Skiurlaub- günstig mit FeWo-direkt
Bundesliga-Tickets mit Garantie!


ITS | Jahn | Tjaereborg


    
Hotelsuche in 
 

Dimension der Buddenbrooks

Deutschland
02.05.2011
Von Jürgen Herda    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Schöngeist-Autor Siegfried Schröpf zur Tragik einer Gründerpersönlichkeit
Was kommt dabei heraus, wenn ein Psychologe und Volkswirt Krimis schreibt? Ein Wirtschaftskrimi mit psychologisch ausgearbeiteten Charakteren, könnte man vordergründig antworten. Siefried Schröpf geht es allerdings um mehr, als nur einen gut recherchierten Heuschrecken-Thriller. „Mich interessiert die Tragik, wie das Lebenswerk einer Gründerpersönlichkeit über Nacht vernichtet wird.“
Galerie
Siegfried Schröpf, Autor von „Schöngeist“ und „Dicht dran“, leidenschaftlicher Läufer und "Sonnenmacher".

Herr Schröpf, Sie haben einen vielseitigen Bildungshintergrund, studierten Psychologie und Volkswirtschaft. Wann haben Sie beschlossen, mehr als nur Sachberichte schreiben zu wollen?


Schröpf: Ich fürchte, das erfüllt alle Klischees, aber ich wollte schon als Jugendlicher einen Roman schreiben. Nur dass ich damals nicht das Durchaltevermögen hatte, und mehr als ein paar kleine Geschichten mit Alltagsszenen sind dabei nicht heraus gekommen. Die habe ich dann der jeweiligen Angebeteten geschenkt. Nach dem Studium war ich erst einmal vom Berufseinstieg in Beschlag genommen. Als ich dann hautnah das Unternehmerschicksal einer mir nahestehenden Familie miterlebte …

Sie meinen die Übernahme der Firma Grammer durch einen Finanzinvestor …

Schröpf: Ja, das hatte ja Buddenbrooks’sche Dimensionen. Mir ging’s bei „Schöngeist“, dem Wirtschaftsanwalt, der die Geschichte dahinter aufklärt, nicht um eine Enthüllungsstory oder einen Schlüsselroman. Es ist tragisch, wenn das gesamte Lebenswerk einer Gründerpersönlichkeit durch die Machenschaften von skrupellosen Heuschrecken über Nacht zerstört wird.

Sie erzählen also nicht den konkreten Ablauf eines regionalen Wirtschaftskrimis?
Siegfried Schröpfs Erstlinswerk: "Schöngeist".

Schröpf: Nein, überhaupt nicht, auch wenn die Versuchung da ist, nach Stellen zu suchen, die Parallelen vermuten lassen. Sehen Sie, natürlich ist die Kenntnis, wie sie so etwa abläuft, nützlich, um eine plausible Geschichte zu erzählen. Aber das dient nur als Gerüst, die Figuren sind Fiktion und die im Roman beschriebenen Akteure und Firmen sind Projektionsflächen, die sich pars pro toto mit vielen Unternehmen füllen ließen, die ein ähnliches Schicksal durchlitten. Und wenn ich Schicksal sage, meine ich, dass es ja immer auch um die Menschen geht, deren Existenz an so einer Firma hängt.

Haben Sie die Nähe zu Ihrem Sujet bereut?

Schröpf: Lassen Sie es mich so sagen: Ich habe daraus gelernt und bin bei „Dicht dran“ noch distanzierter rangegangen. Ich denke – und die Reaktionen bei meinen Lesungen bestätigen diesen Eindruck –, dass man beim zweiten Roman noch viel weniger danach fragt, ob Bezüge zur Realität bestehen. Letztere finden Sie jeden Tag im Wirtschaftsteil der Tageszeitung. Korruptionsfälle gab es in der Automobilindustrie nachweislich, seit dem es sie gibt. Es sind Fälle in den 1920er Jahren zur Zeit der Weltwirtschaftskrise belegt. Mercedes-Benz hat nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich Geld in Südamerika sauber gewaschen. Ich beziehe mich da auf die Recherchen der Journalistin Gaby Weber zu Ihrem Buch „Daimler Benz und die Argentinien-Connection“.

Ihr Protagonist ist kein grüblerischer Kommissar, kein zynischer Detektiv, sondern ein schöngeistiger Anwalt. Gibt es da auch biographische Bezüge oder haben Sie sich auf Vorbilder wie Grisham bezogen?
John Grishams "Der Anwalt".

Schröpf: Ich habe keinen näheren Kontakt zu einem Anwalt, das war’s also sicher nicht. Und eine bewusste Entscheidung für ein Vorbild gab’s auch nicht. Die Figur des Anwalts war einfach da, eine Notwendigkeit, die sich aus der Geschichte ergibt. Ich brauchte eine Person, die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rechtlich begleitet. Das war Thomas Schöngeist, den ich nicht als juristischen Langweiler sah, sondern als einen kompetenten Juristen, der sich nicht auf die graue Theorie reduzieren lässt.

