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Griechenland, Athen
23.01.2012
Griechenland: Das teure Ringen um ein Euroland
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Frankfurt/Brüssel (dpa) - Warum wirft man Griechenland nicht einfach aus dem Euro?Das sehen die EU-Verträge nicht vor. Außerdem warnen Fachleute vor solch einem Schritt: Die Griechen dürften in diesem Fall panisch ihre Konten plündern und ihr Geld in Sicherheit bringen. Die Banken des Landes würden zusammenbrechen und andere Institute im Ausland mitreißen. Und: Mit der Drachme könnte Athen seine Schulden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zurückbezahlen, Gläubigern würde dann ein Totalausfall ihrer Forderungen drohen.

Griechenland steht trotz aller Milliardenhilfen vor dem Abgrund. Das kleine Land am Rande der Eurozone hält einen ganzen Kontinent in Atem.
Wäre ein Austritt aus der Eurozone nicht günstiger?
Dagegen spricht, dass die Schuldenkrise die Finanzmärkte schon jetzt extrem verunsichert. Würde Griechenland freiwillig oder auf Druck die Währungsunion verlassen, droht der Staatengemeinschaft das Auseinanderbrechen. Der Schock käme dem nach der Pleite der US- Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 gleich. Zumindest dürfte es für ebenfalls hoch verschuldete Eurostaaten wie Portugal und Italien noch schwerer werden, wieder auf die Beine zu kommen. «Investoren außerhalb Europas würden den Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft als Grund sehen, generell die Architektur des Währungsraums infrage zu stellen», warnte der Chef der Osteuropabank EBRD, Thomas Mirow, im «Handelsblatt».
Löst nicht der aktuell diskutierte Schuldenschnitt das Problem?
Wenn private Gläubiger wie Banken und Versicherer wie geplant auf einen Teil ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten, würde Griechenland sich vor allem Zeit kaufen. Der Schuldenberg des Mittelmeerlandes - nach offiziellen Zahlen rund 352 Milliarden Euro würde schrumpfen. Langfristig wird Griechenland aber nur wieder Tritt fassen, wenn die Wirtschaft des Landes in Gang kommt. Das ist jedoch nicht einfach für ein Land, das vor allem vom Tourismus und Produkten wie Oliven, Feta und Wein lebt. «Griechenland konnte seit seinem EU-Beitritt 1981 keine wettbewerbsfähigen Beschäftigungsstrukturen entwickeln, es fehlen vor allem Arbeitsplätze mit hohen Qualifikationsanforderungen», urteilen Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW/Kiel) in einer Studie.
Welches Signal sendet die Beteiligung der privaten Gläubiger?
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann meint, der angestrebte Schuldenschnitt werde Europa auch auf lange Sicht teuer zu stehen kommen. Europäische Staatsanleihen seien bisher «mündelsicher» gewesen, dieses Prinzip werde im Falle Griechenland verletzt. «Dafür werden wir einen hohen Preis zahlen müssen, unter anderem in Form höherer Zinsen, die Investoren von vielen Regierungen verlangen werden», sagte Ackermann der dpa. Das Umfeld für die Finanzbranche ist ohnehin schon unsicher. «Die Warnlampen sind tiefrot», sagte jüngst der Vizepräsident des EU-Risikorats ESRB, Englands Notenbankpräsident Mervyn King. Die Schuldenkrise sowie das mangelnde Vertrauen untereinander setzen die Banken extrem unter Druck.
Ist Griechenland pleite, wenn nicht genug Gläubiger mitziehen?
Nicht zwangsläufig. So könnte die sogenannte Troika - Europäische Zentralbank (EZB), Internationaler Währungsfonds (IWF) und Europäische Union - offiziell erklären, die Beteiligung privater Gläubiger reiche aus - egal wie hoch sie tatsächlich ausfällt. Auf diese Weise könnte Griechenland weitere Hilfsmilliarden erhalten.
Was würde das für Deutschland bedeuten?
Werden die angepeilten 100 Milliarden Euro Gläubigerverzicht verfehlt, kämen auf den IWF und die europäischen Partnerländer - darunter auch Deutschland - wohl höhere Belastungen zu. Im Rahmen des ersten Hilfspakets hat Berlin dem Land bisher Kredite von 15,15 Milliarden Euro gewährt und dafür rund 380 Millionen Euro Zinsen erhalten. Erst wenn die öffentlichen Geldgeber den Geldhahn zudrehen, droht Griechenland tatsächlich die Pleite - dann schauen auch Kreditgeber in die Röhre. Die Kosten der Rettung blieben am Steuerzahler hängen.
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