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Chemnitz

Deutschland, Chemnitz
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Architektonische Kontraste am Chemnitzer Marktplatz - im Hintergrund das Neue sowie das Alte Rathaus

(1953–1990: "Karl-Marx-Stadt"), ist eine Stadt im Westen des Freistaates Sachsen. Sie befindet sich im Erzgebirgsbecken, am Nordrand des Erzgebirges. Mit etwa 241.500 Einwohnern ist sie nach Leipzig und Dresden die drittgrößte Stadt sowie eines der sechs Oberzentren des Bundeslandes. Chemnitz hat den Status einer kreisfreien Stadt und ist Sitz der gleichnamigen Landesdirektion.

Der Name „Chemnitz“ leitet sich vom Fluss gleichen Namens her, der die Stadt durchfließt. Dessen Name wiederum geht auf die slawische Bezeichnung "Kamjenica" (sorbisch: "Steinbach"; vgl. Kamenz) zurück (von "kamjeń" – der Stein).

Im Jahre 1143 erstmals urkundlich erwähnt, entwickelte sich die Stadt in der Zeit der Industrialisierung zu einer der wichtigsten Industriestädte Deutschlands. Die Einwohnerzahl der Stadt Chemnitz überschritt Anfang 1883 die Grenze von 100.000. Zwischen 1953 und 1990 hieß Chemnitz "Karl-Marx-Stadt". Heute bildet die im Strukturwandel begriffene Stadt neben Zwickau einen Kern der „Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau“ und ist Bestandteil der „Metropolregion Sachsendreieck“.

Geographie
Chemnitz liegt im Erzgebirgsbecken, umrahmt von Ausläufern des Erzgebirges im Süden und von Höhen des Mittelsächsischen Berglandes im Norden auf etwa 300 Metern über Normalhöhennull. Der durch die Stadt verlaufende Fluss Chemnitz (Flusssohle auf ca. 290 Metern über Normalhöhennull) hat mit dem Ausschürfen eines breiten Tales das Anlegen einer Stadt begünstigt. Er wird neben den beiden Mittelgebirgsflüssen Zwönitz und Würschnitz als Hauptquellarme von zahlreichen im Stadtgebiet verlaufenden kleinen und mittleren Bachläufen gespeist.

Der geologische Untergrund von Chemnitz lässt sich in drei verschiedene große Einheiten gliedern. Die nördlichen und nordwestlichen Stadtteile lassen sich zum Granulitgebirge zuordnen, welches sich als Teil des Mittelsächsischen Hügellandes zwischen Glauchau und Döbeln erstreckt. Das Granulitgebirge ist nach den Granuliten benannt, welche vornehmlich aus präkambrischen Sedimentgesteinen durch Metamorphose hervorgingen. Weiterhin wird diese geologische Zone von Norden nach Nordwesten in das "Auerswalder Lösshügelland", das "Untere Chemnitztal", in die "Wittgensdorfer Lössplatte" sowie das "Röhrsdorfer Schieferhügelland" unterteilt.

Das bei Chemnitz mit rund sieben bis acht Kilometer schmale Erzgebirgsbecken zieht sich in Südwest-Nordost-Richtung durch das Stadtgebiet. Innerhalb des Beckens befindet sich der Beutenberg (420,9 m), welcher die Stadt im Nordosten abgrenzt. Vorherrschende Gesteine des Erzgebirgischen Beckens sind neben Rotliegend-Sedimenten, die sich seit dem Oberkarbon gebildet haben, Tuffe und Lösslehmauflagen. Im Bereich Chemnitz wird das Erzgebirgsbecken in den "Zschopau-Hochtalboden", die "Kohlung-Platte", das "Zeisigwald-Struth-Hügelland", das "Chemnitztal", den "Chemnitz-Terrassenriedel", "Siegmar-Bornaer Hügelland", das "Neukirchener Hügelland" und das "Untere Würschnitztal" untergliedert.

Der Nordrand des Erzgebirges zeigt im Raum Chemnitz sein deutlichstes Relief. In dieser geologischen Einheit südlich der Linie vom Galgenberg in Euba (471,2 m) über den Adelsberg (508,4 m) nach Klaffenbach herrschen tonschieferähnliche Phyllite und Auensedimente vor. Zerschnitten durch die Täler der Würschnitz und Zwönitz erreicht diese Geländestufe südwestlich des Zusammenflusses zur Chemnitz Höhen von 500 bis 550 m über Normalhöhennull. Auch befindet sich hier der im Stadtgebiet höchste Berg – die Klaffenbacher Höhe mit 523,4 m über Normalhöhennull. Der Raum findet mit den Bezeichnungen "Erzgebirgsnordrandstufe", "Unteres Zwönitztal", "Harthauer Würschnitztal", "Berbisdorfer Riedelgebiet", "Dittersdorfer Riedelgebiet" eine weitere Unterteilung.Ernst Barth et al.: "Werte unserer Heimat. Karl-Marx-Stadt." Akademie-Verlag, Berlin 1979.

Natur
Chemnitz ist eine Stadt mit ausgedehnten Grünflächen und großen Parkanlagen. Mit mehr als 1000 Hektar an Parks, Wiesen und Waldgebieten kommen auf jeden Einwohner statistisch gesehen mehr als 60 Quadratmeter Grünfläche. Im Stadtgebiet von Chemnitz gibt es zwei Naturschutzgebiete ("Um den Eibsee" und "Am Schusterstein"), sowie zahlreiche Landschaftsschutzgebiete. Dazu zählen zum Beispiel das Chemnitztal, das Sternmühlental und der Rabensteiner Wald.

"Siehe auch:" Liste der Landschaftsschutzgebiete in Sachsen

Klima
Klimadiagramm von Chemnitz

Chemnitz liegt mit seinem vollhumidem Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar.

Im Referenzzeitraum 1961 bis 1990 waren Juni und Juli mit 16,6 bzw. 16,4 °C Durchschnittstemperatur die wärmsten Monate, das mittlere Temperaturminimum betrug im Januar −1,2 °C. Die jährliche Durchschnittstemperatur lag bei 7,9 °C. Die mittleren Tagestemperaturen im Stadtgebiet im Januar liegen zwischen 0 und −2 °C, im Juli zwischen 16 und 18 °C. Die mittlere Sonnenscheindauer liegt bei rund 1530 Stunden im Jahr, mit 200 Sonnenscheinstunden ist der Juli sonnenscheinintensivster Monat.

Aufgrund der Lage der Stadt auf der Luv-Seite des Erzgebirges gibt es erhöhte Niederschlagsmengen. So liegen die Jahresniederschlagmengen im Stadtgebiet zwischen 650 und 800 mm. Am Standort Küchwald wurde im Referenzzeitraum 1961 bis 1990 ein durchschnittlicher Jahresniederschlag von 775 mm verzeichnet. Niederschlagsreichster Monat im Stadtgebiet ist hierbei der Juni mit 85 bis 90 mm Niederschlagshöhe, mit 35 bis 45 mm ist der Februar niederschlagsärmster Monat.Deutscher Wetterdienst:

Stadtgliederung
Das Stadtgebiet von Chemnitz ist in 39 Stadtteile eingeteilt. Die Stadtteile Einsiedel, Euba, Grüna, Klaffenbach, Kleinolbersdorf-Altenhain, Mittelbach, Röhrsdorf und Wittgensdorf sind zugleich Ortschaften im Sinne der §§ 65 bis 68 der Sächsischen Gemeindeordnung. Diese Stadtteile kamen im Zuge der letzten Eingemeindungswelle nach 1990 als ehemals eigenständige Gemeinden zur Stadt Chemnitz hinzu und genießen daher diese Sonderstellung gegenüber den anderen Stadtteilen. Für diese Ortschaften gibt es je einen Ortschaftsrat, welcher, abhängig von der Einwohnerzahl der betreffenden Ortschaft, zwischen zehn und 16 Mitglieder sowie einen Ortsvorsteher als Vorsitzenden derselben umfasst. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Eine endgültige Entscheidung obliegt jedoch dem Stadtrat der Gesamtstadt Chemnitz. (PDF; 75,2 KB) Die amtliche Kennzeichnung der Stadtteile durch Nummern erfolgt nach folgendem Prinzip: Ausgehend vom Stadtzentrum (Stadtteile Zentrum und Schloßchemnitz) werden allen anderen Stadtteilen im Uhrzeigersinn in aufsteigender Folge die Zehnerstelle ihrer Kennzahl zugeordnet, die Einerstelle wird in Richtung Stadtperipherie in aufsteigender Folge vergeben.



Das Stadtgebiet umfasst nach zahlreichen Eingemeindungen kein einheitliches geschlossenes Siedlungsgebiet. Die ländlichen Siedlungen vornehmlich östlicher Stadtteile sind vom Siedlungsgebiet der Chemnitzer Kernstadt getrennt, wogegen sich dieses teilweise über die westlichen Stadtgrenzen nach Limbach-Oberfrohna und Hohenstein-Ernstthal fortsetzt.



Nachbargemeinden
Die nachfolgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Chemnitz. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten genannt:
* im Landkreis Mittelsachsen: Hartmannsdorf, Burgstädt, Taura, Lichtenau, Frankenberg/Sa., Niederwiesa, Flöha und Augustusburg
* im Erzgebirgskreis: Gornau/Erzgeb., Amtsberg, Burkhardtsdorf und Neukirchen/Erzgeb.
* im Landkreis Zwickau: Oberlungwitz, Hohenstein-Ernstthal, Callenberg, Limbach-Oberfrohna und Niederfrohna

Geschichte
→ "Hauptartikel: Geschichte der Stadt Chemnitz"

Der Chemnitzer Roland

Im Jahre 1136 wurde bei Chemnitz durch Kaiser Lothar III. das Benediktinerkloster St. Marien gegründet, das 1143 das Marktrecht erhielt. In einiger Entfernung des Klosters wurde vermutlich nach 1170 durch Kaiser Friedrich I. "(Barbarossa)" in der Nähe einer Furt durch den Fluss Chemnitz eine stadtähnliche Siedlung gegründet, die schon bald darauf in die Aue verlegt wurde. Bis 1308 war Chemnitz freie ReichsstadtHeinrich Gottfried Gengler: "Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter", Erlangen 1863, . und schon im Mittelalter ein Wirtschaftszentrum, insbesondere durch das im 14. Jahrhundert erhaltene Bleichprivileg.
Herrenhaus der Bernhardschen Spinnerei in Chemnitz-Harthau

Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde Chemnitz ein Standort der Industrie mit sehr großer Wirtschaftskraft. Mit der Errichtung der Spinnmühle durch C. F. Bernhardt im Jahre 1798 wurde Chemnitz-Harthau zum Ausgangspunkt der industriellen Revolution in Sachsen. Die Bernhardsche Spinnerei war weit über Sachsen hinaus bekannt. Selbst J. W. v. Goethe besichtigte diese am 28. September 1810 während eines Aufenthaltes in Chemnitz.
In den Jahren darauf wuchs die Stadt erst langsam aber dann sehr rasch an, man bezeichnete sie als „Sächsisches Manchester“, „Ruß-Chamtz“ oder auch als „Rußnitz“. Chemnitz wurde eine der bedeutendsten Industriestädte Deutschlands. Hier entstanden Firmen mit Weltruf wie die WANDERER Werke AG und die AUTO UNION AG (heute Audi AG). Chemnitz war um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die reichste Stadt Deutschlands. Es entstand hier 1877 auf Zutun des damaligen Chemnitzer Oberbürgermeister Dr. Wilhelm André das deutsche Patentrecht, und aus Chemnitz kamen zu dieser Zeit sechsmal soviel Patente wie im deutschen Durchschnitt. In Chemnitz wurde der Grundstein des deutschen Maschinen- und internationalen Fahrzeugbaus gelegt, die heute immer noch die wichtigsten Industriezweige Deutschlands sind. Den Grundstein dafür legten dabei die beiden in Chemnitz wirkenden Persönlichkeiten Louis Tuchscherer für den Fahrzeugbau und Johann von Zimmermann für den Maschinenbau.

Ludwig Rohbock, Ansicht des Chemnitzer Marktplatzes um 1850

Chemnitz wurde schon früh Sitz eines Verwaltungsbezirks (Amtshauptmannschaft) innerhalb der Kreishauptmannschaft Zwickau des Staates Sachsen. Im Jahre 1874 schied die Stadt aus der Amtshauptmannschaft Chemnitz aus und wurde eine „exemte Stadt“, welche man später als kreisfreie Stadt bezeichnete. Sie blieb aber weiterhin Sitz der Amtshauptmannschaft, aus welcher 1952 der Landkreis Chemnitz hervorging. 1900 wurde die Kreishauptmannschaft Chemnitz als Vorläufer des heutigen Regierungsbezirks Chemnitz gebildet. 1910 entstand die Amtshauptmannschaft Stollberg aus Teilen der Amtshauptmannschaft Chemnitz.