Mit einem Faible für die schönen Seiten des Lebens …

Schröpf: (lacht) … ja, was sich jetzt aber nicht nur auf schöne Frauen bezieht.

Kann man sagen: Der Plot stand mit dem erwähnten Hintergrund fest, Anwalt Thomas Schöngeist war bereits in Ihrem Kopf, da hat sich der Roman gewissermaßen von selbst geschrieben?

Schröpf: Der Kern der Geschichte, der Korruptionsfall, stand in einem Bericht der Amberger Zeitung. Ich habe kürzlich dem Journalisten nachträglich gedankt und ihm eine Flasche Cognac geschenkt. Ich fand schon, dass mir große Teile der Geschichte leicht von der Hand gingen. Nach Feierabend saß ich jeden Tag eine Stunde auf der Terrasse und habe geschrieben. Wenn es mal an einer Stelle hakte, ist mir beim Laufen oft eine Lösung eingefallen, wie etwa das offene Ende. Das ist überhaupt so ein Phänomen: Wenn ich am Abend vorher geschrieben habe, ging es beim Joggen im Kopf weiter.

Deshalb spielt das Laufen auch eine tragende Rolle im Buch …
Siegfried Schröpfs demokratisches Geschäftsfeld "Sonnenenergie".

Schröpf: Naja, tragend vielleicht nicht gerade, aber eine atmosphärische schon. Mir gefällt es, dass wir hier so eine Firmenkultur entwickelt haben, wo Geschäfte nicht beim Golf, sondern beim Laufen besprochen werden …

… sie meinen bei Grammer Solar, wo Sie Geschäftsführer sind.

Schröpf: Genau. Das ist gewissermaßen die Parallele zu unserer Philosophie. Wir wollen eine Dezentralisierung der Energieversorgung und daraus ergibt sich für uns auch eine Demokratisierung der Unternehmenshierarchie. Laufen kann wirklich jeder, dazu braucht man nur Turnschuhe und ein paar bequeme Klamotten.

… und vielleicht ein wenig Ausdauer.

Schröpf: (lacht) Ich kann mich gut auf die Kondition meines Laufpartners einstellen.

Dieser Artikel ist Teil der Tour "LiteraTouren an der Goldenen Straße"

 

Kommentare zu diesem Artikel
 
Neuer Kommentar
Name *
Email *
Kommentar
* Pflichtangaben
 
Diesen Artikel empfehlen

Absender Empfänger Nachricht (optional)
Name
E-Mail

Name
E-Mail
   
 
Weitere Artikel zu diesem Thema
 
Deutschland, Amberg
22.11.2011
U-Literatur ist für den Amberger Schöngeist Erfinder Siegfried Schröpf kein Schimpfwort. "Wie in der Tonkunst gibt es nur gute und schlechte Musik – nur ein Buch, das bis zur letzten Seite fesselt, ist auch gute Unterhaltung." Im
weiter
Deutschland, Amberg
22.11.2011
U-Literatur ist für den Amberger Schöngeist Erfinder Siegfried Schröpf kein Schimpfwort. "Wie in der Tonkunst gibt es nur gute und schlechte Musik – nur ein Buch, das bis zur letzten Seite fesselt, ist auch gute Unterhaltung." Im
weiter
Tschechien, Praha
18.12.2011
Passend zu Schröpfs Anwalts-Thriller „Dicht dran“ drängen sich im Café Napa die 60 Zuhörer eng zusammen. Der Roman schlägt einen geografischen Bogen von Würzburg über Basel bis Südamerika. „Das passt“, grinst Gitarrist und Sänger
weiter
Tschechien, Praha
18.12.2011
Passend zu Schröpfs Anwalts-Thriller „Dicht dran“ drängen sich im Café Napa die 60 Zuhörer eng zusammen. Der Roman schlägt einen geografischen Bogen von Würzburg über Basel bis Südamerika. „Das passt“, grinst Gitarrist und Sänger
weiter
Tschechien, Praha
28.11.2011
Schöngeist-Autor Siegfried Schröpf freut sich auf seine erste Lesung in Prag. "Mich hat die Stadt immer fasziniert", sagt der Amberger, "ein fantastisches Gefühl, in der Stadt von Jaroslav Hašek, Franz Kafka, Egon Erwin Kisch,
weiter
Tschechien, Praha
28.11.2011
Schöngeist-Autor Siegfried Schröpf freut sich auf seine erste Lesung in Prag. "Mich hat die Stadt immer fasziniert", sagt der Amberger, "ein fantastisches Gefühl, in der Stadt von Jaroslav Hašek, Franz Kafka, Egon Erwin Kisch,
weiter
Deutschland
17.02.2011
Die Protagonisten legen weite Wege zurück: Würzburg, Basel, Mexiko, Guatemala, El Salvador, Argentinien, USA - Siegfried Schröpf lädt in seinem Anwaltsthriller "Dicht dran" zu einer Weltreise mit gelungenen Beschreibungen von
weiter
Deutschland
17.02.2011
Die Protagonisten legen weite Wege zurück: Würzburg, Basel, Mexiko, Guatemala, El Salvador, Argentinien, USA - Siegfried Schröpf lädt in seinem Anwaltsthriller "Dicht dran" zu einer Weltreise mit gelungenen Beschreibungen von
weiter
 
