verfügt Klausenburg über eine große religiöse Vielfalt, wobei die Mehrzahl der Einwohner seit den 1970er Jahren als Rumänen dem orthodoxen Glauben angehört.

Bevölkerung
Unter den 309.300 Einwohnern Clujs sind 79,4 % Rumänen, 19% Ungarn 1,0% Roma, 0,23 % Deutsche (meist Siebenbürger Sachsen) und 0,06 % Juden. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum beträgt -2,2 %. 8,5 % der Einwohner sind erwerbslos. 14,1 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahren, 3,9 % sind über 75 Jahre alt.

Kunst und Kultur
Blick über die Stadt
Die Stadt hat eine lange und große Theatertradition. Das Teatrul National und das Teatrul Maghiar und das besonders bei Kindern beliebte Puppentheater Puck wären zu nennen. Zwei große Opern - die Rumänische Nationaloper sowie die Ungarische Staatsoper - und eine große Anzahl von Festivals und Wettbewerben dokumentieren den kulturellen Anspruch. Zu einer festen Institution sind etwa das Mozartfestival sowie das zur Erinnerung an den Dichter und Philosophen Lucian Blaga stattfindende Festival geworden, auf dem Gedichte vorgetragen werden. Seit 2002 findet in Klausenburg jährlich das Internationale Filmfestival statt (Transilvania International Film Festival).

Wichtige Museen sind das Kunst- und Literaturmuseum, das "Muzeul Naţional de Istorie a Transilvaniei", das die Geschichte Transsylvaniens präsentiert und das "Freilichtmuseum in Someseni". Cluj-Napoca beheimatet auch eine "Universität für Kunst und Design".

Bastion

In der Stadt gibt es eine Reihe von ausländischen Kulturzentren:

* Deutsches Kulturzentrum Klausenburg (Centrul Cultural German Cluj-Napoca)
* Französisches Kulturzentrum
* Amerikanisches Kulturzentrum "J.F. Kennedy"
* Britisches Kulturzentrum
* Italienisches Kulturzentrum

Sport
Cluj-Napoca ist mit einem Fußballverein in der höchsten rumänischen Spielklasse, der Liga 1, vertreten. Ältester und zuletzt erfolgreichster Verein der Stadt ist CFR Cluj; 2008 wurde er erstmals in der Vereinsgeschichte rumänischer Meister und qualifizierte sich damit direkt für die Saison 2008/2009 der UEFA Champions League. In diesem Jahr konnte der Verein einige Achtungserfolge erringen, den AS Rom auswärts 2:1 besiegen und dem FC Chelsea mit 0:0 die Stirn bieten. Jedoch verlor die Mannschft die übrigen vier Gruppenspiele und schied aus dem Wettbewerb aus. Im Folgejahr qualifizierte sich der Verein für die Gruppenphase der neu geschaffenen Europa League.

Sehenswürdigkeiten
Kalvarien-Kirche
* Orthodoxe Kathedrale: ("Catedrala Ortodoxă")
* Michaelskirche: ("Biserica Sfântul Mihail"); diese gotische Kirche befindet sich auf dem Hauptplatz ("Unirea-Platz") der Stadt; Sie war mehrmals Tagungsort siebenbürgischer Reichstage
* Matthiasdenkmal: ("Statuia lui Matei Corvin"), ein monumentales Reiterstandbild des Königs Matthias Corvinus
* König Mathias" Geburtshaus: ("Casa Matei Corvin")
* Palais Bánffy: ("Palatul Bánffy"), heute Kunsthistorisches Museum. Der zwischen 1774-1775 gebaute Stadtpalast der Adelsfamilie Bánffy ist eines der wichtigsten Barockgebäude Siebenbürgens
* Ehem. Minoritenkirche: heute rumänisch-unierte Kathedrale
* Zentralfriedhof: (Hasengartner Friedhof/Házsongárder Friedhof), zählt aufgrund seiner vielen Ehrengräber und des weitläufigen Areals zum Pantheon Siebenbürgens
* Piaristenkirche: ("Biserica Piariştilor")
* Schneiderbastei: ("Bastionul Croitorilor") - Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung
* Zitadelle: ("Cetăţuia")
* Stadtpark:
* Botanischer Garten der Universität: Er enthält auch ein "botanisches Museum" und das der Forschung und Lehre dienende "Herbarium". Der Garten wurde 1923 vom rumänischen Pflanzenforscher Alexandru Borza errichtet.
* Rumänisches Nationaltheater: ("Teatrul Naţional"), ein Jugendstilgebäude nach den Plänen des Wiener Architektenbüros Fellner & Helmer
* Statuenpark in Vlaha (in 15 km Entfernung von Cluj): gigantische Heustatuen