Besonders am Ende des Zweiten Weltkriegs rückte Chemnitz ins Visier alliierter Luftangriffe. In Chemnitz wurden zu dieser Zeit u. a. Motoren für die Tigerpanzer gebaut. Die Bombardierungen am 13./14. Februar und 5. März 1945 durch britische Bomber richteten sich im Wesentlichen gegen die Innenstadt. US-amerikanische Bomber konzentrierten sich auf die Rüstungsbetriebe und die Bahnhöfe. Die Chemnitzer Flak war zu diesem Zeitpunkt schon zum Erdkampf an die Ostfront verlegt worden. Insgesamt sind 7.360 t Bomben auf Chemnitz abgeworfen worden.Olaf Groehler: "Bombenkrieg gegen Deutschland". Akademie-Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-05-000612-9, S. 449. Der Denkmalbestand an Kirchen, öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern in der historischen Innenstadt und den inneren Vorstädten wurde praktisch vollständig zerstörtHeinrich Magirius in "Schicksale Deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg". Hrsg Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 2, S. 452–460, vom Wohnungsbestand der Stadt insgesamt ein Viertel vernichtet. Die Innenstadt wurde in den folgenden Jahren in veränderter Form bebaut, alte Straßenzüge sind zum Teil komplett verschwunden.

Ein ehemaliges Ortseingangsschild der Stadt

Nach Auflösung der Länder in der DDR im Jahre 1952 wurde Chemnitz Sitz eines Bezirks. Am 10. Mai 1953 erfolgte auf Beschluss der DDR-Regierung die Umbenennung der Stadt Chemnitz in "„Karl-Marx-Stadt“". Die Umbenennung nahm Ministerpräsident Otto Grotewohl mit den Worten vor: "„Die Menschen, die hier wohnen, schauen nicht rückwärts, sondern sie schauen vorwärts auf eine neue und bessere Zukunft. Sie schauen auf den Sozialismus. Sie schauen mit Liebe und Verehrung auf den Begründer der sozialistischen Lehre, auf den größten Sohn des deutschen Volkes, auf Karl Marx. Ich erfülle darum hiermit den Beschluss der Regierung. Ich vollziehe den feierlichen Akt der Umbenennung dieser Stadt und erkläre: Von nun an trägt diese Stadt den stolzen und verpflichtenden Namen Karl-Marx-Stadt.“" Im Vorfeld des Beitritts Sachsens zur Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. April 1990 eine Volksabstimmung über den künftigen Namen der Stadt abgehalten. Dabei stimmten 76 % der Bürger für den alten Namen "„Chemnitz“". Die offizielle Rückbenennung erfolgte am 1. Juni 1990, also noch vor dem formellen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Nach Wiedererrichtung des Landes Sachsen 1990 wurde auch der Bezirk Chemnitz aufgelöst.

Im Rahmen der Kreisreform in Sachsen 1994 wurde der Landkreis Chemnitz aufgelöst. Ein Teil wurde mit den Landkreisen Hohenstein-Ernstthal und Glauchau zum neuen Landkreis Chemnitzer Land zusammengeschlossen. Der andere Teil ging im Landkreis Mittweida auf, einige Gemeinden kamen auch zum Mittleren Erzgebirgskreis und zum Landkreis Stollberg. Chemnitz selbst blieb eine kreisfreie Stadt.

Mitte der 1990er Jahre begann die Bebauung der innerstädtischen Bauflächen um das Rathaus zu einem neuen Stadtkern, welche nach rund 10 Jahren noch nicht abgeschlossen ist. Zu dieser Bildung einer neuen Mitte wurde vor allem Einzelhandelsfläche im Bereich des Marktes angesiedelt.


Stadtentwicklung
Roter Turm, neu erbaute Stadthalle und Interhotel Kongress im Jahre 1974
Ein für Chemnitz typisches Gründerzeitwohnhaus
Die Weststraße im Chemnitzer Stadtteil Kaßberg

Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und der Umbenennung in Karl-Marx-Stadt wurde für die Stadt sehr ambitioniert versucht, ein Stadtzentrum zu errichten, das die klassischen Auffassungen vom Städtebau einer sozialistischen Stadt symbolisieren sollte. Dabei wurden die bisherigen Stadtgrundrisse in der Innenstadt zu Gunsten eines neu zu schaffenden Straßennetzes verworfen. Die Pläne wurden allerdings auf Grund des Mangels an Finanzen und eines Prioritätenwechsels zugunsten der Wohnraumschaffung nie komplett verwirklicht. In den 60er- und 70er-Jahren kam es zum großflächigen Aufbau von Wohngebieten in industrieller Plattenbauweise im Zentrum als auch in peripheren Lagen, wie das Fritz-Heckert-Gebiet, das Yorckgebiet oder auch das Beimlergebiet in Gablenz. Dagegen wurde die Altbausubstanz der Gründerzeit, welche vor allem in Kaßberg, Sonnenberg und Schloßchemnitz zu finden ist, wohl aus finanziellen als auch ideologischen Gründen vernachlässigt, woraufhin diese zunehmend verfiel.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands stand die Stadt Chemnitz vor mehreren schwierigen Aufgaben. Die Einwohnerzahlen, vor allem in den früher begehrten Plattenbaugebieten, gingen durch Abwanderung in die alten Bundesländer sowie in das Umland stark zurück; und noch immer hatte Chemnitz keine klassische Innenstadt, welche aber immer stärker zur politischen Forderung wurde. Diese Situation verschärfte sich mit der Errichtung großer Einkaufszentren in der Stadtperipherie zu Beginn der 1990er-Jahre.

Damit handelte es sich um die einzige deutsche Großstadt, für die, ähnlich dem Wiederaufbau der direkten Nachkriegsjahre, erst seit 1990 ein Stadtzentrum geplant und realisiert werden musste, welches sich den Grundsätzen der „Europäischen Stadt“ verpflichtet fühlt. Planungen zur Wiedergewinnung einer verdichteten Innenstadt rund um das historische Rathaus führten 1991 zu einem städtebaulichen Wettbewerb. Dieser wurde seitens der Stadt international ausgeschrieben und mit Hilfe der Partnerstadt Düsseldorf durchgeführt. In seinen Dimensionen ist das bis dahin im Wesentlichen als Freifläche brachliegende Gelände an der Stelle der ehemaligen Innenstadt nur mit dem Bauvorhaben „Potsdamer Platz“ in Berlin vergleichbar.

Zahlreiche international renommierte Architekten wie Hans Kollhoff, Helmut Jahn, Christoph Ingenhoven prägten das Bild der neuen Innenstadt. In der Chemnitzer City sind in den letzten fünf Jahren mehr als 66.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche zusätzlich entstanden. Mit dem Bau des Büro- und Geschäftshauses auf dem Baufeld B3 am Düsseldorfer Platz wird die letzte Baulücke im Innenstadtbild geschlossen.
Das Chemnitzer Zentrum 2009
Beim DIFA-AWARD 2006, dem internationalen Immobilienpreis der Städte, wurde die Chemnitzer Innenstadt mit dem zweiten Preis ausgezeichnet und erzielte damit das beste Ergebnis unter allen deutschen Teilnehmerstädten. Das innerstädtische Quartier um das Rathaus sei, so die Jury, als „gelungene Mischung aus Einzelhandel, Büro, Gastronomie, Wohnen, Freizeit und Kultur ein Paradebeispiel erfolgreicher Entwicklungspolitik in Deutschland“.
Folgen des Stadtumbaus in Chemnitz
Des Weiteren wurden zahlreiche Gründerzeit- und Jugendstilbauten in verschiedenen Stadtteilen größtenteils durch private Initiative saniert, weswegen Stadtteile wie Kaßberg oder Schloßchemnitz ihre Einwohnerzahlen seit rund 15 Jahren stabil halten konnten. Die Nachfrage nach Wohnungen in solchen Stadtteilen ist trotz höheren Preisniveaus vor allem in der jüngeren und arbeitsfähigen Bevölkerung sehr stark. Der auch mit dem „Stadtumbau Ost“ verbundene Abriss von teilweise geschichtlich wertvollen Denkmalen aus der Gründerzeit zu Gunsten der Aufwertung von Plattenbaugebieten ist daher sehr umstritten.Dankwart Guratzsch:
", Die Welt, 12. Mai 2006Gudrun Müller: "Der Abrissrausch ist tödlich für Chemnitz", Freie Presse, 7. Dezember 2006 Zwischen 1990 und 2007 wurden mehr als 250 Baudenkmale eingeebnet. „Nun aber dezimiert man mit kopfloser Abrisspolitik das architektonische Erbe“ und „Die neuen Brachen zeugen von äußerster Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Stadtorganismus“ formuliert ein bekannter Architektur-Kritiker.Arnold Bartetzky: "Anleitung zur Stadtzerstörung". FAZ 24. März 2009 Unterstützt durch den staatlich geförderten Eigenheimbau fand seit Mitte der 1990er-Jahre auch eine starke Wanderungsbewegung in das Umland statt, wodurch aber eher ländlich geprägte Stadtgebiete wie Reichenhain und Adelsberg profitieren konnten.Lutz Polanz:", Monitor, Nr. 593 vom 14. Mai 2009



Eingemeindungen
Eingemeindungen nach Chemnitz
Im 19. Jahrhundert erlebte Chemnitz und deren umliegenden Gemeinden durch die Industrialisierung einen rasanten industriellen Aufschwung, jedoch siedelten sich die Fabriken und Manufakturen zumeist aus Platz- und Steuergründen außerhalb der Stadt an. Doch schon bald gab es die ersten Vorschläge der umliegenden Gemeinden aus wirtschaftlichen Gründen nach Chemnitz eingemeindet zu werden. Der Eingemeindungsprozess begann im Jahr 1880, abgesehen von der Eingemeindung der "Niklasgasse" 1844, mit dem Zusammenschluss mit Schloßchemnitz. Bis einschließlich 1900 wurden die stark industriell geprägten Gemeinden Altchemnitz, Altendorf, Gablenz und Kappel nach Chemnitz eingemeindet. Weitere Gemeinden, z. B. Borna und Hilbersdorf, folgten bis 1914 teils aus wirtschaftlichen Aspekten, als auch zur Nutzung von Siedlungsraum für die nach Chemnitz zugezogenen Arbeiter. Die westlich von Chemnitz gelegenen, ebenso industriell erstarkten Gemeinden Schönau, Siegmar und Rottluff lehnten grundsätzlich die Verschmelzung mit der Stadt ab. Letztere wurde jedoch in der nächsten Eingemeindungswelle vor dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit u. a. Ebersdorf und Markersdorf eingemeindet. Erst nach der Gründung der DDR wurden auf Beschluss Siegmar und Schönau, inzwischen zur Stadt Siegmar-Schönau erhoben, zusammen mit weiteren rings um Chemnitz gelegenen Gemeinden mit Chemnitz verschmolzen. Danach gab es nur geringfügige Grenzverschiebungen, darunter z. B. die Einziehung eines Territoriums von Neukirchen für die Errichtung des „Fritz-Heckert-Gebiets“. Die bisher letzte Eingemeindungswelle erfolgte zwischen 1994 und 1999, in der u. a. Einsiedel, Röhrsdorf und Grüna in die Stadt einbezogen wurden.

Eine erste Erweiterung der Fluren der Stadt Chemnitz erfolgte bereits im Jahr 1402 mit dem Kauf der wüsten Ortschaften "Borssendorf" und "Streitdorf" sowie Teilen der Klosterdörfer Bernsdorf, Gablenz und Kappel. Seit längerem gibt es auch Bestrebungen, die Gemeinde Neukirchen nach Chemnitz einzugliedern. Dies scheiterte bis heute am Widerstand des Landkreises Stollberg und der Gemeinde Neukirchen selbst.

Chemnitz zählt nach umfangreichen Eingemeindungen Ende der 1990er Jahre zu den flächengrößten Städten Deutschlands.

Einwohnerentwicklung und Demografie
Einwohnerdichte der einzelnen Stadtteile
→ "Hauptartikel: Einwohnerentwicklung von Chemnitz"

Im Jahre 1883 wurde Chemnitz mit über 100.000 Einwohnern die 15. Großstadt Deutschlands. Ihren Bevölkerungshöchststand hatte die Stadt 1930 mit einer Einwohnerzahl von über 360.000. Chemnitz ist seit der Wende 1989 von einem starken Bevölkerungsrückgang betroffen. So verlor die Stadt – gemessen am heutigen Gebietsstand – seit 1990 mehr als 20 Prozent ihrer Einwohner. Trotz zahlreicher Eingemeindungen in den 1990er Jahren (siehe oben) konnte der negative Bevölkerungstrend nur kurzzeitig gestoppt werden. Die Einwohnerzahl der Stadt fiel im Dezember 2003 unter die Grenze von 250.000. Am 30. September 2008 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ von Chemnitz gemäß Veröffentlichung der Stadtverwaltung nur Hauptwohnsitze 241.504.

Prognosen der Stadt Chemnitz aus dem Juli 2007 ergaben, dass sich die Einwohnerzahl der Stadt Chemnitz beim derzeitigen Gebietsstand von 220,86 km² Stadtfläche bis zum Jahre 2020 zwischen 225.800 und 232.600 Einwohnern einpendeln wird.Chemnitzer Freie Presse vom 26. Juli 2007 auf eine Pressemitteilung der Stadt Chemnitz Diese Schätzung sieht somit für die Zukunft einen geringeren Rückgang der Einwohnerzahl vor als zurückliegende Prognosen verschiedener Institutionen. Dies ist unter anderem damit zu erklären, dass Einwohnerrückgänge seit 2006 nur noch natürlichen Bevölkerungsbewegungen, also einem negativen Geburtensaldo, unterlagen. Die räumliche Wanderungsbewegung des Jahres 2006 umfasste mit mehr Zuzügen als Wegzügen einen positiven Wanderungssaldo zu Gunsten der Stadt Chemnitz.