Tipps der Redaktion aus dem Nachrichtenportal
 
NACHRICHTEN
Die Mongolei ist reich an Rohstoffen. Besonders die begehrten Seltenen Erden bescheren dem Land hohe Wachstumsraten. Deutsche Investoren sind willkommen. Aber der mongolische Präsident ist auch an «Investitionen in Demokratie» interessiert. Berlin
Bald werden sie das wichtigste Paar in Europas Politik sein. Aber erst einmal müssen sich Angela Merkel und François Hollande kennenlernen. An diesem Dienstag sehen sich die beiden in Berlin zum ersten Mal. Große Beschlüsse werden noch nicht erwartet. Berlin/Paris
Die griechische Regierung sagt, Merkel habe ein Referendum über den Verbleib des verschuldeten Landes im Euro vorgeschlagen. Berlin dementiert scharf. Athen/Berlin (dpa) - Hohe Wellen hat in Athen ein angeblicher Vorschlag von Bundeskanzlerin
Ähnlich wie Bundespräsident Joachim Gauck hält es auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für wichtig, den Bürgern die Maßnahmen zur Euro-Rettung umfassend zu erklären. Berlin (dpa) - «Der Bundespräsident hat ein wichtiges
Sein Leben ist wie eine große Reise. Als auf Trinidad geborener britischer Staatsbürger mit indischen Wurzeln ist der Schriftsteller V.S. Naipaul nirgendwo ganz zu Hause. Jetzt wird der Literaturnobelpreisträger 80 Jahre alt. Berlin (dpa) - Der
Bisher haben Russland und China im Sicherheitsrat die meisten Resolutionsentwürfe zu Syrien abgeschmettert. Ob sie jetzt auch eine von Berlin mitgetragene französische Initiative zu humanitärer Hilfe für die notleidende Zivilbevölkerung abblocken? Berlin
 
Tipps der Redaktion aus dem Reiseportal
 
REISEPORTAL
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin. Berlin hat geschafft, wovon die alte Hertha noch träumt: Touristisch gesehen spielt die Bundeshauptstadt in der Championsleague: Mit 17,7 Millionen Übernachtungen in 2008 ist die Stadt nach London, Paris und
Alle fürchteten Berlin: Die Hauptstadt Preußens, die waffenstarrende, eisern klirrende Brutstätte der deutschen Sekundärtugenden. Das Berlin des kriegstreibenden Kaisers Wilhelm II. und der Regierungssitz des Weltbrandstifters Hitler, dieses
"Berlin" ist Bundeshauptstadt und Regierungssitz Deutschlands. Als Stadtstaat ist Berlin ein eigenständiges Land und bildet das Zentrum der Metropolregion Berlin/Brandenburg. Berlin ist mit 3,4 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste und
Immer wieder wird in letzter Zeit über den Sinn und Unsinn der staatlich geförderten Altersvorsorgelösung Riester Rente diskutiert. Kritiker bemängeln die geringen Renditemöglichkeiten und hohen Gebühren von Seiten der Anbieter, während
Die "Freie und Hansestadt Hamburg" (niederdeutsch "Hamborg" ) ist als Stadtstaat ein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland und mit knapp 1,8 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands, siebtgrößte der Europäischen Union sowie
Irgendwie wollten sie sowieso schon immer wer anders sein. Da ging's dem verschwenderischen Träumer Ludwig II. nicht anders als dem FC Hollywood – beide investier(t)en Unsummen, um in den weißblauen Kunst- und Fußballhimmel zu gelangen, aber
Wetter

Berlin


(20.05.2013 01:38)

12 / 23 °C


21.05.2013
12 / 19 °C
22.05.2013
12 / 19 °C
powered by wetter.com
Börsenberichte

banner

Agenda - The Week Ahea ...
Press release - Intern ...

Lawmaker Fires Back In ...
Karachi Holds Repeat V ...

Ein Wortzauberer am We ...
Leichen verschwundener ...

2700 Biere im «Deliriu ...
Edles Bäder- Vergnügen ...

"Lange Nacht der Kirch ...
U-Bahn in Prag plant F ...

banner

banner

banner

banner

© europe online publishing house GmbH, Weiden, Germany, info@europeonline-magazine.eu | Impressum