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Aufarbeitung von Utoya
Europa, Oslo
21.08.2011
Überlebende von Utøya: «Es hat uns stärker gemacht»
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Eine Überlebende des Massakers sitzt am Samstag (20.08.2011) an einer Stelle gegenüber der Fjordinsel Utoya in Norwegen, an der Blumen liegen. Vier Wochen nach der Bombenexplosion in Oslo und dem Massaker in einem Ferienlager auf der Fjordinsel gedenkt Norwegen der 77 Toten.
Oslo (dpa) - Hattest du Angst vor der Rückkehr nach Utøya?
Birkeli: «Nein, es war sehr gut für mich zurückzukommen. Es war auch nicht schlimm, die Insel vom Boot aus zu sehen. Schlimmer war es, meine Sachen wiederzubekommen. Als wir rein kamen, standen da alle Sachen - dann der Geruch. Das war sehr intensiv. Zur Insel zurückzukommen, war sehr schön. Aber wir waren ja auch nicht zusammen mit den Hinterbliebenen. Das wäre sicher schlimmer gewesen.»
Was hast du auf der Insel gemacht?
Birkeli: «Ich habe meiner Mutter gezeigt, wie ich gerannt bin. Dann fuhren wir mit einem Boot um die Insel und trafen die anderen. Mama war sehr überrascht, wie wenig Verstecke es auf Utøya gibt. Viele denken ja, dass es leicht war, sich zu verstecken, aber das war es nicht. Man hat auch gesehen, wie steil es war.»
War es schlimm, Menschen in Polizeiuniform auf der Insel zu sehen?
Birkeli: «Nein, das war es nicht. Ich fühle mich nicht unsicher jetzt. Ich wusste ja, dass überall echte Polizisten sein würden. Da hatte ich keine Angst.»
Denkst du häufig über diesen Tag nach?
Birkeli: «Es vergeht kein Tag, an dem nicht solche Gedanken kommen. Für mich war es ein ‘wake-up-call‘, ich weiß Dinge mehr zu schätzen. Ich habe unglaubliches Glück gehabt. Jetzt kommen Leute und fragen, wie es mir geht, was mir passiert ist. Meine Freunde haben gehört, wie ich mit dem Fernsehen gesprochen habe. Die wissen, wie schlimm es war. Einige hatten Tränen in den Augen.»
Wird es schwierig für Dich, wenn Montag die Schule wieder anfängt?
Birkeli: «Das weiß ich nicht. Ich habe einen Psychologen und darf aus dem Unterricht gehen, wenn es nicht geht. Die Lehrer wissen, dass ich Probleme bekommen könnte, mich zu konzentrieren. Aber eigentlich glaube ich, dass es gut wird - zurück zum Normalen. Außerdem gehe ich in eine neue Schule, das wird spannend.»
Wirst du dich weiter politisch engagieren?
Birkeli: «Als ich auf der Insel saß und auf die Polizei gewartet habe, hab ich gedacht, ich komme nie wieder zurück. Aber jetzt glaube ich, dass es uns nur stärker gemacht hat.»
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