Neben dem Rückgang der Einwohnerzahl findet eine Verschiebung der Altersstruktur statt.Der Bundeswahlleiter: Aufgrund einer niedrigen Geburtenrate liegt der Anteil der Unter-15-Jährigen bei 10,1 %. Das ist der niedrigste Stand einer Großstadt in Deutschland. Der Anteil der 15- bis 25-Jährigen liegt bei 12,3 %, der der 25- bis 60-Jährigen bei 47,5 %. Der Anteil der Über-60-Jährigen lag 2005 bei 30,1 % und ist gemäß Daten vom 30. September 2008 um 2,5 % auf 32,6 % gestiegen, was noch immer der höchste Wert einer deutschen Großstadt ist. Zwischenzeitlich zeigt sich eine Trendwende bei den Geburten. Am 7. November 2008 wurde mit der 1000. Geburt im Jahr 2008 im DRK-Krankenhaus Rabenstein das erste Mal seit der Wende die Schallmauer von über 1100 Geburten im Jahr durchbrochen. Der absolute Tiefpunkt war nach der Wende im Jahre 1993 mit 535 Geburten erreicht. Der Anteil der Unter-15-Jährigen liegt per 30. September 2008 bei 10,4 % und ist damit im Vergleich zu 2005 um 0,3 % gestiegen.

Religionen
Petrikirche am Theaterplatz, eine von mehreren evangelischen Kirchen in Chemnitz

Etwa 80 % der Bevölkerung gehören 2007 keiner Religion an. Somit ist konfessionslos/konfessionsfrei der Religionsstatus der meisten Chemnitzer.

Die Bevölkerung der Stadt Chemnitz gehörte anfangs zum Bistum Meißen. Die Stadt war bereits ab 1254 Sitz eines Archidiakonats. Ab 1313 war der jeweilige Abt des Benediktinerklosters der Archidiakon. 1539 wurde die Reformation eingeführt und mit dem Pfarrer in St. Jacobi eine Superintendentur verbunden. 1540 wurden die noch bestehenden Klöster aufgehoben. Danach war Chemnitz über viele Jahrhunderte eine überwiegend protestantische Stadt. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis, doch kamen im 16. Jahrhundert auch reformierte Bestrebungen auf, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten. Chemnitz blieb innerhalb Sachsens stets Sitz einer Superintendentur. Heute bezeichnet man diesen Verwaltungsbezirk als Kirchenbezirk. Die Kirchengemeinden der Stadt gehören alle zu diesem Kirchenbezirk innerhalb der Region Chemnitz der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Der Kirchenbezirk Chemnitz umfasst auch Gemeinden außerhalb der Stadt Chemnitz. Innerhalb der Evangelischen Landeskirche gibt es in Chemnitz eine Landeskirchliche Gemeinschaft.

Im 19. Jahrhundert zogen wieder Katholiken in die Stadt. Diese gründeten alsbald eine eigene Pfarrgemeinde. Wie alle Katholiken im damaligen Königreich Sachsen gehörte auch die Gemeinde in Chemnitz zum Apostolischen Vikariat mit Sitz in Dresden, das seit 1743 zuständiger Verwaltungsbezirk in der Nachfolge des in der Reformationszeit aufgelösten Bistums Meißen war. Aus diesem Verwaltungsbezirk entstand 1921 (wieder) das Bistum Meißen, seit 1980 Bistum Dresden-Meißen, das heute zur Kirchenprovinz Berlin (Erzbistum Berlin) gehört. Chemnitz wurde innerhalb des Bistums Meißen Sitz eines Dekanats, zu dem auch Pfarrgemeinden außerhalb von Chemnitz gehören.

Neben den beiden großen Kirchen können auch viele Gemeinden verschiedener Freikirchen auf ein langes Wirken in Chemnitz zurückblicken. Darunter befinden sich eine Altlutherische Gemeinde, die Elim-Gemeinde (Mitglied im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden), eine Evangelisch-Freikirchliche Baptistengemeinde, die Heilsarmee, eine Evangelisch-Freikirchliche Brüdergemeinde, zwei Evangelisch-methodistische Gemeinden (Methodisten) sowie ein in der Evangelisch-methodistischen Kirche beheimatetes Klinikum (Bethanien). Weiterhin eine Evangelisch-reformierte Gemeinde (diese gehört zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer), eine Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten und eine freie evangelische Gemeinde. Außerdem gibt es 14 Gemeinden der Zeugen Jehovas.

Synagoge am Stephanplatz, Ansichtskarte um 1900

Das Leben der Stadt Chemnitz wurde durch eine, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene, lebendige jüdische Gemeinde stark geprägt. Im Jahr 1879 fand die erste Bestattung auf dem jüdischen Friedhof im Stadtteil Altendorf statt und 1899 konnte die erste Chemnitzer Synagoge am Stephanplatz eingeweiht werden. 1923 hatte die jüdische Gemeinde mit 3.500 Mitgliedern ihren Höchststand erreicht. Es gab 26 jüdische Vereine und jeder dritte der 600 Chemnitzer Fabrikanten, jeder zehnte Arzt sowie viele Künstler waren Juden. Viele jüdische Bürger verloren durch den Nazi-Terror, wie in ganz Europa, ihr Leben oder mussten fliehen. Auch die Synagoge wurde zerstört. Ab 1945 gab es wieder eine winzige Gemeinde. 1957 hatte sie gerade noch 35 Mitglieder und 1989 war die Gemeinde auf zwölf Personen geschrumpft. Nach der Deutschen Wiedervereinigung stieg die Zahl durch Zuwanderung aus ehemaligen GUS-Ländern auf heute ca. 650 Mitglieder. Außerdem wurde im Jahr 2002 eine neue Synagoge geweiht.

Zudem existiert eine muslimische Gemeinde, deren Gebetsräume sich im Stadtteil Zentrum befinden.

Chemnitzer Industriekultur
Aufgrund der zeitig einsetzenden Industrialisierung der Stadt Chemnitz und des enormen Erfolgs der Chemnitzer Unternehmer kann die Stadt heute auf eine Vielzahl von Industriedenkmälern verweisen, so beispielsweise die Gebäude der Wanderer-Werke AG und den Firmensitz der Presto-Werke, wo in den dreißiger Jahren die Auto Union einzog. Industriegeschichte vermitteln auch das Sächsische Eisenbahnmuseum in Chemnitz und das vollständig restaurierte Industriemuseum Chemnitz, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine Gießerei der damaligen Auto Union war.

Politik

Altes und Neues Rathaus im Jahr 1995
Im Jahre 1298 ist für Chemnitz bereits ein Bürgermeister und ein Rat bezeugt, die beide an der Spitze der Stadtverwaltung standen.
Im 14. Jahrhundert hatte der Rat mit dem Bürgermeister insgesamt zwölf Mitglieder. Ab 1415 gab es drei Räte, der „alte Rat“ (vom Vorjahr), der „neue Rat“ und der „ruhende Rat“, wobei der alte und neue Rat zusammen den „voll sitzenden Rat“ ergaben. Ihm stand der Bürgermeister vor. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es nur noch ein Ratskollegium. 1831 wurde eine neue Städteordnung eingeführt. Danach wählten die Bürger ihre Vertretung, die ihrerseits den Bürgermeister und die besoldeten Stadträte wählte. Mit dem Ausscheiden der Stadt Chemnitz aus der Amtshauptmannschaft 1874 erhielt der Bürgermeister den Titel Oberbürgermeister. Bekannte Bürgermeister aus der Zeit vor 1874 waren Ulrich Schütz (um 1500), Georgius Agricola (1546, 1547, 1551 und 1553), Paul Neefe (1556), Atlas Crusius (1663–1675), Christian Friedrich Wehner (1831–1846) sowie Johannes Friedrich Müller (1848–1873).

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die sowjetische Besatzungsmacht den „Rat der Stadt“ beziehungsweise die Stadtverordnetenversammlung ein. In der DDR fanden Wahlen statt, bei denen es oft nur eine Möglichkeit gab zu wählen. Es wurde starker direkter und indirekter Druck auf nicht linienkonforme Teile der Bevölkerung ausgeübt, die Wahlen waren nicht frei und unabhängig.

Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland wurde das zunächst als Stadtverordnetenversammlung, nunmehr als Stadtrat bezeichnete Gremium, wieder frei gewählt. Vorsitzender dieses Gremiums war zunächst ein besonderer Vorsitzender (ab 1990 Reinhold Breede, CDU). Heute ist der Oberbürgermeister Vorsitzender des Stadtrats. Der Stadtrat wählte anfangs auch den Oberbürgermeister. Seit 1994 wird der Oberbürgermeister jedoch direkt von den Bürgern der Stadt gewählt.

Georgius Agricola (1494–1555)

Liste der Oberbürgermeister seit 1874

Die Bürgermeistergalerie im Neuen Rathaus Chemnitz
(siehe auch: Liste seit ca. 1450)

Nachdem Peter Seifert im Frühjahr 2006 seinen Rücktritt zum 31. Juli 2006 aus Altersgründen ankündigte, fand am 11. Juni 2006 die erste Runde der Neuwahl des Stadtoberhauptes statt, bei der kein Kandidat die erforderliche absolute Mehrheit der Stimmen erreichen konnte. Die zweite Runde gewann am 25. Juni 2006 Barbara Ludwig (SPD) mit 49,65 % der abgegebenen Stimmen. Sie konnte jedoch zunächst das Amt des Oberbürgermeisters nicht antreten, da eine Klage gegen die Wahlumstände vorlag. So wurde sie im September 2006 vom Stadtrat zunächst zur Amtsverweserin gewählt, die den Titel Oberbürgermeisterin führt. Die Vereidigung als gewählte Oberbürgermeisterin erfolgte erst nach Beendigung des juristischen Verfahrens zum 18. Juli 2007. Die Zeit als Amtsverweserin wird auf die Wahlperiode der Oberbürgermeisterin angerechnet.

Wappen, Flagge und Dienstsiegel
Großes Wappen der Stadt Chemnitz

Die Stadt Chemnitz führt ein Wappen, eine Flagge und ein Dienstsiegel.

Das „Große Wappen“ der Stadt Chemnitz zeigt im gespaltenen Schild rechts in Gold zwei blaue Pfähle, links in Gold einen aufgerichteten, schwarzen, rot bewehrten Löwen. Über dem rot ausgeschlagenen Bügelhelm mit Medaillon und blausilbernen Decken zeigt es eine goldene Krone, daraus wachsend zwei mit Mundlöchern versehene silberne Büffelhörner, beide außen mit je fünf dreiblättrigen silbernen Lindenzweigen besteckt. Als „Kleines Wappen“ wird nur der Schild verwendet. Das Dienstsiegel zeigt das „Kleine Wappen“ der Stadt mit der Umschrift „Stadt Chemnitz“.

Wappen der Stadt Chemnitz (alt)
Die Krone weist auf die ehemalige Reichsstadt Chemnitz hin, die aber von dem aus Bayern stammenden Kaiser Ludwig IV. (daher die blausilbernen Farben) 1324 an die sächsischen Fürsten verpfändet und nicht wieder eingelöst wurde. Auf diese Besitzveränderung deuten der Löwe für die Markgrafschaft Meißen und die Landsberger Pfähle für die Mark Landsberg hin. Beide Wappensymbole sind bereits seit dem 15. Jahrhundert in den Siegeln der Stadt nachweisbar (vgl. auch das Wappen von Leipzig und Dresden). Sie wurden auch von den Kurfürsten von Sachsen als Herrscher über die Stadt Chemnitz geführt. Seit dem 18. Jahrhundert werden beide Wappensymbole in gespaltenem Schild dargestellt. Im Gegensatz zum heutigen Wappen sah der Löwe früher nach außen zum Rand des Schildes.

Flagge von Chemnitz
Als Flagge führt die Stadt Chemnitz die Farben Blau (oben) und Gold (unten). Diese Stadtfarben, statt Gold häufig Gelb, finden oftmals auch bei stadteigenen Unternehmen Verwendung.


Stadtrat
Die Zusammensetzung des Chemnitzer Stadtrates zeichnet sich durch ein breites parteipolitisches Spektrum aus, welches auch Parteien der politischen Ränder umfasst. Durch den Fraktionswechsel zweier Stadträte änderten sich die Stimmgewichte der Fraktionen. Die FDP erreichte bei der Wahl von 2004 ursprünglich vier Sitze, die Fraktion Perspektive hingegen drei. Nach dem Wechsel eines Stadtrates kurz nach der Stadtratswahl zur FDP konnte diese einen Sitz hinzugewinnen, währenddessen die Fraktion Perspektive nur noch zwei Abgeordnete stellt. Nach dem Verlassen eines Stadtrates aus der Fraktion der Republikaner stellen diese statt ursprünglich fünf noch vier Sitze. Am 11. Juni 2008 trat der Abgeordnete Paus aus der CDU-Ratsfraktion aus und begründete dies mit unbewiesenen Absprachen seiner Fraktion mit der Fraktion DIE LINKE im Zusammenhang mit der Wahl des Rechtsdezernenten. Der Stadtrat umfasste daher bis Juni 2009 zwei fraktionslose Mitglieder.
Sitzverteilung im Chemnitzer Stadtrat 2009
Nach der Wahl vom 7. Juni 2009 erreichte die FDP 7 Sitze im Chemnitzer Stadtrat. Doch da zwischen den Wählervereinigungen Liste C, Perspektive und Volkssolidarität keine Bürgerfraktion zustande kam, wechselten die Stadträte der Liste C und der Perspektive zur FDP die somit nun 9 Sitze im Stadtrat inne hat.

