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Balsam für die Seele

Frankreich
03.02.2012
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  Im VZ-Netzwerk posten
Französisches Kino auf Erfolgskurs
«Ziemlich beste Freunde» ist der große Überraschungserfolg in den Kinos. Französische Filme als Kassen- und Exportknüller - wie geht das? Sie sind Vitamin B für die Seele und setzen jede Menge Serotonin frei.
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Paris (dpa) - Ihre therapeutischen Kräfte sind nicht wissenschaftlich bewiesen. Doch die Zuschauerzahlen bestätigen ihre Wirkung - auch in Deutschland. Gleich ob «Willkommen bei den Sch‘tis» oder der jüngste Erfolg «Ziemlich beste Freunde», Frankreichs Komödien toppen Piratengemetzel, Vampire und wunderbare Märchen. Weder «Harry Potter» noch «Fluch der Karibik» noch «Twilight» konnten in Frankreich an die Traumergebnisse von jeweils rund 20 Millionen Eintritten herankommen.
François Cluzet und Omar Sy in Film "Ziemlich beste Freunde".

In Deutschland führt «Ziemlich beste Freunde», die schräge Geschichte einer Freundschaft zwischen einem querschnittsgelähmten Aristokraten und seinem frech-dreisten Pfleger, die Charts an. Nach Angaben der Verleihfirma Senator Entertainment hat sie bereits mehr als drei Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt. «Wir rechnen in Deutschland mit fünf bis sechs Millionen Zuschauern», sagte Senator-Vorstand und Großaktionär Helge Sasse dem «Handelsblatt» vom Freitag. «So einen wirtschaftlichen Erfolg gibt es im Leben eines Produzenten und Verleihers nur sehr, sehr selten.»

Gute Filme, klingende Kassen. Eine Gleichung, die in der Regel aufgeht. Überraschend ist nur, mit welchem Elan französische Komödien die Kino-Charts stürmen. Auch «Willkommen bei den Sch‘tis» stand im Herbst 2008 mit über 2,3 Millionen Eintritten an der Spitze. In beiden Fällen gilt: breiteimale Serotonin-Ausschüttung und Gute-Laune-Vitamin B in Hülle und Fülle. Zuschauer-Umfragen hätten gezeigt, dass die Reaktion auf «Ziemlich beste Freunde» zu 100 Prozent positiv sei, sagte Sasse. «Das kommt so gut wie nie vor.»

Komödien haben in Frankreich seit ungefähr drei Jahren Hochkonjunktur. Im Jahr 2011 sind «Das Schmuckstück», «Die anonymen Romantiker», «Der Auftragslover», «Nichts zu verzollen» und «Das Labyrinth der Wörter» erschienen, um nur die zu nennen, die auch in Deutschland von Hundertausenden gesehen wurden.
Zwischen ernst und lustig spielen beide Darsteller Nähe, die Millionen berührt.

Ihr Erfolgsrezept: Ihre Herzlichkeit geht unter die Haut und ihr Witz an die Lachmuskeln. In krisengeschüttelten Zeiten sind ihre Gutmensch-Geschichten und lieblichen Utopien einer Gesellschaft, in der sich Arm und Reich, der Norden und der Süden brüderlich vereinen - Balsam für die Seele.

Bislang galt der britische Humor als Exportknüller. Seit den Krachern unter den Lachfilmen «Die große Sause» im Jahr 1966 mit Frankreichs Filmkomiker Louis de Funès (17,2 Millionen Eintritte), «Astérix & Obelix: Mission Kleopatra» (2002) mit 14,5 Millionen Zuschauern und «Die Besucher» im Jahr 1993 mit 13,7 Millionen Kinogängern, hat die französische Komödie lange keinen solchen Triumphzug mehr erlebt.

Der Erfolg kam unerwartet. Die Arthouse-Filme wurden von der Kritik im günstigsten Fall müde belächelt, im schlimmsten Fall ignoriert. «Willkommen bei den Sch‘tis» war 2009 im Rennen um die begehrten französischen César-Filmpreise nur einmal nominiert. Gewonnen hatte er am Ende nicht mal diese eine Trophäe als bestes Originaldrehbuch.


Quelle: Youtube.com



 

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