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Übung macht den Meister

Deutschland, Münster (Westfalen)
12.06.2012
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Mit europäischer Bildung Deutsch in Südosteuropa retten
Das Zentrum für Europäische Bildung mit Standorten in Zagreb und Münster kümmert sich um Lehrerbildung. Daneben dürfen sich Absolventen nach einem Masterstudiengang europäische Bildungsberater nennen. Nebenbei soll die deutsche Sprache in Südosteuropa gerettet werden.
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Zagreb (dpa) - Das Zentrum für Europäische Bildung ist in jeder Beziehung eine Vorzeigeinstitution. Zwölf Universitäten aus zehn Ländern schicken Lehrende und Lernende einen Monat an die Uni Münster und einen weiteren an die Uni der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Zwischendurch wird der Stoff kräftig im Fernstudium gebüffelt.
Jahrhundertelang war Deutsch südlich von Wien die erste Fremdsprache.

Am Ende des einjährigen Aufbau-Masterstudiums verlassen versierte Experten für die noch sehr unterschiedlichen europäischen Bildungs- und Ausbildungssysteme die Unis. Sie sollen als Fachleute in ihren Heimatländern Bildungsreformen erarbeiten, die auf den schlechten wie guten Erfahrungen in allen anderen europäischen Ländern aufbauen können.

Das zweite Standbein des Zentrums ist die Lehrerausbildung. Auch die ist in allen EU-Ländern noch sehr unterschiedlich. Auch hier wird versucht, die positiven Ansätze in einigen Ländern für alle anderen zugänglich zu machen. Und weil auch die EU die Wichtigkeit dieser Arbeit einsieht, hatte Brüssel in den letzten vier Jahren Geldmittel für das Zentrum bereitgestellt. Wenn auch nur in bescheidenem Maße.

Der Leiter dieses Zentrums in Zagreb ist der deutsche Germanistikprofessor Siegfried Gehrmann. Der 58-jährige Wissenschaftler hat sich ganz nebenbei noch der Rettung der deutschen Sprache in Südosteuropa verschrieben. Denn er hat durchgesetzt, dass an seinem Zentrum Englisch und Deutsch gleichberechtigte Sprachen für Studenten und Professoren sind.

Jahrhundertelang war Deutsch südlich von Wien die erste Fremdsprache. Die vielen kleinen Völker in Südosteuropa mit ihren ebenso vielen Sprachen nutzten Deutsch wie früher das Latein als so genannte Lingua franca, also als Verkehrssprache, in der sich alle über die Landesgrenzen hinweg verständigen konnten. «Jetzt lautet das Motto leider immer häufiger ‘english only‘», klagt Gehrmann und hält dagegen.

«Deutsch ist im Alltag und als Wissenschaftssprache noch längst nicht ausgestorben», hat er erkundet. Allerdings hänge das Schicksal von Deutsch davon ab, ob die Sprache schon im Kindes- und Jugendalter erlernt werden kann. Gerade die deutschen Unternehmen täten viel zu wenig, um dieser Sprache auch in Südosteuropa wieder zur Blüte zu verhelfen, hat Gehrmann beobachtet. In der Tat ist es schwer verständlich, dass deutsche und österreichische Unternehmen, die in den Balkanländern traditionell besonders stark vertreten sind, mit ihren Mitarbeitern der Einfachheit halber lieber auf Englisch parlieren.

Sabrina Hauser ist eine von zehn Absolventen des diesjährigen Magisterstudiums. Die 3000 Euro Studiengebühren seien eine gute Investition gewesen, sagt die 26-Jährige, die zur Zeit ein Referendariat an einer Kölner Grundschule macht. Mit dem Erlernten über die Stärken und Schwächen der Bildungssysteme in vielen europäischen Ländern wolle sie in Zukunft an der deutschen Lehrerausbildung mitarbeiten.

Gehrmann hat vor kurzem mit seinem Zentrum begonnen, Schulleiter aus Bosnien, Serbien und Kroatien überregional weiterzubilden. Bisher kommen in den Schulen dieser drei Länder, die durch die Bürgerkriege in den 90er Jahren viel Leid erlitten hatten, meist nur die einseitigen nationalen Sichtweisen zum Tragen. Doch bis diese friedensstiftende Arbeit wirklich in großem Rahmen angepackt werden kann, muss erst die Finanzierung dieses Projekts sichergestellt werden.

Gehrmann hat konkrete Wunschvorstellungen: «Toll wäre, wenn deutsche Firmen in der Region zur Sprachförderung und Personalausbildung eine Stiftung gründeten.» Auch Finanzspritzen aus Deutschland wären willkommen. Denn bisher sind mit diesem Absender noch keine Geldmittel bereitgestellt worden. Doch der Germanistikprofessor ist von seiner Mission überzeugt und denkt auch bei Ebbe in den Kassen nicht ans Aufgeben. Er hat sich einst als Deutschlektor in Kroatien, Bosnien und in der Slowakei ebenso durchgebissen wie in den letzten Jahren als europäischer Bildungswissenschaftler.

 

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