Tagung des Chemnitzer Stadtrates im historischen Stadtverordnetensaal

Die Sitzverteilung im Stadtrat seit 1990:


Städtepartnerschaften

Daneben pflegen auch einzelne Stadtteile Partnerschaften zu anderen Gemeinden. Auch bestand eine Partnerschaft mit Irkutsk.

Regionale Zusammenarbeit
Chemnitz ist das Oberzentrum des Direktionsbezirks. Die Stadt ist mit rund 46.000 Einpendlern täglich eine Einpendlerstadt.http://www.chemnitz.de/chemnitz/de/wirtschaft_und_wissenschaft/region/wireg.asp Rund ein Viertel der Beschäftigten in Chemnitz kommt aus dem regionalen Umfeld. Dies unterstreicht die erhebliche Bedeutung der Stadt als Beschäftigungsfaktor für die Region. Der Beschäftigungsanstieg seit 2006 in Chemnitz liegt um ein Drittel höher als im Direktionsbezirk. Jeder dritte neue Arbeitsplatz in Südwestsachsen ist in Chemnitz entstanden.

Die Stadt engagiert sich wesentlich in drei regionalen Zusammenhängen: der Metropolregion Sachsendreieck, der Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau und dem neu gegründeten Regionalkonvent.

Leitsprüche
Der seit 2007 offiziell verwendete Slogan „Stadt der Moderne“ bezieht sich auf das wirtschaftliche Aufstreben der Stadt während der industriellen Moderne und auf die deutlichen Einflüsse der kulturellen und architektonischen Moderne, welche sich in der kontrastreichen Architekturlandschaft sowie in der Liste der berühmten Söhne und Töchter widerspiegeln. Weitere Slogans waren bis 2007, auf das Karl-Marx-Monument anspielend, „Stadt mit Köpfchen“ und „InnovationsWerkStadt“.

Wirtschaft und Infrastruktur
Chemnitzer Wirtschaft
VW-Motorenwerk Chemnitz
Chemnitz ist heute die in Ostdeutschland am stärksten industrialisierte Region. Die Kernbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau sind eng vernetzt mit einer breiten Basis aus Unternehmen angrenzender Branchen, vor allem der Werkstoff- und Beschichtungstechnik, Metallverarbeitung, Automatisierungstechnik und Mikrosystemtechnik. Diese Systemkompetenz und eine starke Präsenz von unternehmensnahen Dienstleistern sorgen für eine umfassende Abdeckung der Wertschöpfungskette.

Seit 1995 entstanden in Chemnitz und der Region mehr als 7.000 neue Unternehmen. Namhafte Firmen wie das Volkswagen-Motorenwerk, ThyssenKrupp, Continental und IBM sowie Hörmann Rawema und die Union Werkzeugmaschinen GmbH haben ihren Sitz in Chemnitz. Auch viele ausländische Investoren vertrauen dem Standort: Starrag (Schweiz) fusionierte mit Heckert. Die Unternehmen Niles Simmons (USA), Barmag (Schweiz) und Anchor Lamina (Kanada) haben sich ganz bewusst für Chemnitz entschieden.

Eine Schlüsselrolle in der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt spielt das verarbeitende Gewerbe. Im Jahr 2008 betrug das Umsatzwachstum 8,8 Prozent. Damit ist die Industrie in Chemnitz bereits im vierten Jahr in Folge stärker gewachsen als in Deutschland. Die Arbeitslosenquote in Chemnitz lag im Jahr 2008 bei durchschnittlich 13 Prozent.Statistik des Arbeitsamtes, Detaillierte InformationenDas ist der niedrigste Wert seit 15 Jahren. In Chemnitz arbeiten rund 107.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Seit dem Jahr 2006 nimmt die Zahl stetig zu. 15,6 Prozent der Beschäftigten in Chemnitz waren im Jahr 2007 hochqualifizierte Arbeitskräfte mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Das Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2006 rund 6,6 Milliarden Euro. Das entspricht 26.710 Euro pro Einwohner bzw. 45.172 Euro je Erwerbstätigen.Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen Damit belege Chemnitz hinsichtlich der Wirtschaftsleistung (gemessen am BIP je Einwohner) deutschlandweit einen Platz im vorderen Drittel, innerhalb von Sachsen Platz 2 von 13.Regionalranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) 2009, http://www.insm-regionalranking.de/2009_index.html

In der nationalen Presse macht Chemnitz als Aufsteiger des Jahres 2008 im Ranking der 50 größten Städte Deutschlands von sich Reden. Im jährlichen erscheinenden Städteranking der Wirtschaftswoche verbesserte sich Chemnitz um 14 Plätze und nimmt nunmehr eine Position im gesamtdeutschen Mittelfeld ein. Chemnitz zählt zum fünften Mal in Folge zu den zehn wachstumsstärksten Städten. Auch hinsichtlich der Wirtschaftsfreundlichkeit der Stadt belegt Chemnitz 2008 einen dritten Platz und rangiert damit zum dritten Mal in Folge unter den Besten Zehn.

Maschinen- und Anlagenbau in Chemnitz
Seit mehr als anderthalb Jahrhunderten hat Chemnitz den Ruf eines Zentrums des Maschinenbaus. Johann von Zimmermann, gebürtiger Ungar, setzte ab 1848 erstmals in Deutschland in seinem Betrieb ausschließlich auf den Bau von Werkzeugmaschinen. Von anderen belächelt, hatte er damit Erfolg und war der Erste, der in Deutschland nachhaltig und dauerhaft Werkzeugmaschinenbau betrieb. Heute existiert in Chemnitz die älteste sächsische und in Deutschland eine der ältesten Werkzeugmaschinenfabriken: die UNION Werkzeugmaschinen GmbH. Sie wurde 1852 von David Gustav Diehl gegründet. Bereits 1850 befanden sich 62 Prozent aller sächsischen Maschinenbaufabriken in Chemnitz. Damit wurde Chemnitz zur Wiege des deutschen Maschinenbaus und bis zum Ende des Zweiten Weltkrieg wichtigsten Maschinenbaustandort in Deutschland.

Heute sind über 100 mittelständische Unternehmen in dieser Kernbranche tätig. Darüber hinaus finden sich mehr als 500 Maschinenbau- und Zulieferunternehmen im regionalen Umfeld. Die Branche zeichnet sich durch eine über 50-prozentige Exportquote aus. Herausragende Kompetenzen im Raum Chemnitz liegen in der Herstellung von Werkzeug-, Textil- und Sondermaschinen sowie in der Automatisierungstechnik. Mehr als 10.000 Fachkräfte sind in diesem Sektor beschäftigt.

Automobil- und Zulieferindustrie
Die traditionelle Stärke von Chemnitz liegt seit jeher beim Maschinen- und Anlagenbau. 1932 wurde die Auto Union AG gegründet, die seit 1936 hier ihren Sitz hatte. Später war nachfolgend hier der Sitz des VEB IFA-Kombinates PKW, Karl-Marx-Stadt und des WTZ-Automobilbau (WTZ – wissenschaftliches und technisches Zentrum). Insgesamt beliefern heute ca. 250 UnternehmenQuelle wird hinzugefügt unter anderem die sächsischen Produktionsstandorte von VW, Porsche und BMW. In Chemnitz erwirtschaften allein 90 Unternehmen der Automobil- und Zulieferindustrie einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.Zeitpunkt und Quelle wird hinzugefügt Beispielhaft seien an dieser Stelle die Unternehmen SITEC Industrietechnologie, ESKA Schraubenwerke, Hydroforming Chemnitz, Anchor Lamina, Niles Simmons sowie die IAV Ingenieurgesellschaft genannt. Im Chemnitzer VW-Motorenwerk, einem Unternehmen der Volkswagen Sachsen GmbH, werden 3400 Motoren und 3000 Ausgleichswellengetriebe pro Tag gefertigt. Mit dem Ziel der langfristigen Sicherung von Arbeitsplätzen kooperieren die sächsischen Automotive-Unternehmen im Rahmen der AMZ Verbundinitiative Automobilzulieferer Sachsen.

Mikrosystemtechnik
Die Mikrosystemtechnik gehört zu den führenden Zukunftsbranchen in Deutschland. In Chemnitz und der Region haben sich 40 Unternehmen in diesem Marktsegment etabliert. Ein besonderer Standortvorteil für Chemnitz ist die Nähe zu den wichtigsten Anwenderbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau/Automation. Intensive Forschungsarbeit im Bereich der Mikrotechnologie wird an der Technischen Universität Chemnitz geleistet. Die TU Chemnitz unterhält ein Zentrum für Mikrotechnologie sowie Professuren für Mess- und Sensortechnik, Mikrosystem- und Gerätetechnik, Mikrotechnologie und Mikrofertigungstechnik. Weiterhin stehen als wichtige außeruniversitäre Forschungspartner die Abteilung für Micro Devices Integration der Fraunhofer-Einrichtung für elektronische Nanosysteme (ENAS) und die Abteilung für Systemtechnik des Fraunhofer-Institutes für Werkzeugmaschinen und Umformtechik (IWU) zur Verfügung. Unternehmen wie 3D Micromac, die Amtec GmbH, die Gesellschaft für Microspace Mess- und Sensortechnik GmbH operieren mit großem Erfolg in Chemnitz. Mit dem Smart Systems Campus baut Chemnitz seine Kompetenzen im Bereich der Mikrosystemtechnik weiter aus.

Smart Systems Campus
Auf 6,3 Hektar Fläche entsteht in Chemnitz ein Kompetenzzentrum für Mikrosystemtechnik – der Smart Systems Campus. Im Sommer 2009 werden die letzten Bauarbeiten abgeschlossen. Der Smart Systems Campus ist ein 3-Säulenpark. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Technischen Universität Chemnitz, zum Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umwelttechnik (IWU) und zur Fraunhofer-Einrichtung für elektronische Nanosysteme (ENAS) können sich junge, schnell wachsende Start-ups neben den renommierten internationalen Unternehmen ansiedeln. Durch kurze Wege untereinander soll dabei die Verbindung von Forschung und Entwicklung zur industriellen Umsetzung erleichtert werden. Das von der Stadt errichtete Start-up Gebäude mit einer Nutzfläche von 2.500 Quadratmetern bietet Platz für ca. 15 Existenzgründer. Ca. 3,3 Hektar Fläche stehen für Unternehmensansiedlungen zur Verfügung. Als erstes Unternehmen hat die Firma 3D-Micromac ihren Firmensitz auf den Smart Systems Campus verlegt.

Spitzentechnologiecluster eniPROD
Das Spitzentechnologiecluster "Energieeffiziente Produkt- und Prozessinovationen in der Produktionstechnik" (eniPROD) der TU Chemnitz und des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) setzte sich im sächsischen Landesexzellenzwettbewerb durch und wird in den nächsten Jahren mit 35 Mio. Euro an Forschungsgeldern aus Landesmitteln und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. Aufgabe der Projektverbundes ist es, die Energieeffizienz in der Produktion zu erhöhen. Neben der Forschung ist eine enge und intensive Kooperation mit industriellen Anwendern geplant.

eniPROD wird einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Chemnitzer Profils als Standort für den Maschinen- und Anlagenbau leisten.

Einzelhandel
Die Chemnitzer Einkaufslandschaft ist geprägt durch die nach der Wende entstandenen Einkaufszentren und Kaufhäuser. Historisch gewachsene Einzelhandelsstrukturen finden sich deutlich weniger als in anderen Städten gleicher Größenordnung. In der Innenstadt entstanden zum Beispiel die Galerie Roter Turm, Galeria Kaufhof, Peek & Cloppenburg, Rathauspassage, Schmidt-Bank-Passage, Klosterstraße und Rosenhof. Am Rande der Stadt Chemnitz wurden große Einkaufszentren (Chemnitz Center, Neefepark und andere) errichtet.

Datei:ChemnitzBlick.jpg|Blick zur „Galerie Roter Turm“
Datei:Chemnitz-Glaesernes-Kaufhaus.jpg|Gläsernes Kaufhaus von Helmut Jahn
Datei:neues Rathaus Chemnitz.jpg|Blick zum Chemnitzer Marktplatz
Datei:RathauspassageChemnitz.JPG|Rathauspassage


weitere ansässige Unternehmen (Auswahl)
* Braustolz GmbH
* Bruno Banani
* CAC Chemieanlagenbau Chemnitz GmbH
* Hörmann Industrietechnik GmbH
* KARL MAYER Malimo Textilmaschinenfabrik GmbH, Kettenwirkautomaten für technische Textilien
* Megware Computer GmbH – High Performance Computing aus Sachsen
* Metallgießerei Chemnitz GmbH – vormals Metallgiesserei J. Hennig, gegründet 1911
* oerlikon Barmag
* printed systems GmbH, gedruckte Elektronik im Papier
* Samputensili GmbH, Zahnradschleifmaschinenbau
* SCHÖNHERR Textilmaschinenbau GmbH, Webmaschinen und Jacquardmaschinen
* Siemens AG Chemnitz (mit ca. 600 Mitarbeitern)
* Terrot GmbH, Strickmaschinen
* Trompetter Guss Chemnitz



Bildung und Forschung

Technische Universität Chemnitz (TUC)
Hauptgebäude der Technischen Universität Chemnitz

Die Technische Universität Chemnitz geht zurück auf die 1836 gegründete "Königliche Gewerbschule Chemnitz", die anfangs eine Bildungsstätte der Textilindustrie war. 1882 kam die Elektrotechnik hinzu und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als "Staatliche Akademie für Technik" geführt. Im Jahre 1953 stieg sie zur Hochschule für Maschinenbau auf und 1963 wurde sie eine Technische Hochschule. Schließlich wurde sie 1986 in den Rang einer Technischen Universität erhoben. Die Technische Universität hat aktuell zwischen 10.000 und 11.000 Studenten.

