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Warmes Wasser statt Ideologie

Europa
08.10.2011
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Donald Tusk will Premier bleiben
Donald Tusk hat gute Chancen, als erster Regierungschef Polens nach dem demokratischen Umbruch von 1989 wiedergewählt zu werden. «Die Reformen dürfen nicht wehtun», wiederholt der 54 Jahre alte Historiker stets. Er wolle den Menschen warmes Wasser in der Leitung statt ideologischer Visionen garantieren, sagt der liberalkonservative Politiker.
Warschau (dpa) - Im Wahlkampf präsentierte sich der Chef der regierenden Bürgerplattform (PO) als der starke Mann, der als Einziger seine Landsleute vor den Folgen der Krise schützen kann. Es gehe darum, Polen vor dem finanziellen Zusammenbruch zu retten, sagte er zum Abschluss seiner Wahlkampagne am Freitag. Und er versprach Hilfen in Milliardenhöhe aus EU-Kassen.

In der Außenpolitik gelang es Tusk, das belastete Verhältnis zu den beiden großen Nachbarn Deutschland und Russland zu entspannen. Mit Kanzlerin Angela Merkel verbindet ihn sogar ein freundschaftliches Verhältnis. Ungeachtet der Kritik seitens der nationalkonservativen Opposition, die ihm Nachgiebigkeit gegenüber Berlin und Moskau vorwirft, will Tusk seinen außenpolitischen Kurs fortsetzen.

Dem Jungen aus Danzig, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, hat niemals das Durchsetzungsvermögen gefehlt. Weil seine kaschubische Großmutter nur Deutsch sprach, hänselten ihn in der Nachkriegszeit andere Kinder. Als Schüler solidarisierte er sich mit den Werftarbeitern, die im Dezember 1970 gegen das Regime auf die Straße gingen. Im Jahr 1980 gehörte er zu den Mitbegründern der unabhängigen Gewerkschaft «Solidarnosc» an der polnischen Ostseeküste.

Der Zusammenbruch des Kommunismus 1989 öffnete Tusk, der jahrelang sein Brot mit Wartung von Fabrikschloten verdiente, den Weg in die Politik. Er gehörte zum liberalen Flügel der Partei Freiheitsunion von Tadeusz Mazowiecki, bis er 2001 seine eigene Gruppierung PO aus der Taufe hob. Mit ihr kam Tusk vor vier Jahren an die Macht. Von seinen wirtschaftsliberalen Ideen hat er sich inzwischen verabschiedet: Regierungsverantwortung mache sensibler für soziale Belange, sagt er heute.

 

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