Handel und Wirtschaft
Franziskaner-Kirche
In den letzten Jahren sind infolge der Liberalisierung der rumänischen Wirtschaft einige moderne Hochhäuser gebaut worden, vor allem von Banken (Regionalstelle der "Rumänischen Bank für Entwicklung", "Rumänische Commerzbank" oder der Hauptsitz der "Banca Transilvania"). Dank der zunehmenden Bedeutung als Handelszentrum sind neben Banken auch vermehrt bekannte internationale Geschäfte zu finden.

Aufgrund der Nähe zur Universität sind weiterhin die Branchen Informationstechnologie, Elektrotechnik und Maschinenbau stark ausgeprägt. Die Schuhbranche ist für Klausenburg ein zusätzliches wichtiges Standbein.

Verkehr
Die zwischen Budapest und Bukarest geplante Autobahn wird entlang der Route der jetzigen Europastraße 60 (Nationalstraße DN 1) auch an Cluj-Napoca vorbeiführen. Vom internationalen Flughafen Cluj-Napoca kann man in Direktflügen Bukarest, Timişoara, Köln, Dortmund, Frankfurt am Main, München, Wien, Budapest, Mailand und Bologna erreichen.

Zwischen Timişoara und Cluj-Napoca bestehen Intercity-Eisenbahnverbindungen, die durch ihren Halt in Arad auch einen Anschluss an die internationalen Züge von Wien nach Bukarest vermitteln. Von Wien nach Cluj-Napoca lässt sich somit per Bahn mit einmaligem Umsteigen reisen. Der ÖPNV wird durch das Nahverkehrsunternehmen RATUC abgewickelt. Es betreibt drei Straßenbahnlinien und zahlreiche O-Bus- und Dieselbuslinien.

Städtepartnerschaften
Cluj-Napoca ist mit 16 Städten weltweit durch Partnerschaft verbunden.
* 20px Köln, Deutschland
* 20px São Paulo, Brasilien
* 20px Columbia, USA
* 20px Beerscheba, Israel
* 20px Pécs, Ungarn
* 20px Zagreb, Kroatien
* 20px Athen, Griechenland
* 20px Zhengzhou, China
* 20px Chacao-Caracas, Venezuela
* 20px Dijon, Frankreich
* 20px Nantes, Frankreich
* 20px Vichy, Frankreich
* 20px Suwon, Südkorea
* 20px Makati, Philippinen
* 20px Korça, Albanien
* 20px Cervia, Italien

Persönlichkeiten


"Söhne und Töchter"

* Istvan Bocskai, Fürst von Siebenbürgen
* János Bolyai, Mathematiker
* Alexander Uriah Boscovich, israelischer Musikpädagoge und Komponist
* Samuel Brassai, Polyhistor
* Eugen Cicero, Jazz-Pianist
* Răzvan Cociş, Fußballspieler
* Matthias Corvinus, König von Ungarn und Herzog von Österreich
* Franz Davidis, Unitarischer Theologe
* Elisabeth Hering, deutsche Schriftstellerin
* Ibrahim Müteferrika, osmanischer Polyhistor
* Felix Somló, Jurist und Professor, Rechtspositivist
* Cornel Ţăranu, Komponist
* Mircea Tiberian, Jazzpianist
* László Tőkés, protestantischer Pfarrer und Anführer des Widerstands gegen das Ceauşescu-Regime
* Sándor Végh, Violinvirtuose und Violinpädagoge
* Sándor Veress, ungarisch-schweizerischer Komponist
* János Viski, Komponist
* Abraham Wald, österreichischer Mathematiker


"Personen mit Beziehung zur Stadt"

* Doina Cornea (*1929), antikommunistische Dissidentin und Menschenrechtlerin, Professorin für Französisch an der Babeş-Bolyai Universität in Klausenburg
* Emil Racoviţă (1868-1947 in Klausenburg), Biologe, Botaniker, Meeresforscher, Höhlenforscher, Polarforscher, in Klausenburg vrstorben
* Julia Varady (*1941), deutsche Opernsängerin ungarischer Abstammung, erhielt als 6-Jährige Unterricht bei Emilia Popp in Klausenburg


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 25.04.2018 10:21 von den Wikipedia-Autoren.
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