Forschungseinrichtungen
Rund 50 Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen in Chemnitz garantieren einen dynamischen Innovationsprozess der örtlichen Unternehmen.

* Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU)
* Fraunhofer-Einrichtung für Elektronische Nanosysteme (ENAS)
* Zentrum für Mikrotechnologie (ZfM) der TU Chemnitz
* Institut für Mechatronik e. V. (IfM)
* Institut für Konstruktion und Verbundbauweisen e. V. (KVB)
* SIVUS gGmbH Gesellschaft für Verfahrens- Umwelt- und Sensortechnik
* Sächsisches Textilforschungsinstitut e. V. (STFI)
* Cetex Chemnitzer Textilmaschinenentwicklung gGmbH
* Exzellenzzentrum Automobilproduktion am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU und der Volkswagen AG

Um die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität weiter zu verbessern, wurde im Jahr 2007 eine entsprechende Kooperationsvereinbarung getroffen, die den Austausch auf vielen Ebenen vorantreibt.

Fort- und Weiterbildung
* Bildungs- und InnovationsPortal der LEB im Freistaat Sachsen e. V.

Schullandschaft
Die Schullandschaft von Chemnitz umfasst im Schuljahr 2006/07 mehr als 90 Schulen, davon über 40 Grundschulen, 19 Mittelschulen und sieben Gymnasien. Bekannte Schulen sind das Sportgymnasium (ehemals DDR Kinder- und Jugendsportschule Karl-Marx-Stadt), an der spätere Spitzensportler wie z.B. Katarina Witt, Michael Ballack und Lars Riedel ausgebildet wurden. Auf mathematisch-naturwissenschaftlichem Gebiet ist auf Grund der Teilnahme von Schülern an unterschiedlichen Weltmeisterschaften dieser Richtung das Johannes-Kepler-Gymnasium, früher „Spezialschule Hans Beimler“, bekannt. Das älteste Gymnasium der Stadt ist das Georgius-Agricola-Gymnasium, welches auch bilingualen Unterricht anbietet. In noch älterer Tradition, nämlich der der 1399 eröffneten Lateinschule steht das Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium. Seit 1871 werden seine Schüler, zu denen auch Stefan Heym und Karl Schmidt-Rottluff gehörten, auf dem Kaßberg unterrichtet. Das historisch bedeutsame, ehemalige Alexander-von-Humboldt-Gymnasium war in den 1920er-Jahren die „Versuchsschule Chemnitz“. Zudem gibt es noch das Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasium im Stadtteil Bernsdorf.
Erwähnenswert ist auch die Grund- und Mittelschule Albrecht-Dürer-Schule, welches das Chemnitzer Schulmodell, ein Schulversuch mit besonderer pädagogischer Prägung, praktiziert.

Die Zahl der Schulen musste seit Ende der 1990er-Jahre, bedingt durch die stark zurückgehenden Schülerzahlen, verringert werden. Die Schülerzahl hat sich bis heute bezugnehmend auf das Schuljahr 1994/95 nahezu halbiert. Von dieser Entwicklung waren gleichermaßen Grund- und Mittelschulen sowie Gymnasien betroffen, sodass einige aufgehoben wurden und mit anderen Schulen eine Fusion eingingen. Die Schulnetzplanung sieht für die Zukunft 16 Mittelschulen und sieben Gymnasien vor.

Erfindungen und Patente
Seit 2005 ist die Zahl der Patentanmeldungen in Chemnitz um rund 67 Prozent gestiegen und lag bei 50,3 Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner im Jahr 2008.

Technologie-Centrum-Chemnitz
Junge, innovative Unternehmen und Start-ups finden Unterstützung im Technologie Centrum Chemnitz (TCC). Das TCC ist eines der erfolgreichsten Technologiezentren Ostdeutschlands. Als modernes Dienstleistungszentrum bertreut und begleitet das TCC technologieorientierte Unternehmensgründungen und Jungunternehmen. Aktuell werden 66 Unternehmen mit 406 Mitarbeitern im TCC betreut. Sie finden auf 11.000 Quadratmetern Werkstatt- und Bürofläche beste Voraussetzungen. Die Erzeugnisse der Firmen im TCC werden überwiegend als „höherwertige Technik“ oder „Spitzentechnik“ eingestuft. Rund 75 Prozent der TCC-Firmen betrieben eigene Forschung und Entwicklung.

Bereits in der Vergangenheit waren die Chemnitzer sehr einfallsreich. In Chemnitz gemachte Erfindungen sind zum Beispiel:

* Der Nullenzirkel mit feststehender Achse (1874) sowie die Punktierfeder wurden von dem gelernten Uhrmacher Emil Oskar Richter erfunden.
* Die Grundlage für die Thermoskanne schuf der Lehrer Adolf Ferdinand Weinhold. In seinem Lehrbuch „Physikalische Demonstrationen“ beschrieb er eine Vakuum-Mantelflasche zu Laborzwecken.
* Das erste vollsynthetische Feinwaschmittel (Fewa) erfand 1932 Heinrich Gottlob Bertsch.
* Der Heftstreifen (auch "Akten-Dulli") wurde 1939 von dem Chemnitzer Carl Kohl erfunden.

Öffentliche Einrichtungen
Anbau (l., 2008) und Komplementbau (1981) der Klinikum Chemnitz gGmbH, Flemmingstraße 2, ehemals Bezirkskrankenhaus „Friedrich Wolf“
Filiale der Bundesbank

In Chemnitz haben folgende Einrichtungen und Institutionen beziehungsweise Körperschaften des öffentlichen Rechts ihren Sitz:

* Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
* Handwerkskammer Chemnitz
* IHK Südwestsachsen Chemnitz-Plauen-Zwickau
* Oberfinanzdirektion Chemnitz
* Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (ehemaliges Landesarbeitsamt)
* Landesdirektion Chemnitz
* Landesarbeitsgericht Sachsen
* Landessozialgericht Sachsen
* Landgericht Chemnitz
* Amtsgericht Chemnitz
* Sozialgericht Chemnitz
* Verwaltungsgericht Chemnitz
* Arbeitsgericht Chemnitz
* Kommunaler Sozialverband Sachsen, Außenstelle Chemnitz
* Landesamt für Finanzen, Außenstelle Chemnitz
* Straßenbauamt Chemnitz
* Autobahnamt Sachsen, Autobahnmeisterei Chemnitz-Meerane
* Hauptzollamt Erfurt- Standort Chemnitz (ehemals Hauptzollamt Chemnitz)
* CWE / Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH
* Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, Verwaltungsstelle Chemnitz
* Sächsische Bildungsagentur (dem Sächsischen Staatsministeriums für Kultus nachgeordnete Landesbehörde, die hauptsächlich die Aufgaben der ehemaligen Regionalschulämter wahrnimmt)

Verkehrsanbindung
Straßenverkehr
Chemnitz im sächsischen Autobahnnetz
Chemnitz wird von zwei Autobahnen durchzogen. Durch das nordwestliche Stadtgebiet führt als Ost-West-Achse die A 4 Erfurt – Dresden, welche am Kreuz Chemnitz auf die von Hof über die westlich gelegenen Stadtteile kommende A 72 trifft. Die Weiterführung der A 72 nach Leipzig befindet sich in Bau und ist bisher über eine Länge von ca. 11 km bis zur Anschlussstelle Niederfrohna freigegeben. Im Chemnitzer Stadtgebiet gibt es acht Anschlussstellen zu den beiden Autobahnen. Die geplante Bundesautobahn 74 zwischen Chemnitz und Komotau über Zschopau, Marienberg und Hirtstein wurde bereits im Planungsstadium zurückgesetzt. Ein vierstreifiges Teilstück der B174 zwischen Stadtgrenze Chemnitz und Zschopau lässt die ehemals geplante A74 gut erahnen.

Innenstadtring Chemnitz mit Blick auf die Kreuzung Annaberger Straße
Durch das Chemnitzer Stadtgebiet führen die Bundesstraßen B 95, B 107, B 169, B 173 und B 174. Sämtliche Bundesstraßen bilden den südöstlichen Teil des sogenannten Cityrings, welcher das Stadtzentrum vollständig umschließt. Um die Innenstadt vom ortsfremden Durchgangsverkehr zu entlasten, soll der bereits vorhandene Cityring, durch einen vorgelagerten und in Teilen bereits existierenden Innenstadtring ergänzt werden. Zudem wird mit der Erweiterung des Südrings in nordöstlicher bzw. nordwestlicher Richtung, dieser in seiner Bedeutung als Tangentialverbindung gestärkt, so dass in Zukunft der Transitverkehr aus Richtung Erzgebirge über diese Verbindung zu der im Norden befindlichen Autobahn A4 geführt werden kann. Eine indirekte Verbindung mit der westlich der Stadt liegenden A72 ist bereits vorhanden.

Die Idee von zwei Stadtringen um das historische Zentrum wurde bereits im frühen 20. Jahrhundert geboren. Bis heute konnte keiner der beiden Ringe komplett verwirklicht werden. Es existieren jedoch bereits ein Teilstück des so genannten Innenstadtrings im Bereich zwischen Zschopauer- und Zwickauer Straße sowie ein größerer Teil des äußeren Stadtringes, dem Südring weiter stadtauswärts.

Schienenverkehr
Seit der Fertigstellung der Chemnitz-Riesaer Eisenbahn 1852 ist die Stadt über Riesa mit der Eisenbahn an die beiden anderen sächsischen Großstädte Leipzig und Dresden angeschlossen. 1858 folgte die Erweiterung der Bahnstrecke nach Zwickau, hinzu kamen in der Folgezeit weitere Bahnstrecken nach Annaberg 1866, nach Dresden und Hainichen 1869, nach Leipzig und Limbach 1872, nach Aue und nach Marienberg/Reitzenhain 1875, nach Stollberg 1895 und 1902 nach Wechselburg und Rochlitz. 1903 folgte die für den Güterbahnverkehr bestimmte Güterumgehungsbahn nach Grüna.

Chemnitzer Hauptbahnhofes
Heute verkehren nach Dresden und Zwickau Regionalbahnen im Stundentakt, darüber hinaus bedienen ausgehend von Dresden Regional-Express- und Interregio-Express-Züge die Sachsenmagistrale bis Hof bzw. Nürnberg. Ein Regional-Express verknüpft Chemnitz über die Mitte-Deutschland-Verbindung mit Erfurt und Göttingen. Stündlich stellen Regional-Express-Züge die Verbindung zum nationalen Knoten Leipzig Hbf. sicher. Auf den Strecken in Richtung Vejprty (Weipert) und Olbernhau über Flöha sowie nach Aue verkehren Regionalbahnen der Erzgebirgsbahn. Die Strecken nach Stollberg, Burgstädt und Hainichen werden durch die City-Bahn Chemnitz befahren. Die Strecken nach Grüna/Wüstenbrand und Limbach-Oberfrohna werden weder für Personen- noch für Güterverkehr in Anspruch genommen.

Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es durch diese Umstände Diskussionen in der Stadt, welche die politisch Verantwortlichen auffordern, sich um eine Verbesserung der Anbindung zu bemühen. Diesen negativen Umstand wollte die Deutsche Bahn mit dem am 11. Dezember 2005 in Betrieb gesetzten "Chemnitz-Leipzig-Express (CLEX)" und der Kampagne „Start-Ziel-Sieg: 59 Minuten von Chemnitz nach Leipzig“ beheben. Zwar wurde die Strecke nach Leipzig in den vergangenen Jahren für eine Geschwindigkeit von 160 km/h ausgebaut, jedoch ist die Bahnstrecke teilweise eingleisig und zudem nicht elektrifiziert. Auch im Eisenbahngüterverkehr ist Chemnitz nach Stilllegung und Abbruch des Rangierbahnhofes Chemnitz-Hilbersdorf kein Eisenbahnknoten mehr.

Öffentlicher Nahverkehr
Der Prototyp mit der Wagennummer 601 der heute in Chemnitz verkehrenden Variobahnen an der Haltestelle „Südring“

Den innenstädtischen öffentlichen Personennahverkehr bedienen vier Straßenbahnlinien, 25 Stadtbuslinien der Chemnitzer Verkehrs-Aktiengesellschaft (CVAG) und 27 Regionalbuslinien. Des Weiteren führt eine Stadtbahnlinie vom Stadtzentrum nach Stollberg. Dabei befahren die Niederflurfahrzeuge sowohl das Straßenbahn- als auch das Eisenbahnnetz. Täglich decken zwischen Mitternacht und 4:30 Uhr acht Nachtbuslinien alle dichtbesiedelten Stadtteile ab und sichern einen Nahverkehr rund um die Uhr. Die Stadt Chemnitz ist in den Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) eingebunden. Alle öffentlichen Verkehrsmittel können daher zu einheitlichen Tarifen des VMS benutzt werden.

