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Armes Austria, gar nicht felix

Ungarn
14.06.2016
Von Jürgen Herda und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Dank Gábor Király und Deutschland-Legionären: Ungarn siegt 2:0
Alter Fußballadel trifft aufeinander, k. und k., die Habsburger Doppelmonarchie zurück auf großer Bühne. Das trifft vor allem für Ungarn zu, die ungekrönten Fußballhäupter der 1950er Jahre. Und Österreich schickt geeint hinter Superstar David Alaba die wohl besten Haberer der Alpenkicker-Geschichte ins Rennen. Und dann lassen sich die Rot-Weißen auskontern wie elf Tschapperln beim Schneebrunzen.
Galerie
Adam Szalai kann gar nicht genug bekommen vom Jubel.
Hat sich nicht ins Herz von David Alaba gepfiffen: Schiri Clement Turpin.

Bordeaux (jrh/dpa) - „Ich fand’s grandios“, jubelt Ungarns Trainer Bernd Storck, „was die Mannschaft geleistet hat. Tolles Ergebnis, tolles Spiel, bravo. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Die zweite Halbzeit war grandios.“ Österreich Top-Star ist da logischerweise in einer ganz anderen Stimmung: „Ich denke, mit der Roten Karte war es nicht einfach“, sucht David Alaba nach Gründen für die unerwartete Niederlage. „Ich denke, dass wir sehr gut ins Spiel gefunden haben, mit etwas Glück, können wir das 1:0 machen, dann sieht das Spiel ganz anders aus.“

Die Ungarn hätten nicht so viele Chancen gehabt, diese aber genutzt. „Wir haben uns sehr viel vorgenommen, aber wir sollten jetzt den Kopf nicht hängen lassen.“ Und Christian Fuchs ergänzt: „Wir waren von Anfang etwas unglücklich unterwegs“, stöhnt der Ex-Schalke-Legionär in Anspielung auf Alabas Pfostenkracher nach 30 Sekunden. „Die Ungarn haben es gut gemacht, haben uns kaum Raum gegeben, uns zu entfalten.“

Der EM-Rekordsenior
„Das war eine Top-Leistung unserer Mannschaft, unserer Fans“, freut sich Torwart-Legende Gábor Király, „die Jungs haben super gearbeitet, waren hellwach, zwei schöne Tore gemacht.“ Dank dem neuen EM-Rekordsenior und zwei Deutschland-Legionären hat Außenseiter Ungarn eine berauschende Rückkehr auf die große Fußball-Bühne gefeiert.

Beim 2:0 (0:0)-Erfolg im Derby gegen Österreich in Bordeaux kassierte Király als nun ältester Spieler der EM-Geschichte keinen Gegentreffer. Der zuvor 18 Monate torlose Szalai, der zuletzt mit Hannover 96 abgestiegen war, erzielte vor 34 424 Zuschauern in der 62. Minute die Führung. Zoltan Stieber vom 1. FC Nürnberg machte in der 87. Minute alles klar.

Bangen um Österreichs Achtelfinal-Einzug
Für die Österreicher, bei denen Aleksandar Dragovic in der 65. Minute Gelb-Rot sah, wird es nun in der Gruppe mit Portugal und Island schwer mit dem angestrebten Achtelfinal-Einzug. Dagegen haben die Ungarn von Trainer Bernd Storck nach dem unerwarteten Erfolg gute Chancen auf das Weiterkommen.
Austria gar nicht Felix: Guter Dinge: Die Österreicher wollen endlich auch mal bei einer EM das Looser-Image ablegen.

Die Teams der einstigen Doppelmonarchie hatten diesen Tag lange herbeigesehnt. Vor allem die erstmals seit 44 Jahren wieder für eine Europameisterschaft qualifizierten Ungarn empfanden das Duell als «historisches Spiel», wie Coach Storck erklärte. In die Geschichtsbücher zog auf jeden Fall Kiáraly ein, der mit 40 Jahren und 74 Tagen Lothar Matthäus als älteste Fußballer bei einer EM ablöste. Matthäus war 39 Jahre und 91 Tage alt, als er 2000 bei der 0:3-Niederlage gegen Portugal zum letzten Mal für Deutschland auflief und sein 150. Länderspiel absolvierte.

Alabas Pfostenkracher
Den besseren Start in Bordeaux aber erwischten die Österreicher. Schon nach 32 Sekunden hätte Alaba Team Austria auf den Weg bringen können, doch sein Fernschuss klatschte an den Pfosten. Wer nun ein offensives Feuerwerk der Österreicher erwartete, sah sich bald getäuscht. Die Ungarn spielten erstaunlich forsch mit. Der in der Bundesliga bei Hannover kaum eingesetzte Szalai und Laszlo Kleinheisler vom Fast-Absteiger Werder Bremen sorgten für einige Unruhe.

So dauerte es bis zur 35. Minute, ehe Veteran Király sich nach einem Volleyschuss von Zlatko Junuzovic zum ersten Mal auszeichnen musste. Mit einer Hand lenkte der Keeper den Ball um den Pfosten. Sechs Minuten später verpasste dann auch Martin Harnik nach einem schönen Angriff über Marko Arnautovic die Führung.

Eiskalte Konter
Die Ungarn aber ließen sich nicht beeindrucken. Kapitän Balazs Dzsudzsak probierte es zweimal vielversprechend aus der Distanz, ehe Szalais große Stunde schlug. Kleinheisler steckte den Ball wunderbar durch, der zuletzt so lange erfolglose Torjäger schloss schnörkellos ab. An der Seitenlinie konnte Coach Storck sein Glück kaum fassen, sein Team bejubelte die Führung wie entfesselt.
Ungarische Rednecks feiern ihre Mannschaft.

Und es kam noch besser. Nur drei Minuten später waren die Ungarn sogar in Überzahl, weil der bereits verwarnte Dragovic bei einem Angriff übereifrig Tamas Kadar in die Beine sprang und dafür vom französischen Schiedsrichter Clement Turpin zurecht des Feldes verwiesen wurde.

Die Österreicher fanden nun kein Mittel mehr gegen die immer selbstbewussteren Ungarn. Als dann Stieber kurz vor Schluss auf und davon eilte und mit einem feinen Lupfer traf, war die Überraschung besiegelt.

 

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