Das Chemnitzer Straßenbahnnetz
Das Streckennetz der Straßenbahn ist verhältnismäßig klein und bedient hauptsächlich Stadtteile im südlichen Stadtgebiet, da Strecken in nördlichen Stadtteilen im Rahmen eines Umspurungsprogrammes (von 925 mm auf 1435 mm) bis Ende der 1980er Jahre stillgelegt und aus finanziellen Gründen nicht wieder reaktiviert wurden. Ab 2010 soll das Straßenbahnnetz auch im Hinblick auf eine Stadtbahnverbindung nach Limbach-Oberfrohna in Richtung Norden erweitert werden. Die vier Straßenbahnlinien tragen einstellige Liniennummern, Stadtbusse dagegen zweistellige Nummerierungen. Die acht Nachtbuslinien tragen vor den zweistelligen Linienkennungen das Präfix "N". Sämtliche Stadtbuslinien werden durch behindertenfreundliche Niederflurbusse bedient, die mit einer elektronischen Luftfederung ausgestattet sind. Rund die Hälfte aller eingesetzten Straßenbahnfahrzeuge sind niederflurig, die Linien 6 (früh am Morgen und am Abend verkehren keine Niederflurbahnen) und 522 haben nur Niederflurbahnen.

Zusätzlich zum rein städtischen Nahverkehr werden im Stadtgebiet 27 Regionalbuslinien (betrieben von "Autobus GmbH Sachsen", "REGIOBUS GmbH Mittweida", "BVO Verkehrsbetriebe Erzgebirge GmbH", "Verkehrsbetriebe Kreis Freiberg GmbH" und "Reisedienst Dörfelt OHG") bedient. Darunter sind zwei Expressbuslinien, zwei Regionalstadtbahnlinien der City-Bahn Chemnitz und zahlreiche Regionalexpress- und Regionalbahnlinien der Deutschen Bahn AG. Die Regionalbuslinien haben eine dreistellige Nummerierung, die Regionalstadtbahnlinien der City-Bahn Chemnitz nach Burgstädt und Hainichen tragen die jeweilige Kursbuchstreckennummer. Die drei wichtigsten Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs sind "Zentralhaltestelle" mit vier Straßenbahn-, einer Stadtbahn- und neun Stadtbuslinien, "Omnibusbahnhof" als Zentraler Omnibus-Bahnhof (ZOB) für den Regional- und Fernbusverkehr und "Hauptbahnhof", Knotenpunkt der 19 im Stadtgebiet liegenden Bahnhöfe als zentraler Umsteigepunkt zum Schienenverkehr.

Zentralhaltestelle
Es ist geplant, um 2009 im Rahmen des „Chemnitzer Modells“ die Regionalstadtbahnlinien nach Burgstädt und nach Mittweida mit neu zu schaffenden Zwei-System-Fahrzeugen in Niederflurbauweise über das Straßenbahnnetz in die Chemnitzer Innenstadt zu verlängern. (PDF; 1077 KB) Dabei soll ab 2009 eine Durchfahrt im Hauptbahnhof geschaffen werden, um dort Gleisverbindungen zwischen dem Straßenbahn- und Eisenbahnnetz herzustellen. (PDF; 1384 KB) Vorbereitende Baumaßnahmen für Abschnitte der Straßenbahn zwischen Hauptbahnhof und Stadtzentrum sind bereits erfolgt. Darüber hinaus ist in einer zweiten Stufe eine Verbindung nach Hainichen angedacht. Ferner ist eine Erweiterung auf die Eisenbahnstrecken ins Erzgebirge, Richtung Dresden und Zwickau denkbar.

Flugverkehr
Südlich von Chemnitz befindet sich der Flugplatz Chemnitz-Jahnsdorf. Dieser Verkehrslandeplatz wird zur Zeit ausgebaut. In der Endausbaustufe wird er über eine 1400 m lange und 20 m breite Start- und Landebahn verfügen (Oberbau: Asphalt). Des Weiteren verfügt er dann über ein Terminal mit aufgesetztem Tower, einer Tankstelle sowie einem Hangar. Auch neu ist die Befeuerung der Start- und Landebahn und der Rollwege inklusive Anflugblitz (Anflugrichtung) und PAPI (Gleitwinkel). Damit ist der Anflug auch bei schlechtem Wetter und in der Nacht möglich, jedoch nur für den Sichtflug. Perspektivisch ist ein weiterer Ausbau denkbar, allerdings nur wenn eine Wirtschaftlichkeit hierfür vorliegt.

Beim Flugplatz Chemnitz-Jahnsdorf handelt es sich nicht um den ersten Chemnitzer Flughafen. Das Gebäude des ehemaligen Flughafens Chemnitz (auch „Ikarus“ genannt) an der Stollberger Straße aus der Anfangszeit der Luftfahrt in Deutschland ist noch erhalten und liegt heute inmitten des Wohngebietes „Fritz Heckert“ im Südwesten von Chemnitz.

Die nächstgelegenen internationalen Flughäfen sind der Flughafen Dresden (80 km) und der Flughafen Leipzig/Halle (90 km). Außerdem gibt es über den etwa 50 km entfernten Flugplatz Altenburg-Nobitz einen durch Ryanair durchgeführten Linienverkehr nach Edinburgh, London und Girona. Es gibt jedoch zu keinem der Flughäfen einen speziell dafür eingerichteten Zubringerdienst.

Medien
Presse
Verlagsgebäude der Chemnitzer Tageszeitung „Freie Presse“
Im Direktionsbezirk Chemnitz erscheint als Tageszeitung die „Freie Presse“. Sie ist mit einer verkauften Auflage im vierten Quartal 2007 von 311.200 Exemplaren pro Werktag (Quelle: IVW) nach eigener Aussage die auflagenstärkste regionale Tageszeitung Mitteldeutschlands. Des Weiteren erscheint in der Stadt die Chemnitzer Morgenpost (verkaufte Auflage VI/2007: 33.000 Exemplare) von Gruner + Jahr als Lokalausgabe der Morgenpost Sachsen. Sie gibt es mit einer eigenen Ausgabe auch am Sonntag („Morgenpost am Sonntag“). Die bundesweit erscheinende Bild-Zeitung bedient mit einer Redaktion in Chemnitz die Region, verkaufte Auflage: 50.600 Stück. Die monatlich erscheinenden Stadtmagazine „371“, „Stadtstreicher“ (ca. 17.400), „Blitz! Chemnitz“ (ca. 22.700) und „port01“ (ca. 8.600) enthalten u. a. einen Veranstaltungsplaner für Chemnitz, Zwickau und deren Großraum.IVW e. V.: (506 Kb, zip)

Als kostenlose Chemnitzer Anzeigenblätter werden jeden Mittwoch der „WochenSpiegel“ und „Blick“ sowie samstags der „Blitzpunkt“ und „WochenSpiegel zum Wochenende“ verteilt. Das Anzeigenblatt „Blick“ erscheint zudem sonntags als „Sonntagsblick“.

Die Stadt Chemnitz gibt das wöchentlich erscheinende „Amtsblatt Chemnitz“ heraus. Es wird von der Pressestelle im Rathaus redaktionell betreut und mit einer Auflage von 130.000 Exemplaren mittwochs kostenlos an einen Großteil der Chemnitzer Haushalte verteilt. Das zum Teil von Anzeigen finanzierte „Rathaus-Journal“ veröffentlicht amtliche Bekanntmachungen und berichtet über das aktuelle Stadtgeschehen. Es kann (zurück bis ins Jahr 2005) als PDF-Datei auf der städtischen Internetseite heruntergeladen werden.Stadt Chemnitz: Dienstleistungen der Ämter:

Hörfunk
Seit dem 23. Mai 1993 ist der Radiosender "Radio Chemnitz" terrestrisch über die Frequenz 102,1 MHz in der Region Chemnitz zu empfangen. Ebenso kann man terrestrisch auf 102,7 MHz Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr das „Radio UNiCC“ – das Uniradio der TU Chemnitz – sowie von 19 bis 23 Uhr (Sa. und So. von 12 bis 24 Uhr) das Chemnitzer Bürgerradio "Radio T" empfangen. Auf der gleichen Frequenz sendet aus dem Medienhaus Chemnitz das sächsische "apollo radio". Einer der "Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle" (kurz: "SAEK") ist in Chemnitz ansässig und sendete per Livestream im Internet. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) berichtet auf der Frequenz 92,8 MHz im Programm "MDR 1 Radio Sachsen" mehrfach am Tag aus seinem Chemnitzer Studio. Der private Hörfunkkanal "Radio PSR" (100,0 MHz) hatte ab 1992 ein Regionalstudio in Chemnitz, das später geschlossen wurde. Regionale Informationen aus Chemnitz und der Umgebung gibt es zudem im Programm von "Radio Energy" (97,5 MHz), welches hier seit dem 21. Juni 1993 sendet und zunächst ein Regionalstudio am "Rosenhof" und später in der "Schulstraße" "(Europark)" unterhielt.

Fernsehen
Das Chemnitzer Medienhaus in der Carolastraße
In der Region Chemnitz ist über Kabel und Antenne der Fernsehsender "Sachsen Fernsehen" zu empfangen, der von der "09111 Studio Chemnitz GmbH & Co. KG" produziert wird. Zunächst begann dieser Regionalsender am 4. Oktober 1993 mit der erst viertel-, dann halbstündigen Sendung "Drehscheibe Chemnitz", die als werktägliches Regionalfenster das analog auf dem terrestrischen Kanal 45 ausgestrahlte VOX von 17:30 bis 18:00 Uhr unterbrach. Die Wiederholung erfolgte von 18:00 bis 18:30 Uhr, ebenso werktäglich, auf Kanal 47, auf dem das Programm von RTL ausgestrahlt wurde. Seit Juli 1999 ist "Sachsen Fernsehen" ganztägig auf dem bisher von RTL genutzten terrestrischen Kanal zu sehen. Weitere Lizenznehmer sind "Leipzig" und "Dresden Fernsehen".

Der "SAEK" (s. o.) betreibt in Chemnitz auch einen Fernsehbereich, bei dem sich junge Fernsehmacher ausprobieren können. Dafür stellt "Sachsen Fernsehen" sonntags ein Programmfenster bereit.

Daneben gab es 1995/96 mit "MIG Chemnitz TV" ein weiteres Regionalprogramm, welches hauptsächlich analog im Kabelnetz der RFC ausgestrahlt wurde. Außer einer Bildschirmzeitung wurde ein täglich wiederholtes wöchentliches Regionalmagazin gezeigt.

Filme
Karl-Marx-Stadt war Handlungs-, jedoch kein Drehort im James-Bond-Film Octopussy aus dem Jahre 1983.

Daneben existieren mehrere Filme mit Chemnitz als Drehort, so „Bilderbuch Deutschland: Chemnitz – Das Tor zum Erzgebirge“, die Erstausstrahlung der 45-minütigen Dokumentation in der ARD erfolgte am 27. Juni 2004. Die neunteilige Jugendserie „Die Eisprinzessin“ der ARD von 1991 hatte ebenfalls Chemnitz als Drehort.

Die Folge „Reklamierte Rosen“ der Fernsehserie Polizeiruf 110 von 1976 spielt teilweise in Karl-Marx-Stadt.

Der Chemnitzer Filmnachwuchs wird durch die Chemnitzer Filmwerkstatt gefördert.

Tourismus
Hotellandschaft Chemnitz
In Chemnitz betreiben mehrere große Hotelgruppen wie zum Beispiel ACHAT Hotels, Mercure, pentahotels oder Günnnewig Häuser. Daneben gibt es eine Vielzahl von kleineren privat betriebenen Hotels und Pensionen.

Datei:Chemnitzer Hof am Theaterplatz.jpg|Das Traditionshotel „Chemnitzer Hof“
Datei:Hoechstes Gebaeude in Chemnitz 02.jpg|Das Hotel Mercure – höchstes Gebäude in Chemnitz (97 Meter hoch und 29 Etagen)


Kultur und Sehenswürdigkeiten
→ "Hauptartikel:" Sehenswürdigkeiten in Chemnitz

→ "Siehe auch:" Liste der Gedenkstätten in Chemnitz

Bauwerke
Karl-Marx-Monument
Das Siegertsche Haus am Markt
Bekanntestes Wahrzeichen der Stadt ist das 1971 eingeweihte Karl-Marx-Monument des russischen Künstlers Lew Kerbel. Es war bei Festtagen der DDR Kulisse für Festzüge und andere Massenveranstaltungen gewesen. Zu DDR-Zeiten diente das dahinterliegende Gebäude der Karl-Marx-Allee 10/12 (heute "Brückenstraße") dem Rat des Bezirks und der SED-Bezirksleitung als Dienstsitz. Am Haus Nr. 10 ist eine Wandtafel mit dem Ausspruch "„Proletarier aller Länder vereinigt Euch!“" aus dem Kommunistischen Manifest in deutscher, englischer, französischer und russischer Sprache eingelassen. Der Chemnitzer Volksmund bezeichnet das Denkmal auch als "Nischel" (sächsischer Dialekt für "Kopf"). Es ist der zweitgrößte freistehend modellierte Kopf der Welt nach der ägyptischen Sphinx.

Blick zum Roten Turm, dem Wahrzeichen der Stadt Chemnitz
Der Rote Turm ist das wohl auffälligste Denkmal aus der mittelalterlichen Geschichte von Chemnitz. Sein Unterteil aus Bruchstein stammt vermutlich noch aus dem späten 12. oder dem beginnenden 13. Jahrhundert. Bei systematischen Untersuchungen 1957/58 wurde festgestellt, dass die Stadtmauer jünger ist als der Turm und an diesen anbindet. 1555 wurde das Obergeschoss aus Backstein mit gotischer Verblendarchitektur aufgesetzt. Der Turm diente lange Zeit als Stadtfronfeste. Im März 1945 brannte er bei den Luftangriffen aus, wurde 1952 mit einem Notdach versehen, 1957/58 wiederaufgebaut und als Museum eingerichtet. Seit September 2007 ist der Rote Turm für Chemnitz auf der Deutschlandausgabe des Spiels Monopoly zu sehen.

Der Theaterplatz stellt ein innerstädtisches Architekturensemble dar, welches die architektonische Prägung von Chemnitz vor 1945 andeutet. Linkerhand befindet sich das 1909 vom Architekten Richard Möbius errichtete König-Albert-Museum mit den Kunstsammlungen, rechterhand steht die Petrikirche, ein neugotischer Sandsteinbau, der von Hans Enger entworfen und 1888 geweiht wurde. Zwischen beiden Gebäuden schließt das Opernhaus den modern gestalteten Platz ab.

Markanter Orientierungspunkt der Chemnitzer Innenstadt ist das Doppelrathaus, bestehend aus dem Alten und Neuen Rathaus. Das spätgotische Alte Rathaus entstand 1496–98 an der Stelle hölzerner Vorgängerbauten und wurde später mehrfach umgebaut. Im Zweiten Weltkrieg ist es bis auf die Gewölbe im ersten Obergeschoss ausgebrannt und wurde beim Wiederaufbau um ein Geschoss erhöht. An der Frontseite des Rathausturms befindet sich das Judith-Lucretia-Portal von 1559, welches vor der Zerstörung seitlich angebracht war. Zu dem Komplex des Rathauses gehört der ältere Hohe Turm, der wahrscheinlich Teil einer innerstädtischen Eigenbefestigung aus der Zeit um 1200 war. In der Nacht vom 3. zum 4. Februar 1946 ist der Turm eingestürzt. Die Ruine wurde zunächst gesprengt, der Turm später jedoch wiederaufgebaut. Das Neue Rathaus wurde zwischen 1908 und 1911 nach einem Entwurf des Stadtbaurates Möbius errichtet. Das Portal aus dem Ende des 14. Jahrhunderts stammt von der damals abgebrochenen Alten Lateinschule.

Die Stadtkirche St. Jakobi ist die älteste erhaltene Kirche der Stadt. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und befindet sich im Stadtzentrum direkt hinter dem Alten Rathaus. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie stark zerstört. Am 5. März ist sie durch Bombeneinwirkung ausgebrannt, Gewölbe und Pfeiler im Langhaus sind im Juni 1945 eingestürzt, die neogotische Einrichtung wurde vernichtet. Durch Anbringung eines Notdachs 1945 konnten erhaltene Gewölbe-Teile gerettet werden. Der abgemauerte Chor wurde seit 1949 wieder genutzt.Heinrich Magirius in "Schicksale Deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg". Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. S.454 Weitere Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten an der Kirche erfolgten in den nächsten Jahrzehnten, im Chor ist der Wiederaufbau bis heute noch nicht abgeschlossen.

Am Markt steht das Siegertsche Haus mit einer prachtvollen Barockfassade. Es entstand in den Jahren von 1737 bis 1741 nach den Plänen von Johann Christoph von Naumann. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg blieb nur die mittlere Barockfassade erhalten und wurde 1953/54 wiederaufgebaut.

Ein Rest des ehemaligen Benediktinerklosters ist die Schlosskirche auf dem Schlossberg, eine spätgotische Hallenkirche und Nachfolgerin einer romanischen Basilika von 1136. Die Schlosskirche wird als Gründungsort der heutigen Stadt Chemnitz angenommen. Ihr schließt sich das Schlossbergmuseum Chemnitz an. Die Schlosskirche erlitt 1945 Bombenschäden am neogotischen Turmhelm, am Dach und der Nordfassade. Schadenbeseitigung und vereinfachter Turmabschluss erfolgten 1946 bis 1949, die Restaurierung des Innenraums 1950 bis 1957.Heinrich Magirius in "Schicksale Deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg". Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. S.453

Zu den bedeutendsten Villen in Chemnitz zählen die zwischen 1903 und 1911 in Jugendstilarchitektur errichtete Villa Esche sowie die Villa Koerner aus dem Jahr 1914. Beide entstanden nach den Plänen des Architekten Henry van de Velde. Die Villa Esche ist das erste Wohnhaus in Deutschland, welches van de Velde baute.

Bühnen
Opernhaus
Bereits 1838 gründete sich das erste Chemnitzer Theater und im Jahre 1909 entstand das Chemnitzer Opernhaus unter dem Namen "Neues Stadttheater" am Theaterplatz. 1913 feierte an dieser Bühne Richard Tauber sein Debüt. Das Opernhaus wurde nach Zerstörung seines Inneren 1945 in den Jahren 1947 bis 1951 in veränderter Form wiederaufgebaut und bis 1992 saniert. Das Opernhaus ist heute Spielstätte für Opern, Operetten, Ballett und Musicals und brachte Chemnitz in Kulturkreisen auf Grund ihrer aufwändigen Inszenierungen von Richard Wagner den Beinamen „Sächsisches Bayreuth“ ein.

Schauspielhaus
Heute betreibt die "Städtisches Theater Chemnitz GmbH" unter dem Markennamen "Die Theater Chemnitz" neben dem Opernhaus die weiteren Spielstätten Schauspielhaus Chemnitz und das Figurentheater. Des Weiteren ist auch die Robert-Schumann-Philharmonie für seine Konzerte regional bekannt.

Die Stadthalle Chemnitz bietet mehrere Säle zu unterschiedlichsten Veranstaltungsarten. Bekanntheit erlangte dieser Veranstaltungsort vor allem für seine regelmäßig ausverkauften Volksmusikkonzerte. Die Stadt beherbergt zwei Kabarette in direkter Nachbarschaft im sogenannten Markthallenviertel: "„Das Chemnitzer Kabarett“", früher als "„1. Chemnitzer Kabarett“" bekannt und die "Kabarett Kiste – Kabarett „Sachsenmeyer & Co“". Private Spielstätten des Kleinkunsttheaters sind das "FRESSTheater" und das "Fata Morgana", mit "Armes Theater" ist außerdem ein Off-Theater in Chemnitz ansässig.

Durch den Luftkrieg 1945 und Abriss der Ruinen gingen das Schauspielhaus und das Central-Theater verloren.

Museen
Verbunden mit den Bemühungen um eine Verbesserung der Außenwirkung Chemnitz’ seit den 1990er-Jahren ist auch eine Profilierung als Kunst- und Kulturzentrum zu beobachten. Die Entwicklung einer musealen Landschaft in Chemnitz ist derzeit noch im Gange. Dabei soll Chemnitz’ Charakter als Industriestadt gewahrt werden. Als ein wichtiger Markstein dieser Entwicklung wird das neue Industriemuseum Chemnitz gewertet, welches eine umfangreiche Sammlung der sächsischen Industriegeschichte umfasst. Zeugen dieser industriellen Entwicklung sind ebenfalls das Sächsische Eisenbahnmuseum und das Museum für sächsische Fahrzeuge.

König-Albert-Museum, Sitz der Kunstsammlungen Chemnitz
Versteinerter Wald
Weiterhin stellen die Kunstsammlungen Chemnitz im König-Albert-Museum eine umfangreiche Bildersammlung mit Schwerpunkt auf den Impressionismus und Expressionismus aus und ergänzen dieses Angebot mit zum Teil vielbeachteten Sonderausstellungen. Daneben ist als eine wichtige kulturelle und museale Einrichtung das Kulturkaufhaus „DAStietz“ zu nennen, welches Ausstellungsstücke zeitgenössischer Kunst in der Neuen Sächsischen Galerie und das Museum für Naturkunde beherbergt. Die Prägung der Stadt durch den Jugendstil wird durch das Henry-van-de-Velde-Museum in der Villa Esche deutlich, wo vor allem Exponate des belgischen Architekten und Designers Henry van de Velde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Seit Dezember 2007 werden die Bildersammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst des Münchener Galeristen Alfred Gunzenhauser in einem eigens dafür eingerichtetem Gebäude, dem Museum Gunzenhauser, präsentiert. Damit schlägt die Stadt eine Brücke zu ihrer kulturellen Blütezeit der Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts.

Das ehemalige Kaufhaus Schocken
Burg Rabenstein
Das "Museum für Stadtgeschichte" ist im Schlossbergmuseum integriert. Die Räumlichkeiten dieses Museums werden auch für zahlreiche Ausstellungen zu historischen Themen genutzt. Die Burg Rabenstein erzählt durch verschiedene Ausstellungen von der Geschichte der kleinsten in Sachsen erhaltenen Burganlage.

Überdies sind kleinere zahlreiche Spezialmuseen im Stadtgebiet angesiedelt, beispielsweise das "Deutsche Spielemuseum", das "Ebersdorfer Schulmuseum", das "Straßenbahnmuseum Kappel", die "Medizinhistorischen Sammlungen des Klinikum Chemnitz gGmbH" sowie das "Kulturgeschichtliche Spezialmuseum für Militärgeschichte" und der "Museumsspeicher Ebersdorf".

Die Entwicklung Chemnitz’ als Museumsstandort wird kontinuierlich fortgeführt. So wird die Stadt Chemnitz ab dem Jahr 2012/2013 das Haus der Archäologie im ehemaligen Kaufhaus Schocken beherbergen, um dem Besucher umfassende Informationen über die archäologische und kulturgeschichtliche Entwicklung Sachsens zu vermitteln. Hierfür konzipiert das Landesmuseum für Vorgeschichte eine umfassende Dauerausstellung.

Kinos
In der Stadt Chemnitz fanden bereits 1897, zwei Jahre nach der ersten öffentlichen Filmvorstellung Deutschlands, Filmvorführungen statt. Dabei präsentierte der Kameramann Clemens Seeber im Varieté Mosella-Saal zumeist Wochenrückblicke aus der Stadt und deren Region, welche das Publikum sehr gut annahm. Das 1929 eröffnete "Filmtheater Luxor-Palast" existiert nach Rekonstruktionen und Erweiterungen noch heute. Mit der Enteignung sämtlicher Lichtspieltheater im Land Sachsen im Jahr 1948 gingen alle Kinos in der Chemnitzer Region in Volkseigentum über. Vor und besonders nach der Wiedervereinigung Deutschlands mussten sowohl innerhalb und als auch außerhalb der Kernstadt zahlreiche Kleinkinos aus Rentabilitätsgründen schließen. Das "Europa 70", das "Welt-Echo" oder das "Jugendfilmtheater" (vormals "Filmschau") seien hier als Beispiele genannt.

Heute ist das Kinoleben von Chemnitz stark von der Kette Cinestar geprägt, welche die zwei Großkinos "Filmpalast am Roten Turm" und "Luxor Filmpalast" unterhält. Sie bieten im wesentlichen Filme, welche auch bundesweit in den Kinos aktuell gezeigt werden. Weiterhin existieren eine Reihe von Kinos mit kleineren Besucherkapazitäten wie das "Clubkino Siegmar", das Kino "m54" des Alternativen Jugendzentrums Chemnitz e. V., der "Filmclub mittendrin" der Universität Chemnitz sowie das Metropol, welches für seine Angebote im niedrigen Preissegment bekannt ist.

Kulinarische Spezialitäten, Gastronomie und Nachtleben
Das Restaurant Kellerhaus am unteren Schloßberg
Die lokale Küche von Chemnitz bedient sich vornehmlich der erzgebirgischen Küche. Dies ist durch den hohen Anteil zugewanderter Bevölkerung aus dem erzgebirgischen Raum zu Zeiten der Industrialisierung im ausgehenden 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhundert begründet. Die Küche des Erzgebirges zeichnet sich zumeist durch Deftigkeit und Einfachheit der Zubereitung aus; oft wird die Kartoffel als Zutat verwendet. Regionaltypische Gerichte sind der Klitscher, Quarkkäulchen, zur Weihnachtszeit der Christstollen und das Neunerlei.

Mit 666 gastronomischen Einrichtungen weist Chemnitz – verglichen mit anderen Universitätsstädten Deutschlands – eine hohe Kneipendichte von 6,4 Kneipen auf 100 Studierende auf.Focus Nr. 48/2007: "55 Städte im Vergleich. Wo Studieren richtig Spaß macht"Pressemitteilung der Technischen Universität Chemnitz: Die Chemnitzer Gastronomie ist regional wie international geprägt.

In der Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen Kaßberg, Sonnenberg, Bernsdorf und dem Schloßviertel sind die Konzentrationspunkte Chemnitzer Diskotheken, Bars, Clubs, Kneipen und alternativer Kultureinrichtungen.

Regelmäßige Veranstaltungen
Das Chemnitzer „Veranstaltungsjahr“ beginnt am jeweils ersten Märzwochenende mit den Chemnitzer Linux-Tagen. Weitere Veranstaltungen im März sind die Tage der jüdischen Kultur, die Automobilschau MACH in der Chemnitz-Arena sowie die Chemnitzer Schultheaterwochen. Außerdem findet im April die weit über die Stadttore bekannte Fiesta de la grande (Osterfiesta) mit jährlich um die 5000 Besucher in der Stadthalle Chemnitz statt. Ab Mai bis September findet an jedem ersten Freitag des Monats der Kunst- und Handwerkermarkt statt. Auch die Chemnitzer Museumsnacht wird jeden Mai durchgeführt.
Im darauf folgenden Zeitraum von August bis September, wird das Chemnitzer Stadtfest abgehalten. Des Weiteren finden im September eine internationale Breakdance-Veranstaltung, die so genannte SOUL EXPRESSION, das Latin-Chem sowie die Künstlermesse statt. Das Kulturfestival „Begegnungen“ und das internationale Kinderfilmfestival „Schlingel“ werden jedes Jahr im Oktober abgehalten. Das „Veranstaltungsjahr“ endet mit den Tagen der erzgebirgischen Folklore im November und dem erzgebirgischen Weihnachtsmarkt jeden Dezember. Im Sommer, meist Juli oder August, fand seit 1998 in Chemnitz mit dem splash! Festival das größte Hip-Hop- und Reggae-Festival Europas statt. 2007 wurde es aus organisatorischen Gründen nach Bitterfeld verlegt.

Stefan-Heym-Preis
Zur Erinnerung an ihren Ehrenbürger und Sohn der Stadt Stefan Heym verleiht die Stadt Chemnitz ab 2008 alle drei Jahre den "Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz". Mit ihm sollen „Autoren und Publizisten, die sich wie Heym in gesellschaftliche und politische Debatten einmischten, um für moralische Werte zu streiten“, geehrt werden. Die mit 40.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde 2008 an Amos Oz als erstem Preisträger verliehen.

Sport
Chemnitz erhebt den Anspruch, eine "Sportstadt" zu sein. Argumente dafür sind die hohe Anzahl von Medaillengewinnern bei Olympischen Spielen aus Chemnitz und die hohe Beteiligung der Bevölkerung am Breitensport. Außerdem ist die Stadt ein Olympiastützpunkt und hat mit dem Sportgymnasium ein Gymnasium mit vertieft sportlichem Profil, welches einen exzellenten Ruf genießt. Rund 63 % der Stadtbevölkerung sind nach einer Studie des Fachbereichs Sportwissenschaften der TU Chemnitz aus den Jahren 1998 und 2001 innerhalb oder außerhalb eines Vereins sportlich aktiv.

Einmal im Jahr werden die Chemnitzer "Sportler des Jahres" mit dem Chemmy ausgezeichnet. Unter den bisherigen Preisträgern befinden sich so prominente Sportler wie Matthias Steiner, Lars Riedel, Stev Theloke sowie Aljona Savchenko und Robin Szolkowy.

Sportvereine
Die Stadt Chemnitz hat rund 200 Sportvereine mit insgesamt mehr als 30.000 Mitgliedern. Bekannte Vereine in der Stadt sind die Fußballvereine Chemnitzer FC und VfB Fortuna Chemnitz, der Kunstturnverein KTV Chemnitz sowie der Basketballverein der Herren (BV TU Chemnitz 99) und der der Damen (Chemnitzer Basketgirls). Weitere Sportvereine sind die Leistungsabteilung der Basketgirls (ChemCats), die Damen-Volleyballmannschaft des CPSV Fighting Kangaroos, die Unihockeyabteilung der SG Adelsberg (Floor Fighters Chemnitz), der Eisschnelllaufclub Chemnitz (ECC), der Eis-&-Rollhockeyverein 07 ERV Chemnitz 07 oder der Boxclub Chemnitz 94 „Die Wölfe“.

Der Chemnitzer FC spielte von 1991 bis 1996 sowie von 1999 bis 2001 in der 2. Bundesliga. Seit dem Abstieg in die Regionalliga Nord im Jahr 2001 kämpfte der Verein regelmäßig gegen den Abstieg. Die Saison 2005/2006 schloss der CFC als Tabellenletzter ab und stieg damit in die Oberliga Nordost ab. Im Jahr 2008 stieg der Verein als Tabellenzweiter in die neu gegründete dreigleisige Regionalliga auf. Der Verein brachte einen der bekanntesten Nationalspieler Deutschlands, Michael Ballack, hervor, der dort fünf Jahre in dessen Jugendmannschaft sowie seine ersten beiden Jahre im Profifußball spielte.

Im Basketball dominieren im Herrenbereich der BV TU Chemnitz und im Damenbereich die Chemnitzer Basketgirls. Die Niners spielen seit der Saison 2002/2003 in der 2. Basketball-Bundesliga Süd und belegten in der aktuell abgelaufenen Saison 06/07 den 5. Platz. Dieses Ziel hat die Spitzenmannschaft der Damen, die ChemCats, bereits zum zweiten Mal erreicht. Nach der Abspaltung vom BV TU Chemnitz im Mai 2002, als der frühere Verein nach dem Erstligaverzicht 2000 einen weiteren Rückzug in die 3. Liga vorsah, spielte die Mannschaft in der 2. Damen-Basketball-Bundesliga und kehrte 2006 in die erste Liga DBBL zurück.

Die Volleyball-Damen des Chemnitzer Polizeisportvereins (CPSV) stiegen 2001 in die 2. Bundesliga-Süd auf. Dort etablierten sie sich nach zwei Spielzeiten, in denen sie nur knapp dem Abstieg entgingen. Im Zuge der fortschreitenden Professionalisierung wurde die erste Mannschaft wirtschaftlich selbständig. Sie spielt seit 2006 unter dem Namen Fighting Kangaroos Chemnitz. Am vorletzten Spieltag der Saison 2007/2008 sicherte sie sich den zweiten Platz und schaffte damit den Aufstieg in die 1. Volleyball-Bundesliga der Damen.

Im Unihockey spielt Chemnitz bereits seit 2002 in der 1. Bundesliga. Die Herren der Floor Fighters Chemnitz spielen damit, wie ihre weibliche Vertretung, in der höchsten deutschen Liga und vertreten die Stadt Chemnitz überregional im gesamtdeutschen Raum. Internationale Erfolge blieben bislang aus, dennoch stellt man im Herrenbereich drei sowie im Damenbereich zwei Nationalspieler, die unter anderem bereits an Weltmeisterschaften teilnahmen und Deutschland international vertraten.

Der ERC Chemnitz stellte noch bis ins Jahr 2006 ein Team der 1. Rollhockeybundesliga, welches aber freiwillig in die 2. Bundesliga abstieg, um die Spielfähigkeit des Sachsenligisten im Eishockey zu gewährleisten. Ein Grund dafür lag in der Ansetzung der Spieltermine, welche sich häufig überschnitten. Im Jahr 2008 stieg das Eishockeyteam Wild Boys Chemnitz in die Regionalliga auf und schaffte dort den frühzeitigen Klassenerhalt.

Im Gewichtheben spielt der Chemnitzer AC schon seit Jahrzehnten national und international eine bedeutende Rolle. Aktuell hebt die erste Mannschaft des Vereins in der 1. Bundesliga und kämpft um den Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft. Viele Welt- und Europameister sowie Olympiasieger bzw. Olympiamedaillengewinner durchliefen hier ihre Schule (Matthias Steiner, Gerd Bonk, Stefan Grützner, Joachim Kunz, Ingo Steinhöfel, Frank Mantek, Andreas Letz u. a.). Der Chemnitzer AC ist sogleich ein Landes-, Bundes- und Olympiastützpunkt.

Sportanlagen
Stadtbad, auch Denkmal der architektonischen Moderne
Das Sportforum, 1926 als "Südkampfbahn" eröffnet, befindet sich in Bernsdorf in direkter Nähe zum Sportgymnasium. Das Sportareal umfasst ein Hauptstadion mit 18.500 Zuschauerplätzen, eine Leichtathletik-/Mehrzweckhalle mit einer Zuschauerkapazität von 1450 Plätzen sowie eine Radrennbahn, welche 15.000 Zuschauer aufnehmen kann. Daneben stehen drei Rasenplätze, zwei Hartplätze, ein Kunstrasenplatz, eine 50-Meter-Schwimmhalle, eine Boxer-/Ringerhalle, zwei Kunstturnhallen und jeweils eine Spiel- und Judohalle zur Verfügung.

Als Fußballstadion ist vor allem das Stadion an der Gellertstraße bekannt, da dieses Heimspielstätte des Chemnitzer FC ist. Die Aufnahmekapazität dieses Stadions beläuft sich auf 16.061 Zuschauer. Direkt am Chemnitzfluss gelegen befindet sich die Richard-Hartmann-Halle, welche als Heimspielstätte des BV TU Chemnitz 99 dient und 2600 Gäste aufnehmen kann. Dagegen kann die "Sporthalle am Schloßteich", Spielstätte der ChemCats, lediglich rund 750 Plätze aufbieten. Des Weiteren wird neben Messeveranstaltungen die Chemnitz Arena seltener für Sportereignisse genutzt, so beispielsweise für Boxkämpfe. Die Messe- und Veranstaltungshalle kann bis zu 13.000 Zuschauer aufnehmen.

Der Stausee Oberrabenstein in einer Panorama-Aufnahme
Für den Breitensport außerhalb von Vereinen stehen auch zahlreiche Einrichtungen zur Verfügung. Als Trainingsstätte von Katarina Witt ist das "Eissport- und Freizeitzentrum Chemnitz" in direkter Nähe zum Küchwald bekannt. Neben der Eissporthalle mit 4000 Plätzen existieren im Areal eine Trainingshalle, eine 400-Meter-Eisschnelllaufbahn und ein Rollhockeystadion. Im Stadtgebiet befinden sich außerdem das Stadtbad und weitere drei Hallenbäder sowie fünf Freibäder. Auch ist das Baden in naheliegenden Stauseen im und außerhalb des Stadtgebiets beliebt, wie zum Beispiel am Stausee Oberrabenstein.

Persönlichkeiten
"Siehe Hauptartikel Liste der Persönlichkeiten der Stadt Chemnitz"

Bekannte Persönlichkeiten wie Georgius Agricola, Richard Hartmann und Michael Ballack sind durch ihre Geburt in Chemnitz oder ihr Wirken in der Stadt, mit Chemnitz verbunden.

Ehrenbürger
Zahlreiche Persönlichkeiten erhielten die Ehrenbürgerschaft der Stadt zuerkannt. Zu den Chemnitzer Ehrenbürgern gehören neben Politikern, insbesondere Wissenschaftler und Personen des künstlerischen und kulturellen Lebens, welche in und für Chemnitz wirkten.

Zu den bekanntesten Ehrenbürgern der Stadt Chemnitz zählen der Reichskanzler Otto von Bismarck, der Maler Karl Schmidt-Rottluff, die Kosmonauten Waleri Bykowski und Sigmund Jähn, die Eiskunstlauftrainerin Jutta Müller, Katarina Witt, die zweifache Olympiasiegerin im Eiskunstlauf und der Schriftsteller Stefan Heym.

"Siehe Hauptartikel Liste der Persönlichkeiten der Stadt Chemnitz#Ehrenbürger"

Söhne und Töchter der Stadt
"Siehe Hauptartikel Liste der Persönlichkeiten der Stadt Chemnitz#Söhne und Töchter der Stadt"

Sprache
In Chemnitz wird ein meißnischer Großstadtdialekt gesprochen, der Einflüsse aus dem Vorerzgebirgischen aufweist.

Neben dem bereits dort beschriebenen "no’r" wird in Chemnitz häufig "hier" (sächs. "hioorr") als Füllwort verwendet.


Literatur
* Thematische Stadtpläne Chemnitz. "5 Teile zu einzelnen Architekturepochen." edition vollbart, Chemnitz 2002/2003.
* Jens Kassner, Christine Weiske: "Reformarchitektur in Chemnitz". edition vollbart, Chemnitz 2003.
* "Zur Entstehung und Frühgeschichte der Stadt Chemnitz." Kolloquium des Stadtarchivs Chemnitz, 24. April 2002, Volksbank Chemnitz. Aus dem Stadtarchiv Chemnitz. Bd 6. Stollberg 2002, ISBN 3-00-011097-6.
* "Aus dem Stadtarchiv Chemnitz." Schriftenreihe. Chemnitz 1998 ff.
* "Mitteilungen des Chemnitzer Geschichtsvereins". Jahrbuch. Chemnitz 1992 ff.
* "Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte." Bd 2. Mitteldeutschland. Im Auftrag der Konferenz der landesgeschichtlichen Kommissionen Deutschlands mit der Unterstützung des Deutschen Gemeindetages, hrsg. von Erich Keyser. Stuttgart 1941.
* "Chemnitz. Neue Bauten in der Stadtmitte 1990–2003". Edition Leipzig, Leipzig 2003.
* Jens Kassner: "Chemnitz in den „Goldenen Zwanzigern“. Architektur und Stadtentwicklung". Heimatland Sachsen, Chemnitz 2000.
* Jens Kassner: "Wohnen in Chemnitz. 75 Jahre kommunale Wohnungswirtschaft 1928–2003". edition vollbart, 2003.
* "Stadtphotographien." Chemnitz 2003, ISBN 3-933169-02-X.
* Stefan Weber: "Chemnitz – Ein Stadtzentrum sucht sein Gesicht" Bildverlag Böttger, 1994, ISBN 3-9806125-2-X.

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